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Steuervermeidung à la Ikea: Zahlst du noch oder trickst du schon?

Ikea hat es offenbar geschafft, durch ein undurchsichtiges Firmengeflecht Steuerzahlungen zu umgehen. Rund eine Milliarde Euro sollen die Schweden so gespart haben. Doch der EU hat kaum Möglichkeiten, diese Tricks zu stoppen.

  Ikea besteht aus einem Firmengeflecht - um Steuern sparen zu können.

Ikea besteht aus einem Firmengeflecht - um Steuern sparen zu können.

Ikea ist ein schwedisches Möbelhaus? Längst nicht mehr, denn inzwischen befinden sich die Markenrechte in niederländischer Hand und Einnahmen aus Lizenzgebühren bei der Luxemburger Stiftung. Ikea nutzt einen ausgeklügelten Plan, um Steuerzahlungen in Europa zu umgehen. Ganz legal, versteht sich.

Ikea spart sich eine Milliarde Euro Steuern

Ikea soll einer aktuellen Studie, die von der Gründen Partei in Brüssel in Auftrag gegeben worden ist, beim Steuersparen mitgemacht haben. Zwischen 2009 und 2014 soll der Konzern so eine Zahlung von einer Milliarde Euro umgangen haben. Möglich macht das ein Geflecht aus Firmen und Stiftungen, Markenrechten und Lizenzgebühren, berichtet der "Spiegel". Offiziell ist Ikea ein schwedisches Möbelhaus in Familienbesitz. Doch längst hat sich der Konzern mit den cleversten Steuertricks in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg eingenistet.


EU gegen Steuervermeider

Die Studie ist der  aktuellste Hinweis auf Steuertrickserei großer Konzerne. Öffentlich wurde das Problem wohl durch "Lux Leaks", also durch das Bekanntwerden von Steuervergünstigungen in Luxemburg. Dann folgten Anfang 2016 gleich zwei Paukenschläge gegen Steuervermeidung: Zunächst erklärte die EU belgische Steuerregelungen für illegal. Der Staat musste daraufhin 700 Millionen Euro Steuern nachfordern. Danach stellte die EU einen Maßnahmenkatalog vor, wie gegen die Steuerflucht von Großkonzernen vorgegangen werden kann. Auch ein Ausschuss im Europäischen Parlament beschäftigt sich längst mit diesen Geschäftspraktiken. Die Luft wird dünner für Steuervermeider, könnte man meinen. 

Die finden sich vor allem in Belgien, den Niederlanden, Irland und Luxemburg. Die Länder haben mit Mini-Steuern und Vergünstigungen jahrelang Unternehmen angelockt - und somit einen unfairen Steuerwettbewerb zwischen den Ländern in Europa gestartet, der nur einen Verlierer kennt: den Steuerzahler. 

Stiftungen, Firmen, Finanztöchter

Ikeas Trick mit dem Firmengeflecht funktioniert so: Ikea selbst gehört seit 1982 der niederländischen Stiftung Ingka Foundation, die allerdings von den Söhnen des Ikea-Gründers Ingvar Kamrad gesteuert werden. Das Vermögen der Stiftung wird auf 36 Milliarden Euro beziffert, damit ist die als gemeinnützig registrierte Organisation die wohl weltgrößte ihrer Art. Und natürlich zahlt die Stiftung kaum Steuern. Doch es gibt noch eine weitere Stiftung in Liechtenstein, die Interogo. Dieser milliardenschweren Stiftung gehört die Inter Ikea Gruppe, die wiederum in den Niederlanden sitzt. Inter Ikea kaufte die Markenrechte und das gesamte Ikea-Konzept und ist außerdem Franchisegeberin aller Ikea-Filialen. Dafür musste die Firma einen Milliardenkredit aufnehmen. Und wo tat sie das? Bei einer Finanztochter der Liechtensteiner Stiftung. Die Interogo Finance SA soll laut der Studie zwischen 2012 und 2014 knapp eine Milliarde Euro Zinsen von der Inter Ikea erhalten haben. Im nächsten Schritt floss das Geld wieder zurück an die Lichtensteiner Stiftung - und von dort in nicht benannte Gesellschaften.


Und so wurden "aus den eigentlich zu versteuernden Zinseinnahmen steuerfreie Dividendeneinnahmen", schreibt der "Spiegel". In dem Zeitraum zwischen 2012 und 2014 soll die Finanztochter Dividenden über 807,8 Millionen Euro überwiesen haben. Geld, das quasi unversteuert in Steueroase verschwinden konnte.

Deutschland um 36,6 Millionen Euro geprellt

Auch Belgien ist bei Ikeas Steuertrickserei dabei. "Die belgische Tochter Ikea Service Centre NV wurde dazu benutzt, fiktive Zinszahlungen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro zum Abzug zu bringen", sagt der US-Forscher Marc Auerbach dem "Spiegel". Auch in Deutschland hat Ikea sich um Steuerzahlung gedrückt, heißt es in der Studie. Allein im Jahr 2014 konnte sich der Möbelgigant Steuerzahlungen in Höhe von 36,6 Millionen Euro sparen.

Schwert der EU ist stumpf

Ikea verteidigt sich. "Die globale Ikea-Gruppe hat im Jahr 2015 Unternehmensteuern in Höhe von 822 Millionen Euro gezahlt", zitiert der "Spiegel" das Unternehmen. Laut der "Welt" bemängelt Ikea, dass es in der Studie "Missverständnisse" und "unkorrekte Annahmen" gebe. 

"Die Studie zeigt das ganze Ausmaß des Steuerdumpings in Europa", sagt der finanzpolitische Sprecher der Gründen im Europaparlament Sven Giegold dem "Spiegel". "Es ist ein Schlag ins Gesicht aller Steuerzahler, dass Unternehmen in der Europäischen Union noch immer problemlos Milliarden von Steuern vermeiden können", sagt Giegold der "Welt".

Brüssel will zwar gegen diese Steuervermeidung vorgehen, doch das Schwert der EU ist stumpf. So werden beispielsweise Stiftungen vom Gesetz nicht erfasst. kein Wunder also, dass sich diese Geschäftsform großer Beliebtheit bei den Steuervermeidern erfreut.

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