Im Kernforschungszentrum Cern startet bald ein spektakuläres Experiment. Einige Wissenschaflter befürchten allerdings, dass der Versuch im Teilchenbeschleuniger die Erde in Gefahr bringt. Chaosforscher Otto Rössler spricht im stern.de-Interview über den möglichen Weltuntergang.

Die Tunnel des Cern erstrecken sich über viele Kilometer© Keystone/Martial Trezzini/AP
Im Europäischen Zentrum für Kernforschung Cern in Genf soll im Sommer ein gigantisches Experiment von mikroskopischen Ausmaßen steigen: In einem 27 Kilometer langen Tunnel soll mit vierzehn Mal größerer Energie als bisher in die Mikrowelt hinein gesehen werden, um heraus zu finden, aus welchen Bausteinen die Materie besteht. Dafür werden im Large Hadron Collider (LHC) gleiche Teilchen beschleunigt, aufeinander geschossen und zur Kollision gebracht. Was für die meisten Wissenschaftler den größten wissenschaftlichen Fortschritt seit mehr als 30 Jahren darstellt, sorgt eine kleine Minderheit von Forschern. stern.de hat mit dem Chaosforscher Otto E. Rössler über seine Bedenken gesprochen. Herr Professor Rössler, im LHC werden erstmals Protonen oder Wasserstoff-Kerne aufeinander geschossen - klingt nach einem spannenden Experiment... Sicher. Das Problem ist, dass keiner weiß, was passieren wird. Mit dem LHC wird eine Schwelle zum ersten Mal überschritten, wobei man sich zwei Dinge erhofft. Einmal, die Existenz eines bislang nicht entdeckten Elementarteilchens nachzuweisen. Das Higgs-Teilchen ist ein hypothetisches Elementarteilchen, von dem die meisten Wissenschaftler glauben, dass man es endlich finden muss. Das zweite Ziel ist, dass man neue Phänome findet - die man, weil man sie bisher noch nicht kennt, auch nicht genau benennen kann. Dazu gehört die Möglichkeit, dass sich kleine schwarze Löcher bilden. Deshalb sind die Cern-Forscher so begeistert. Weil sie hoffen, dass man entweder das Higgs-Boson, kleine schwarzen Löcher oder etwas drittes Unbekanntes findet.
Bis vor kurzem glaubte man, dass kleine schwarze Löcher die sogenannte Planckmasse haben müssen. Das ist ungefähr so schwer wie ein Körnchen Sand. Die schwarzen Löcher, die man im Cern erzeugen könnte, sind aber noch viele Milliarden Mal kleiner. Gehofft wird, dass sie ganz schnell zerstrahlen. Es gibt seit 33 Jahren eine entsprechende Formel von Stephen Hawking. Man spricht von der Hawking-Strahlung. Danach haben kleine schwarze Löcher eine Art Wärmestrahlung, durch die ihre Masse rasch abnimmt. Sie sollen in 10 hoch minus 26 Sekunden wieder zerfallen, also in einem unvorstellbar schnellen Sekundenbruchteil. Wenn das stimmt, sind sie absolut ungefährlich - und man lernt aus den Zerfallsprodukten, die entstehen, neue Informationen über die Mikrowelt.
Sie liegen bei grob 10 Prozent, und man erhofft sich ein schwarzes Loch pro Sekunde. Das sind etwa 10 Millionen pro Jahr. Die allermeisten dürften wegfliegen, nur etwa jedes Hunderttausendste oder Millionste nicht. Die wären dann langsamer als 11 Kilometer pro Sekunde. Folglich bleiben sie auf der Erde, wegen der Schwerkraft - und würden dann in der Erde herum kreisen. Gefährlich sind nur diese kleinen schwarzen Löcher.
Sozusagen. Ich habe ein Theorem entwickelt, bei dem heraus kommt, dass die Hawking-Strahlung nicht existiert.
Das bedeutet, dass schwarze Löcher nicht zerfallen können. Sondern dass die Biester nur noch wachsen, wenn sie erst einmal da sind. Die Frage ist dann nur noch, wie schnell sie wachsen. Das Problem ist, dass das Theorem sehr neu ist, es stammt aus dem letzten September, und dass das CERN es offenbar noch nicht richtig zur Kenntnis genommen hat.
Die erste exakte Lösung der allgemeinen Relativitätstheorie gab es 1915 - von einem Sternwarten-Direktor namens Karl Schwarzschild, der ein Freund Einsteins war. Das ist die sogenannte Schwarzschild-Metrik. Daraus hat Hawking die Hawking-Strahlung abgeleitet, mit Hilfe der Quantenmechanik. Ich habe mich auf die Relativätsseite beschränkt und dabei heraus gefunden, dass Licht von der Oberfläche des schwarzen Loches bis zu unserer Welt unendlich lang braucht. Folglich würde auch die Hawking-Strahlung unendlich lange brauchen. Wenn sie unendlich lange braucht, gibt es sie nicht.
Man würde schwarze Löcher nicht erkennen: Weil sie eben nicht verdampfen und daher auch keine Spuren hinterlassen. Weil sie nicht sichtbar sind, würde man glauben, man hätte sie nicht erzeugt. Tatsächlich schwirren sie im Erdkern herum. Durch das, was in der Erde an Teilchen ist, könnten sie hindurch - durch alle Materie, weil sie so klein sind. Aber irgendwann prallen sie dann doch mit Erdteilchen, sogenannten Quarks, zusammen und fressen sie auf. Das Cern hat nun eine beruhigende Schätzung auf seiner Website, bis so ein schwarzes Loch beim Herumlaufen in der Erde alles aufgegessen hätte: Etwa fünf Milliarden Jahre.
Ja, weil bis dahin die Sonne vermutlich sowieso die Erde geschluckt hat. Dann gibt es einen britischen Wissenschaftssender, der auf lediglich 50 Millionen Jahre kommt, was bereits hundert mal schneller ist. BBC Horizon hat dann eine Umfrage gemacht. Mehr als 90 Prozent der abstimmenden Nutzer wollten nicht, dass unsere Erde in 50 Millionen Jahren kaputt ist.