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E-Bikes Noch mehr Durchhaltevermögen: Bosch dreht die Akkuleistung für E-Bikes auf 750 Wh hoch

Mountainbike von Bulls mit dem 750 Wh Powertube-
Mountainbike von Bulls mit dem 750 Wh Powertube.
© PR
In Deutschland werden E-Bikes meist von Bosch-Systemen angetrieben. 2022 gibt es einen noch größeren Akku und smarte, vernetzte Funktionen – doch einen wirklich neuen Motor gibt es nicht.

Jetzt kann man die Räder der Fahrradsaison 2022 bestellen, geliefert wird dann im Frühjahr. Und E-Bike heißt in Deutschland meist "Bosch". In Sachen Hardware reagiert Bosch auf die Reichweitenangst der Deutschen. 750 Wattstunden stecken in der Powertube 750 – bislang hat der größte Akku 625 Wattstunden. Und es ist noch nicht lange her, da waren 400 und 500 Wattstunden das Maß der Dinge. Sinnvoll ist diese Kapazität, wenn das Rad Schwerstarbeit verrichten soll, also bei Lastenrädern und Mountainbikes. Denn immer gilt, nichts saugt den Akku so leer wie Höhenmeter auf der Strecke.

Doch auch Radler mit kleinen Strecken werden sich den Mega-Akku ansehen. Denn hohe Kapazität bedeutet eben auch, dass man den Akku nur selten aufladen muss. Mit dem 4A-Ladegerät von Bosch soll es etwa sechs Stunden dauern, bis der Akku vollständig aufgeladen ist.

Kein neuer Motor 

Der größere Akku ist aber auch der einzige Hardware-Aufschlag. Und das ist etwas enttäuschend. Denn mit dem CX-Antrieb der vierten Generation hatte Bosch klar die Spitze übernommen. Aber nur kurz, denn dann konterte Shimano mit dem EP8. Beide Motoren haben 85 Newtonmetern, doch der von Shimano ist merklich leichter als der CX. Und das Gewicht ist bei Mountainbikern die Königsdisziplin. Und Gewicht ist messbar, bei anderen Dingen wie dem Ansprechverhalten liegen die Unterschiede bei den Spitzenmotoren eher im Gefühligen. Bei den Motoren wird Bosch also auch 2022 nicht die Führung zurückerobern.

Vernetzung des Boschbaukasten

Spannend ist hingegen die neue eBike Flow App. Sie vernetzt die verschiedenen intelligenten Komponenten und ermöglicht es den Nutzern, Fahr- und Fitnessdaten aufzuzeichnen. Auch die Fahrmodi können erstmals angepasst werden, wenn auch nur in engen Grenzen. Für einige Fahrer ist das sehr wichtig, für viele aber nur eine Spielerei. Alle profitieren dagegen davon, dass Updates und neue Funktionen für Akku, Motor oder Display jetzt über das Smartphone live aufgespielt werden können. Im Fachhandel gab es diese Over-the-Air-Updates bereits früher, doch nun muss man dafür nicht mehr in die Werkstatt. Hier kommt Bosch den Fahrern entgegen, die den Service an ihrem Rad selbst vornehmen. Gerade bei den sportlichen E-Bikes ist das eine größere Gruppe. Auch ist es so möglich, die Software kontinuierlich zu verbessern.

Letztlich ist die Vernetzung des Bosch-Baukastens überfällig. Mehrere Start-ups bieten seit Jahren derartige Software-Lösungen für ihre Räder an, deren Systeme aus eigener Software und chinesischen Komponenten bestehen. Gerade der Marktführer sollte hier nicht hinterherlaufen.

Tuning wird erschwert

Abzuwarten bleibt, wie sich die Vernetzung auf das leidige Thema Tuning auswirkt. Vor einigen Jahren wurden auch von Bosch Motoren vorgestellt, die Tuning erkennen und zuverlässig verhindern sollten. Viel Erfolg hatte die Industrie damit nicht. Einfache Tricks, die das Rad schneller als die erlaubten 25 km/h machten, wurden damit zwar ausgehebelt, aber nach sechs Monaten wurde die Tuningsperre bereits überwunden. Der Chips mit der restriktiven Boschsoftware wurde einfach durch einen Klon ohne Begrenzung ersetzt. Vernetzung und regelmäßige Updates dürften dieses Verfahren aber erschweren. Im Zentrum steht also 2022 die Software. Leider ist das Connected Biking Erlebnis von Bosch nicht abwärtskompatibel. Die vorhandenen Motoren werden bei neuen Rädern für die Vernetzung fit gemacht, doch wer 2021 oder früher ein Rad gekauft hat, nimmt an der neuen Boschwelt nicht teil. Anzunehmen ist, dass im nächsten Jahr dann auch neue Motoren für 2023 vorgestellt werden.


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