. .

News am 14.02.2012

Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
28. Juli 2009, 06:41 Uhr

Spanien-Tour kostete offenbar 10.000 Euro

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt steht weiter unter Druck: Die Nutzung ihres Dienstwagens im Urlaub habe insgesamt fast 10.000 Euro gekostet, hat der Bund der Steuerzahler ausgerechnet. Damit gerät Schmidts Aussage in Zweifel, die Dienstwagenfahrt nach Spanien sei günstiger gewesen als ein Leihwagen vor Ort.

Ulla Schmidt, Gesundheitsministerin, Dienstwagen, Spanien, Urlaub

Ulla Schmidt widerspricht der Kritik: Es sei günstiger, den Dienstwagen mitzubringen, als einen vor Ort zu leihen, sagt sie© Miguel Villagran/DPA

Die umstrittene Reise des Fahrers von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nach Spanien hat den Steuerzahler fast 10.000 Euro gekostet. Das hat laut "Bild"-Zeitung der Bund der Steuerzahler ausgerechnet. Demnach müssen allein für die Hinfahrt 3800 Euro angesetzt werden, unter anderem für Benzin. Hinzu kämen Maut-Gebühren und mindestens sechs Hotel-Übernachtungen, die mit insgesamt rund 600 Euro veranschlagt werden. Für die Dienstzeit und Überstunden setzen die Experten weitere 4872 Euro an. Damit koste die Reise den Steuerzahler mindestens 9386 Euro, sagte Hauptgeschäftsführer Reiner Holznagel der Zeitung zufolge. Weitere Kosten, wie beispielsweise für den nach dem Diebstahl nötigen neuen Dienstwagen, seien nicht berücksichtigt.

Der Steuerzahlerbund bezweifele angesichts der Zahlen die Aussage der Ministerin, die kostengünstigste Variante gewählt zu haben, als sie ihren Dienstwagen mitsamt Fahrer in ihren Ferienort schickte, berichtet auch die "Neue Osnabrücker Zeitung". Schmidt habe in den vergangenen Jahren mehrfach ihren Dienstwagen in ihren Urlaubsort mitgenommen, eine konkrete Zahl sei aber nicht bekannt, schreibt das Blatt unter Berufung auf eine Ministeriumssprecherin. Bei schon drei oder vier Urlaubsreisen wären auf Basis der Schätzung des Steuerzahlerbundes somit mehrere zehntausend Euro an Kosten angefallen.

Gesundheitsministerin Schmidt wies die Kritik an der Nutzung ihres Dienstwagens am Montagabend an der spanischen Costa Blanca zurück. Die Benutzung entspreche der Rechtslage und den Richtlinien, sagte sie am Rande einer Informationsveranstaltung für deutsche Senioren in Els Poblets nahe Denia. "Ich nutze den Dienstwagen dienstlich und ich nutze ihn privat. Wenn ich ihn privat nutze, wird sehr genau nach Fahrtenbuch abgerechnet und versteuert." Jeder, der Fragen habe, könne diese im Haushaltsausschuss beantwortet bekommen, und der Bundesrechnungshof könne jederzeit eine Wirtschaftsprüfung vornehmen.

Im vergangenen Jahr habe sie rund 6000 Kilometer privat abgerechnet. Sie handhabe das sehr genau, bekräftigte Schmidt. "In achteinhalb Jahren hat es nie eine einzige Beanstandung gegeben." Außerdem nehme sie auch im Urlaub dienstliche Termine wahr. Es sei günstiger, den Dienstwagen mitzubringen, als einen vor Ort in Spanien zu leihen. Sie habe immer einen Teil ihres Büros dabei und benötige stets den Zugang zum Computer, weil sich darin geschützte Daten befänden. Ihre Ausrüstung werde also immer hin und her transportiert.

Der Fall war bekanntgeworden, weil das Auto vor einer Woche in Schmidts Urlaubsort Denia nördlich von Alicante gestohlen wurde. Nach Polizeiangaben drangen die Täter durch eine unverschlossene Hintertür in das Haus ein, in dem Schmidts mitgereister Fahrer schlief. Die Ministerin zeigte sich erfreut, dass der Diebstahl für ihren Fahrer gewaltlos vonstatten gegangen und ihm nichts zugestoßen sei. Sie habe auch schon von anderen Fällen gehört, sagte Schmidt.

Die FDP verlangt bereits bis Mittwoch kommender Woche umfassende Auskunft der Gesundheitsministerin über die Dienstwagen-Angelegenheit. Als Mitglied des Bundestags- Haushaltsausschusses verlange der FDP-Abgeordnete Jürgen Koppelin bis zum 5. August einen detaillierten Bericht zu dem Fall, berichtet die "Berliner Zeitung". In Koppelins "Berichtsanforderung" seien insgesamt 14 Fragen aufgeführt - etwa welche dienstlichen Termine Schmidt in Spanien hatte, ob ihr Ministerium einen Dienstwagen der deutschen Botschaft angefragt hat oder wie hoch die Gesamtkosten des Dienstwagen-Einsatzes sind. Nach dem Haushaltsrecht sei die Regierung gezwungen, derartige Berichte fristgerecht vorzulegen. Der Haushaltsausschuss selbst tagt erst wieder Ende August.

Auch der Bund der Steuerzahler will es jetzt genau wissen: "Jeder normale Mitarbeiter im öffentlichen Dienst muss zu Recht ein Kilometer-Entgelt bezahlen, wenn er die private Nutzung eines Dienstwagens genehmigt bekommt. Es ist nicht verständlich, warum diese Regelung nicht für Regierungsmitglieder gilt", kritisierte Verbandsgeschäftsführer Holznagel. "Hier muss dringend eine eindeutige Regelung gefunden werden, die für die private Nutzung von Dienstfahrzeugen auch die private Belastung der Geldbeutel der Minister vorsieht."

Dienstwagen: Was erlaubt ist Wie Bundesminister mit ihren Dienstwagen im In- und Ausland fahren dürfen, wird in der Richtlinie für die Nutzung von Dienstkraftfahrzeugen der Bundesverwaltung von 2001 geregelt. Gemäß Paragraf 14, Absatz 1, bekommen Mitglieder der Bundesregierung Dienstwagen zur alleinigen und uneingeschränkten Nutzung zugeteilt. Damit wurde ein Kabinettsbeschluss von 1975 ersetzt, wonach ein Minister immer im Dienst ist. Privatfahrten werden geregelt in Paragraf 8, Absatz 1, des Einkommensteuergesetzes. Sie können pauschal abgesetzt oder mit Hilfe eines Fahrtenbuches belegt werden. AP

AP/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Dienstwagen-Affäre Schmidts Mercedes war nicht versichert

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt wehrt sich gegen die massive Kritik an der Nutzung ihres Dienstwagens im Urlaub - und erntet dafür beißenden Spott. Zu allem Überfluss kam nun auch noch heraus, dass der in Spanien geklaute 100.000-Euro-Mercedes gegen Diebstahl nicht versichert war. mehr...

Dienstwagen-Skandal Ulla Schmidts peinlicher Wahlkampf-Unfall

Es ist ein Fall besonderer politischer Naivität: Ulla Schmidts Ausflug mit dem Dienstwagen nach Spanien. Sie reiht sich damit ein in die lange Reihe von Selbstbedienern im Staatsamt. Der Wahlkampfauftakt der SPD sollte diese Woche eigentlich anders aussehen - Frank-Walter Steinmeier dürfte das Grauen gepackt haben. mehr...

Schmidt zur Dienstwagen-Affäre "Theater im Sommerloch"

Ulla Schmidt wehrt sich vehement gegen die Angriffe wegen der Nutzung ihres Dienstwagens im Urlaub. Ihr Vorgehen sei nicht nur rechtens, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll gewesen, erklärte die Gesundheitsministerin. Die CSU reagierte mit Spott auf den Diebstahl von Schmidts Dienstwagen. mehr...

Privat genutzter Dienstwagen Auch Koalitionspartner attackiert Schmidt

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt unter Druck: Wegen der privaten Nutzung ihres Dienstwagens im Spanienurlaub wird die SPD-Politikerin nun auch innerhalb der Großen Koalition angegriffen. Der CDU-Haushaltspolitiker Georg Schirmbeck sprach von einer "skandalösen Verschwendung von Steuergeldern". Auch die FDP legte nach. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind