AUTO Frischluft-Schau


Sein Anblick weckt Begierde. Doch die Knüller des neuen Mercedes SL fallen nicht ins Auge. Die wegweisende Neuerungen steckt unterm Blech.

Sein Anblickweckt Begierde. Doch die Knüller des neuen Mercedes SL fallen nicht ins Auge. Die wegweisende Sicherheitselektronik steckt unterm Blech.

Beinahe hätte der SL ein aufregendes Blechkleid bekommen. Skizzen dazu lieferten zehn Revoluzzer aus dem Mercedes-Designnachwuchs. Darunter ein scharfkantiger »Italo-Look« und eine »englische Variante« mit Fließheck. Die Konzernherren bedankten sich artig bei den jungen Wilden - und bauten ihre schwäbische Version, eine in Blech gekleidete Parole des Wirtschaftswunder-Kanzlers Ludwig Erhardt: keine Experimente. Klar, alles Geschmackssache. Dennoch gestehen selbst Kritiker, dass es in jüngster Vergangenheit unter dem Stern weitaus popeligere Verpackungen gab als beim neuen SL. Wie er fährt, klärt ein stern-Fahrbericht.

Glanz & Gloria: überragend.

Wer im SL aufkreuzt, schindet Eindruck. Neidfaktor und Überholprestige sind enorm. Marketingstrategen und Image-Polierer haben nichts zu tun. Auch ohne ihren Job weiß jeder, dass der SL mächtig viel Kohle kostet und alles bietet, was Mercedes an technischen Finessen draufhat.

Gas & Spass: super

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Der schwere Brocken (Leergewicht 1,85 Tonnen) lässt sich beinahe so locker und präzise um scharfe Kurven treiben wie ein Leichtgewicht. Das ABC-System (Active Body Control) bügelt je nach Zuladung und Fahrstil automatisch Schwingung und Kurvenneigung glatt. Nachteil: Möchtegern-Pistenfeger merken dann kaum noch, wie schnell sie tatsächlich unterwegs sind, weil der SL ohne Krawall abzieht.

Gleiten & Geniessen: überlegen.

Wenn das Metalldach zugeklappt ist, geht es drinnen so gediegen und leise zu wie in der S-Klasse Limousine. Andererseits sind mit aufgestelltem Windschott offene Touren bis weit über Tempo 200 möglich, ohne dass der Fahrtwind die Fönfrisur tiefgreifend zerfleddert. Das Innenraumdesign kommt teilweise leicht seniorenmäßig daher. Tacho und Drehzahlmesser liegen unter weit vorragenden, halbrunden Vordächern, die wie tütenförmige Lampenschirme aus Ekel Alfreds TV-Wohnstube aussehen. Dennoch: Lesbarkeit und Bedienkomfort aller Schalter und Knöpfe sind Spitze.

Drum & Dran: üppig.

Der SL ist kein Rohbau, der erst mit Zutaten aus der Aufpreisliste fahrfähig gemacht werden muss. Schon die Serienausstattung ist eine rollende Leistungsschau der Sicherheits- und Komfortelektronik. Serienmäßig sind sogar das ABC-System und die neuartige elektrohydraulische Bremse. Dennoch ist nicht alles an Bord: Das Navigationssystem kostet rund 4200 Mark extra, Ledersitze um die 6800 Mark, und ein Telefon gibt¿s ab 1200 Mark Aufpreis.

Geld & Wert: abgehoben.

Mit derlei Ausstattung sind schnell 200000 Mark für den SL 500 fällig. Die betrachten Käufer des Stern-Kreuzers aber eher als Wertanlage, denn die Nachfrage nach Vorgängertypen ist traditionell groß. Die Preise stehen entsprechend hoch.

Fazit:

ein luxuriöser Zweisitzer, der sowohl für protziges Schaulaufen als auch für betont sportliche Gangart taugt und dabei sogar die Abgasnorm Euro 4 schafft. Der SL 500 ist Weltklasse in fast allen Disziplinen. Auch im Preis.

Von Peter Weyer


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