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20. Februar 2008, 11:58 Uhr
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Biosprit heizt Klimawandel an

Kraftstoff aus Pflanzen - das klang erst nach der grünen Alternative für fossile Brennstoffe. Doch die Bilanz für Biosprit ist mies, wie gleich drei aktuelle Studien zeigen: Durch den Biotreibstoff landen mehr Treibhausgase in der Atmosphäre. Und die Nahrungsmittelpreise steigen. Von Nina Bublitz

80 Prozent des Biodiesels wird aus Raps erzeugt© Axel Krieger/Okapia/Picture-Alliance

Die Produktion von Biosprit könnte den Klimawandel in vielen Fällen drastisch beschleunigen. Denn in der Endbilanz entstehen durch Produktion und Nutzung des Kraftstoffs aus Mais, Raps oder Palmöl mehr Treibhausgase als durch das Fördern und Verbrennen fossiler Brennstoffe. Zu diesem Schluss kommen drei wissenschaftliche Studien, die in den Journalen "Science" und "Atmospheric Chemistry and Physics" veröffentlicht werden.

Das erste Biosprit-Problem: Um Anbauflächen für die Pflanzen zu schaffen, werden Wälder und Grasflächen zerstört. "Diese natürlichen Flächen speichern große Mengen Kohlendioxid, werden sie in Agrarflächen umgewandelt, wird es in die Atmosphäre freigesetzt", erklärt John Fargione, dessen Studie in "Science" erscheint. Der Wissenschaftler arbeitet bei der Umweltorganisation "Nature Conservancy".

Fargione und seine Kollegen ermittelten, dass die Kohlendioxid-Bilanz besonders für Biotreibstoff aus Palmöl verheerend ist - weil Urwaldflächen in Indonesien gerodet werden, um Platz für Palmenplantagen zu schaffen. Die Forscher haben errechnet, wie lange man Biosprit produzieren müsste, um durch dessen Einsatz den Kohlendioxidausstoß durch die Rodung der Fläche wieder auszugleichen: Sie kamen auf 423 Jahre. Auch die Produktion von Soja im Amazonasgebiet - auf ehemaligen Regenwaldflächen - hat eine miese Bilanz. Erst nach 319 Jahren wäre hier die ursprüngliche Kohlendioxid-Schuld beglichen.

Nobelpreisträger fordert kritische Treibhausgasbilanz

Ein Team um Timothy Searchinger von der Princeton University berechnete in der zweiten in "Science" veröffentlichten Studie, was die Produktion von Biosprit aus Mais mit sich bringen würde. Ihr Schluss: "Wenn Ackerflächen genutzt werden, um mehr Biotreibstoffe zu produzieren, wird das sehr wahrscheinlich die globale Erwärmung verstärken."

Nach einer Untersuchung des Nobelpreisträgers Paul Crutzen vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz setzt zudem der Pflanzendünger drei- bis fünfmal mehr Distickstoffmonoxid (Lachgas) frei als der Weltklimarat IPCC bislang angenommen hat. Dies berichtet Crutzen im "Atmospheric Chemistry and Physics". Das stickstoffhaltige Lachgas ist ein 300mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Biodiesel aus Raps und Mais seien allein deshalb klimaschädlicher als normaler Treibstoff. 80 Prozent des Biodiesels werde aus Raps produziert. "Ich bin nicht generell gegen Biosprit, sondern nur dagegen, wie er momentan angewendet wird", sagt Crutzen. Er forderte eine umfassende, kritische Treibhausgasbilanz für jeden Biokraftstoff. Der Nobelpreisträger hatte seine Studie bereits im September im Internet zur Diskussion gestellt. Ende Januar wurde sie nun ohne bedeutende Veränderung gedruckt.

Im Tank statt auf dem Teller

Dazu kommt ein zweites großes Biosprit-Problem: Wenn Mais und Soja immer häufiger im Tank landen, wirkt sich das auf die Lebensmittelpreise aus. In Mexiko etwa stiegen in den vergangenen Jahren die Preise für Tortillas drastisch, weil die USA immer mehr Mais einkauft. Ein Drama: Während sich Autofahrer auch teureren Biosprit leisten, können arme Familien Grundnahrungsmittel wie Maisfladen nicht mehr bezahlen. Südafrika reduzierte kürzlich die Biosprit-Produktion - und stoppte die Herstellung von Treibstoff aus Mais komplett, weil die Pflanze ein günstiges Grundnahrungsmittel ist.

Die Bundesregierung arbeite derzeit "mit Hochdruck" an einer Verordnung, die Klimabilanz und Naturverbrauch der Biokraftstoffe berücksichtigen soll, betonen Umwelt- und Landwirtschaftministerium in der "Roadmap Biokraftstoffe". Große Hoffnungen setzen Politiker und Forscher auf Biokraftstoffe der zweiten Generation, die eine bessere Klimabilanz haben. Für diesen Sprit können alle Pflanzenteile und damit auch Holzabfall genutzt werden. Holz wird in dem sogenannten BtL-Verfahren (Biomass to Liquid/Biomasse zu Flüssigkeit) etwa erst in Gas umgewandelt und dann zu Ethanol verarbeitet.

Von Nina Bublitz
KOMMENTARE (10 von 21)
 
ramteid (10.02.2008, 21:05 Uhr)
Zockerpolitik
Wann wird es ein Gesetz geben, dass Volksverdummung bestraft wird. Bei Volksverhetzung gibt es doch schon eins. Die ganze Klimadiskussion zeigt nur die Unfähigkeit, dass überwiegend Laien in den Parlamenten sitzen und naiver oder bezahlter Weise diesen Arbeitsnachweisen von unzähligen sogenannten, zum größeten Teil unfähigen Forschern und deren Studien leben. Besonders hervorgetan wird sich in Deutschland mit einem Bevölkerungsanteil von unter einem Prozent will die Welt retten. Diese ganzen Wichtigtuer von Gabriel bis Bätzing müssen abgewählt werden.
demandt (09.02.2008, 15:40 Uhr)
Das ganze Klimawandelgelaber ist doch Humbug!
Alle 'großen' Studien wie die UNO-Klimastudie gehen immer vom Zeitraum seit 1880 aus. 1800 war es aber viel wärmer als (prognostiziert) in 50 Jahren!
http://www.konrad-fischer-info.de/7argus.htm
Sanjoaquin (08.02.2008, 16:00 Uhr)
Es geht noch viel idiotischer
In Deutschland werden ökostromgeförderte Blockheizkraftwerke mit Palmöl aus Malaysia und Indonesien betrieben zur Erzeugung von Holzpellets. Auf der einen Seite ruinieren sie die Einheimischen in der dritten Welt und auf der anderen Seite versechsfachen sie mit den Pellets den LKW-Verkehr im Heizmaterialbereich. Bin gespannt, was die Ökospinner im Verbund mit popularitätsheischenden Politikern noch alles anstellen um diese Welt endgültig zu ruinieren. Aber Panik machen, das können sie echt gut.
belzebub99 (08.02.2008, 12:51 Uhr)
Alles Käse
mit dem Klimawandel.
Volksverdummung eben.
Amin42 (08.02.2008, 12:33 Uhr)
@Kallisto4 und alle....
Jeder Benziner ist problemlos mit E10 zu betrieben, bis auf die jenigen, die wg. der Oktanzahl auf Super+ angewiesen sind. Ansonsten ist jeder Neziner E10 tauglich. Die ganze EU Richtlinie - die es ja schon seit 2001 gibt - wird jetzt als Vermarktungsaktion für schlecht verkäufliches Super+ missbraucht. Also nochmal merken: kein Benziner der mit Normal oder Eurosuper fährt braucht in Zukunft Super+
Kallisto4 (08.02.2008, 12:16 Uhr)
Super Plus für den Klimaschutz?
Große Erleichterung trat ein, als mir mein Autohersteller auf Anfrage mitteilte, dass mein Fahrzeug uneingeschränkt tauglich sei für den "Biosprit" E10 ab 2009.
Was nun? Wieder mal ein Schnellschuss unserer Politiker, ohne sich vorher richtig Schlau zu machen?
Aus Klimaschutzgründen sollte man dann ja wohl konsequenterweise Super Plus tanken. Die Mineralölindustrie wird's freuen .
Skarrin (08.02.2008, 11:55 Uhr)
Solar statt Raps
Wie man leicht berechnen kann (well-to-wheel-Analyse), ist der Energieertrag pro Hektar viel höher, wenn man darauf Solarzellen installiert anstatt Raps etc. anzupflanzen. Und dann kann unter den Zellen immer noch Gras wachsen z.B. als Schafweide!
@Vincent_Vega: Mein Roller fährt die 30km zur Arbeit in 40 Min. und braucht dafür weder Fossil- noch Biosprit, Platz für Einkäufe hat er auch noch. Wie wärs mit ein bißchen Nachdenken statt nur Dummlabern?
GGGGGG (08.02.2008, 11:31 Uhr)
Schlampige Politik
Wir brauchen alternative (regenerative) Energiequellen auch für unsere Mobilität. Aber das Biospritkonzept ist einfach nicht durchdacht gewesen. Statt Lebensmittel zu Sprit zu verdauen, hätte man sich lieber gleich auf den massenhaft vorhandenen Biomüll oder minderwertige Lebensmittelnebenprodukte konzentrieren müssen. Nicht zu vergessen die gigantischen Güllemengen. Da kann man zwar nicht direkt Ethanol draus gewinnen, jedoch grosse Mengen an Biogas. Dieses kann man für die Erdgasautos verwenden oder zu wertvollen Benzinbeimischungen synthetisieren.
Es gibt soviele gute Möglichkeiten und Chanchen, von denen die meisten durch unsere schlappe und visionsarme Regierung versäumt werden.
Ereichle (08.02.2008, 11:03 Uhr)
Welchen...
(klimapolitischen) Wirkungsgrad haben eigentlich Wale?
Würde sich die Beimischung der wohl überflüssigen Seehoferschen Rettungsringen (bezogen auf den BMI)
nicht rechnen?
Wie hoch ist der COs-Ausstoß bei Politiker, Tugend- und Klimaterroristen beim Erzeugen ideoligischer Warmluft?
Würde nicht schon die Beimischung von etwas Hirn (gibts aus BSE-Rüchständen sicher noch reichlich) das Weltklima neu bilanzieren.
Alles wird Knut!
borstel257 (08.02.2008, 10:47 Uhr)
Bin mal gespannt,
wann ein schlauer Geschäftemacher damit beginnt, aus den Leichen der wegen Nahrungsmangel und unerschwiglichen Lebensmittelpreisen
verhungerten Menschen der dritten Welt Bio-Kraftstoff zu produzieren ???
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