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AUS DEM STERN 28/2001: Luxuriöser Luftikus

Mit dem neuen Lexus SC 430 zielt nun Toyota ab Oktober auch auf die gut situierte Gesellschaft, die derzeit ihre Cabrios noch bei Mercedes kauft.

Mit dem neuen Lexus SC 430 zielt nun Toyota ab Oktober auch auf die gut situierte Gesellschaft, die derzeit ihre Cabrios noch bei Mercedes kauft

Als ich meinen Söhnen (16 und 17 Jahre alt) am Morgen erzählte, ich würde sie mit einem Testwagen von der Schule abholen, waren sie begeistert: »Cool! Was für 'ne Marke?« Ich sagte: »Ein Lexus!« Es wurde still. »Ein Lexus?«, murmelten sie. Zwei Wochen Kur in Bad Pyrmont hätten sie kaum mehr begeistert.

Aber dann kam alles ganz anders. Als ich mit dem silberglänzenden Cabrio vor der Schule aufkreuzte, stand die halbe Klasse drum herum. Und als ich auf den Knopf drückte, das Dach sich zusammenfaltete und nach knapp 30 Sekunden im Kofferraum verschwand, war die Sensation perfekt: Jeder wollte einsteigen. Dabei hatten die Jungs noch gar nicht die neun Lautsprecher der Stereoanlage gehört, aus denen selbst bei 150 km/h und offenem Verdeck noch klar und sauber Musik zu hören ist.

Der Lexus SC 430 - Mercedes-Schreck oder Luftnummer? Diskutieren Sie im stern.de-Forum

Das hat der Luxusmarke aus dem Haus Toyota gefehlt: ein cooler Lexus. Das eigenwillige Cabrio erregt überall Aufsehen. Vor allem jüngere Männer - bisher nicht gerade Lexus-Fans - hoben den Daumen oder klopften an der Ampel anerkennend aufs Blech: »Cool car.« Eine Testfahrt des stern durch Maryland, USA, klärt, ob das neue Auto auch innere Werte besitzt.

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Glanz & Gloria:

glitzernd.

So blendend hat sich noch kein japanisches Auto präsentiert. Auch eingefleischte Stuttgart-Anbeter werden sich erstmals gen Osaka verneigen. Der Wagen wird vom Hersteller als ein »offener 2+2-Sitzer« bezeichnet. Doch das + 2 steht wohl eher dafür: Man muss zweimal hinschauen, um auf der edel gepolsterten Rückbank etwas Stauraum für zwei kleine Taschen zu entdecken. In Wahrheit ist er ein sportlicher Zweisitzer. Das kräftig runde Hinterteil täuscht. Wer hofft, dort sein Gepäck für eine Woche Urlaub unterbringen zu können, wird sich die Augen reiben. Wenn erst mal das Dach im Kofferraum verschwunden ist, bleibt nur noch Platz für einen flachen Kleidersack.

Gas & Spass:

riesig.

Es war eine Lust, viel zu schnell über die gewundenen Straßen rund um die Chesapeake Bay zu kurven. Die Beschleunigung ist rasant und der 286 PS-Achtzylinder so leise, dass man nicht mitbekommt, wie man in wenigen Sekunden weit oberhalb des US-Tempo-Limits landet. Die Fünfstufenautomatik schaltet präzise und schnell. Die Federung ist straff, die Lenkung direkt. Ein Durchdrehen der Antriebsräder wird von der Traktionskontrolle verhindert. Beginnt das Auto bedrohlich zu wanken, nimmt der Computer sofort Gas weg und stabilisiert den Wagen dadurch wieder. Die angegebenen zwölf Liter Durchschnittsverbrauch haben wir nicht geschafft, es waren 13,1 Liter auf 100 Kilometer.

Drum & Dran:

alles drin.

Walnuss-Wurzelholz oder Ahorn, so weit das Auge reicht. Der stählerne Überrollbügel ist unsichtbar in den hinteren Kopfstützen versteckt, vier Airbags, 440-Watt-Stereoanlage, Sechsfach-CD-Wechsler sowie Bordcomputer. Klimaautomatik und Radio passen sich an, je nachdem, ob offen oder geschlossen gefahren wird. Der Navigationscomputer (6750 Mark Aufpreis) führte uns metergenau über kleine Landstraßen und durch die verstopfte Innenstadt von Washington.

Geld & Wert:

saftig.

Obwohl das Lexus-Cabrio 135000 Mark kostet, ist es schon weit bis ins Jahr 2002 hinein ausverkauft. Für den deutschen Markt stehen pro Jahr nur 300 Wagen zur Verfügung - weil die Nachfrage in den USA so groß ist.

Fazit:

Wer sich dieses Auto leisten kann, hat auch das Geld, sich sein Ferien-

gepäck nachschicken zu lassen.

Von Claus Lutterbeck

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