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Cabrio Tests: Vergleich: Audi, BMW, Mercedes und Volvo

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Audi A4 Cabriolet 3.0 TDI

Agiler Allradler mit Eleganz

Als offener Zweitürer

wirkt die Mittelklasse aus Ingolstadt gegenüber der Basislimousine nahezu mondän und elegant. Sie erscheint mit gestreckter Karosserielinie und relativ flach verlaufendem Faltdach fast wie ein anderes Auto. Kaum zu merken, dass die Modellreihe, die im Herbst runderneuert wird, nicht mehr ganz taufrisch ist. Allein das unten im Cockpit platzierte Display, das so heute nicht mehr zugelassen würde, verrät das wahre Alter des Erfolgstyps. Verarbeitung, Qualitätsanmutung und Bedienung sind dagegen noch heute vorbildlich. Ebenso die Steifigkeit der Karosserie. Kein Kratzen oder Knirschen bei offenem Dach, selbst auf bösen Buckelpisten nicht.

Auffällig:

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Große Cabrios wie der A4 sehen zwar schlank aus, leiden aber an Übergewicht. Mit den üblichen Rundum-sorglos-Airbag-Überrollschutz- Systemen bringen sie locker an die 1,8 Tonnen Leergewicht auf die Waage. Der Audi ist mit 1790 Kilogramm nicht der Schwerste, obwohl er als Einziger serienmäßig einen Allradantrieb hat, der zusätzliche Pfunde bringt. Trotzdem erreicht der offene Diesel nach 7,3 Sekunden die 100-km/h-Marke. Dabei verhindert der Vierradantrieb (quattro genannt) selbst das geringste Durchrutschen der Räder (Schlupf), obwohl der Motor so viel Kraft (Drehmoment) entfaltet, dass von den sechs Gängen eigentlich nur drei nötig wären. Gefühlt jedenfalls.

Das Fahrwerk

ist narrensicher, aber sehr straff abgestimmt. Stöße und Wellen der Fahrbahn dringen deutlich spürbar bis in die gut gedämpften Sitze. Für ein familientaugliches Sonnenspaßmobil dürfte sich mancher Fahrer jedoch eine komfortablere Auslegung wünschen. Die würde dann auch besser zum auffallend niedrigen Geräuschpegel im Innenraum passen. Es gibt zwar gegen Aufpreis ein spezielles Faltverdeck mit einer Extraportion Dämmstoff, dringend nötig ist es aber nicht.

Technische Daten


Motor

: V6; 3,0 l; 171 kW/233 PS; 0–100 km/h in 7,3 Sek., Spitze 242

Verbrauch

: EU-Norm: 7,9 Liter, stern-Test: 10,5 Liter/100 km

CO2-Emission

: 209 g/km; Leergewicht 1790 kg; Kofferraum min./max. 246/315 Liter

Preis

: ab 44 850 Euro

BMW 330d Cabrio

Kerniger Sportler zum Bummeln

Erstmals

in ihrer Firmengeschichte bestücken die Bayern ein Auto mit einem klappbaren Blechdach. Dagegen hatten sie sich lange gewehrt, um nicht als zweiter Sieger hinter Vorreiter Mercedes zu gelten. Die Dachdeckerei ist aber jetzt gut gelungen. Weil die Fugen kaum ins Auge fallen, ist das geschlossene Cabrio vom echten Coupé auf den ersten Blick schwer zu unterscheiden. Einerseits arbeitet das komplizierte Hebe- und Hebelwerk selbst bei schräg stehendem Auto leise und zügig, andererseits zeigten einige Kunststoffteile der Abdeckung schon nach ein paar Dutzend Klappeinsätzen deutlich sichtbare Gebrauchsspuren.

Unter dem Blech

stecken aufsehenerregende Sportlerqualitäten. Der Diesel-Dreier stürmt als Schnellster im Vergleichsquartett sogar hurtiger auf Tempo 100 als kompakte Sportbenziner mit Turbobeatmung oder Supersprit-Coupés mit gleich großem Hubraum. Der Münchner hat klar den besten Motor unter der Haube, den weltweit einzigen Reihen-Sechszylinder, der auch als Diesel nicht zu überbieten ist. Auch die Lenkung ist eine Klasse für sich. Zielgenauer und zugleich leichtgängiger dürfte kaum eine andere sein.

Gewöhnungsbedürftig

ist dagegen das betont sportliche, fast schon ruppig abgestimmte Fahrwerk mit den serienmäßigen Pannenschutzreifen (Runflat). Die verstärken die polternde Härte so sehr, dass der Eindruck von Holzreifen entsteht. Andererseits ist die Traktion damit überragend, kaum schlechter, als sie mit Allradantrieb sein könnte. Jedenfalls nicht, solange Reifen mit der hauseigenen Qualitätsnorm (BMW-Spezifikation) montiert sind. Sie ermöglichen extrem kurze Bremswege. Zwar standen – außer Volvo – alle schweren Diesel-Cabrios aus Tempo 100 deutlich vor der mustergültigen 37-Meter-Marke, aber der Bayer knackte sogar die 35-Meter-Grenze. Porsche- Niveau. Und: Irgendwann vergisst der Fahrer, dass er in einem Diesel sitzt.

Technische Daten


Motor:

R6, 3.0 l, 170 kW/231 PS; 0–100 km/h in 7,0 Sek., Spitze 245

Verbrauch:

EU-Norm: 6,8 Liter; stern-Test: 9,9 Liter/100 km

CO2-Emission:

181 g/km; Leergewicht 1825 kg; Kofferraum min./max. 210/350 Liter

Preis:

ab 49 000 Euro

Mercedes 320 CDI Cabrio

Moderner Klassiker mit Flair

Alles passt

, alles sitzt. Dank der besonders großen Einstellbereiche von Sitz und Lenkrad ist der Schwabe selbst für überformatige Fahrer noch bequem und wohnlich. Zusätzliches Wohlgefühl entsteht durch die tiefe Sitzposition und die hohe Gürtellinie. Denn diese beiden Details ermöglichen sogar ohne Windschott relativ zugfreies Oben-ohne-Fahren, während bei Konkurrenten schon der Hut fliegen geht. Das Fahrwerk folgt nicht dem neuen Trend zu sportlich-robuster Härte. Es ist extrem gutmütig und klar auf Komfort abgestimmt. Kurzum, ein ideales Auto für genüssliches Reisen, zumal auch der Diesel nicht in den Ohren nagelt.

Das Cabrio mit Stern

ist dennoch keine lahme Kiste. Der Motor, mehr auf Durchzugskraft als auf PS-Ausbeute ausgelegt, stürmt los wie ein Büffel. Unterstützt von einer traumhaft geschmeidigen Siebengangautomatik, die zwar 2249 Euro Aufpreis verschlingt, aber unbedingt empfehlenswert ist. Kein Schaltruck, keine spürbare Kraftunterbrechung. Obendrein liefert der Automat deutlich bessere Fahrleistungen, als mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe möglich sind – verlangt dafür aber keinen Zuschlag an der Zapfsäule.

Tiefe Mulden

im Rücken der Frontsitzlehnen sollen den Hinterbänklern mehr Beinfreiheit gewähren. Damit kann Mercedes zwar ein paar Millimeter herausschinden, aber – ähnlich wie auch die drei Vergleichskandidaten – nicht verbergen, dass die Viersitzer für vier Erwachsene nicht voll taugen. Hinten ist es für Langstrecken einfach zu eng, weil Dach und Klappmechanismus jeweils viel Platz schlucken. Selbst wenn sich zwei Akrobaten auf die Rücksitze klemmen, müssten sie ihr Gepäck auf den Schoß laden. Denn die Bezeichnung Kofferraum ist irreführend, es bleibt nur ein Raum für Handtäschchen und Kulturbeutelchen – obwohl der 320 CDI noch verhältnismäßig üppigen Gepäckraum bei offenem Dach bietet.

Technische Daten


Motor:

V6, 3.0 l; 165 kW/224 PS; 0–100 km/h in 8,6 Sek., Spitze 242

Verbrauch:

EU-Norm: 7,1 Liter, stern-Test: 10,0 Liter/100 km

CO2-Emission:

188 g/km; Leergewicht 1785 kg; Kofferraum min./max. 390 Liter

Preis:

ab 50 099 Euro

Volvo C70 D5

Gelassener Gleiter ohne Allüren

Unter den Cabrio-Dieseln

ist der Schwede ein Sonderfall. Sein Motor hat einen Zylinder mehr als Wagen der Kompaktklasse, aber einen zu wenig für die Oberklasse. Auch wenn er deshalb nicht gleich zum mobilen Verkehrshindernis wird: Die Fahrleistungen des Fünfzylinders sind etwas schwächer. Der Volvo wäre vielleicht mit einen Sechsgang-Schaltgetriebe etwas munterer, doch die Fünfgangautomatik als feste Serienausstattung ist nicht austauschbar. Ein wirkliches Manko sind die fehlenden PS nicht, die mangelhafte Laufkultur ist es dagegen schon. Und spritsparender ist er auch nicht unterwegs.

Nach dem Start

kommen Erinnerungen an einen Schiffsdiesel hoch, die leider auch nach längerer Tour mit warmem Motor nicht verschwinden. Zum maritimen Kutter-Feeling passt auch die deutlich weniger verwindungssteife Karosserie. Obwohl der stattlich-elegante Schwede die wenigsten Pfunde unter allen Vergleichskandidaten auf die Waage bringt, zittert bei Touren mit offenem Dach das Lenkrad schon bei kleinen Fahrbahnunebenheiten, und im wackeligen Innenspiegel verschwimmt dann der Blick zurück.

Die Nase vorn

hat Volvo dagegen eindeutig beim Fahrwerkskomfort. Feder und Dämpfer des einzigen Fronttrieblers im Quartett sind eindeutig auf das nerven- und knochenschonende Glattbügeln von Straßenbausünden aller Art ausgelegt. Sportlichkeit versuchen die Konstrukteure gar nicht erst vorzutäuschen. Kein großes Cabrio schwebt so sanft über Kanten und Schlaglöcher hinweg. Zudem ist der Volvo wegen seines relativ großzügigen Innenraums im Gegensatz zu den deutschen Konkurrenten fast ein echtes Viersitzer- Freiluftauto mit Ganzjahresqualitäten. Das besonders robuste Metallklappdach fährt allerdings so kühn und weit an filigranen Hebelchen aus dem Heck nach vorn, dass der Fahrer zur störungsfreien Schließarbeit möglichst eine kurze Windstille abwarten sollte.

Technische Daten


Motor:

R 5, 2,4 l; 132 kW/180 PS; 0–100 km/h: 9,5 Sek.; Spitze 225

Verbrauch:

EU-Norm: 7,3 Liter; stern-Test: 10,0 Liter/100 km

CO2-Emission:

193 g/km; Leergewicht 1759 kg; Kofferraum min./max. 200/404 Liter

Preis:

ab 40 880 Euro

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