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12. August 2009, 14:25 Uhr

"Nicht gegen Honkatonka"

Acht Jahre lang trainierte Berti Vogts die deutsche Nationalmannschaft, jetzt ist er Chef bei deren Gegner Aserbaidschan. Vor dem WM-Qualifikationsspiel redet er die Deutschen stark - und damit auch sich selbst. Von Wigbert Löer, Baku

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© Thomas Kienzle/AP

Er kommt mal wieder vor und begreift das als Chance. Berti Vogts, Weltmeister und deutscher Bundestrainer, Nationaltrainer in Kuweit, Schottland, Nigeria und seit April 2008 in Aserbaidschan, 62 Jahre alt inzwischen und immer noch von straffer Figur, wendet sich mit Hilfe deutscher Sportreporter an seine Heimat. Er sitzt in einem Hotel in Baku, am nächsten Tag sollen seine Jungs das WM-Qualifikationsspiel gegen die Deutschen nicht so hoch verlieren. Mehr ist nicht drin, das hat Vogts schon vorher gesagt. Jetzt legt er los.

"Wir spielen nicht gegen Honkatonka, sondern gegen die beste Mannschaft der Welt. Und die heißt Deutschland", sagt Vogts. "Wir wollen es ihr schwer machen. Wie lange wir es durchhalten, bleibt abzuwarten." Er macht sich klein und seinen Gegner groß - und damit, das geht, wiederum auch sich selbst. Er habe dem DFB vor fünf Jahren vorgeschlagen, sich nach dem Rücktritt von Rudi Völler für einen Neuanfang mit Jürgen Klinsmann, Joachim Löw und Oliver Bierhoff zu entscheiden, erklärt Vogts. "Der DFB hat es Gott sei Dank gemacht, und daraus entstand das wunderbare Märchen." Im Abspann der Kino-Doku von Sönke Worthmann hätte "nach einer Idee von Berti Vogts" stehen müssen. Das sagt Vogts nicht. Aber angemessen fände er das wohl.

Nach Ideen von Berti Vogts soll die junge Fußballnation Aserbaidschan auf die Beine kommen. In dem Land am Kaspischen Meer interessieren Ringer und Gewichtheber traditionell mehr als Kicker. Doch Vogts, den Deutschen, der so viel gewonnen hat, den kennt man. Man schätzt ihn auch. Aber man lässt ihn nicht.

Wenn Vogts Aserbaidschans Nationalspieler eine Woche lang mit hartem Training fit gemacht hat, werden sie in ihren Verein geschont. Die Klub-Trainer glauben, man könne ihnen nach den strammen Einheiten mit dem Deutschen kein Spiel zumuten. Vogts hat das vor einem Jahr berichtet und jetzt auch wieder. Er konnte es nicht ändern.

Vogts fühlt sich als Missionar
Der Mann aus dem 3500 Kilometer entfernten Korschenbroich erzählt so etwas, weil er sich als Missionar fühlt und zeigen will, wie die Ungläubigen so drauf sind. Es ist mal wieder keine leichte Aufgabe, die er übernommen hat. In Kuweit, seiner ersten Auslandsstation, fand er gute Strukturen vor, in Schottland eine echte Fußballnation, in Nigeria Spieler von Weltklasse. In Aserbaidschan sagt man ihm ein Trainingsspiel nach dem anderen und zuletzt ein ganzes Trainingslager ab.

Als Spieler war Vogts ein Kämpfer, niemals gab er auf. Im Gespräch mit den deutschen Journalisten kämpft er immer noch - um Anerkennung. Man kann das nachvollziehen. Er, der sich immer schon mit Konzepten befasst hat, galt nach seinem Rücktritt 1998 als Mann von gestern. Man verhöhnte ihn, weil er bei zwei Weltmeisterschaften hintereinander nicht einmal das Halbfinale erreicht hatte. Doch bei Europameisterschaften stand seine Mannschaft zweimal im Finale. 1996, in England, gewann Deutschland. Nach ihm traten Ribbeck und Völler, Klinsmann und Löw an. Doch den bis heute letzten Titel einer deutschen Nationalmannschaft holte Berti Vogts.

"Dem DFB stehen goldene Zeiten bevor. Was im Moment beim DFB entsteht, ist großartige Arbeit", sagt Berti Vogts noch. Der deutsche Fußball habe heute eine "unheimliche Breite in der Spitze". Berti Vogts nimmt für sich Anspruch, dazu beigetragen zu haben.

 
 
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