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90 Jahre Fiat in Deutschland: Ciao Bella

Seit 90 Jahren ist Fiat eine feste Größe auf dem deutschen Markt. Über mehrere Jahrzehnte war der Importeur legendärer kleiner Kisten -wie Fiat 500 und Fiat Panda - aber auch als Autobauer in Deutschland aktiv.

Dass sich in der Heimat von Daimler und Benz auch italienische Autos gut verkaufen lassen würden, daran hatten die vier Herren, die am 5. Mai des Jahres 1922 bei einem Münchner Notar vorstellig wurden und den juristischen Grundstein für die Deutsche Fiat-Automobil-Verkaufs-Aktiengesellschaft legten, offenbar keinen Zweifel. Die 1899 gegründete Fabbrica Italiana Automobili Torino, kurz Fiat, hatte sich mit ihren Produkten in den frühen Jahren der Automobil-Ära bereits einen Namen gemacht. Der deutsche Kaiser Wilhelm II gehörte zum Kundenkreis, die Regierung in Berlin zudem Nutzfahrzeuge bei dem Turiner Autobauer gekauft. Für Aufsehen hatte aber auch das atemberaubende Tempo gesorgt, mit dem der 1911 vom Stapel gelassene Fiat 300 hp Record über die Pisten brauste. Der Wagen wurde von fast 300 PS angetrieben und mit ihm hatte sein Fahrer, Petro Bordino die 200 km/h-Marke erreicht. Im folgenden Jahr stellte der Wagen in Long Island mit Tempo 290 einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord auf.

Mitte der 1920er Jahre baut der Importeur aus Italien seine Position in Deutschland weiter aus. Das Turiner Unternehmen beteiligt sich am Neckarsulmer Automobil- und Motorradhersteller NSU, der durch die desolate Wirtschaftslage der Epoche ins Schlingern geraten ist. 1929 übernimmt Großaktionär Fiat im Verbund mit der Dresdner Bank das NSU-Werk in Heilbronn Anfangs werden dort auch unter Fiat-Regie weiterhin NSU-Modelle produziert. Ab 1934 fertigen die Italiener in Heilbronn eigene Modelle. Den Auftakt macht der Fiat 508 Balilla, der hierzulande - wie alle anderen Fiat-Modelle aus Heilbronner Produktion,- unter dem Logo "NSU-Fiat" auf die Straße kommt. Der 508 trifft den Nerv der Zeit, ist nicht so groß und nicht so teuer, wie die Standard-Limousinen der Epoche - und taugt doch zur Familienkutsche.

Die Turiner Autoschmiede bringt zudem ihre Taxis auf Deutschlands Straßen. Die in Turin entwickelten Droschken punkten mit Zuverlässigkeit und vergleichsweise bescheidenen Unterhaltskosten. Der Taxibetrieb macht zudem ein großes Publikum mit den Autos von Fiat bekannt - so die geschickte Werbestrategie. Ein Großteil der Taxis wurde von den Karosseriewerken Weinsberg unweit von Heilbronn gefertigt. 1938 übernehmen die Italiener auch dieses Werk und lassen dort den Fiat 500 "Topolino" von den Bändern rollen. Ähnlich wie Volkswagens Käfer trat auch Topolino, das "Mäuschen, an um breite Schichten der Bevölkerung zu mobilisieren. In Weinsberg liefen aber auch andere Modelle vom Stapel - so der NSU-Fiat Weinsberg Roadster auf Topolino-Basis, der heute eine gefragte Klassiker-Rarität ist.

Während des Zweiten Weltkriegs werden in Heilbronn und Weinsberg unter anderem Komponenten für Militärflugzeuge montiert. Als die junge Bundesrepublik in den 1950ern ihr Wirtschaftswunder erlebt, können die Italiener zunächst nicht so recht vom Autohunger der Deutschen profitieren. Zu dünn ist das Händlernetz, zu dünn die Modellpalette. Neben der 500er Baureihe ist nicht viel im Angebot. Die Situation ändert sich mit dem Fiat 600, einem kleinen Raumwunder, das in Deutschland als NSU-Fiat Jagst vermarktet wird. Der Kleinstwagen, der den Fondpassagieren etwas mehr Beinfreiheit bietet als das "Mäuschen", kommt gut an, mehr als eine Millionen 600er werden bis 1970 in Heilbronn gebaut.

1961 bringen die Automacher aus Italiens Norden ein Mittelklasse-Modell zur IAA, das BMWs "Neuer Klasse", die ebenfalls auf der Frankfurter Automesse vorgestellt wird, Paroli bieten kann. Der Fiat 1300 wird zum Preis von 7100 DM auf den Markt geschickt. Dafür bringt das Modell eine vergleichsweise üppige Ausstattung mit und führt bald die Topsellerliste der Importautos in Deutschland an und Fiat nimmt bei den Gesamtverkaufszahlen hierzulande erstmals die 100. 000 er-Hürde. In den folgenden Jahren fahren die Italiener vom Kleinwagen bis zu den Luxuslimousinen 2300 und 130, vom Sportwagen mit Ferrari-Motor bis zu den Familienfahrzeugen Multipla und Familiale ein Modellspektrum auf, das seinesgleichen sucht. 1973 geben sie ihre Produktionsstandorte in Deutschland komplett auf.

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

In den Ölkrise-Jahren 1973/74 können sie hierzulande dennoch vor allem mit ihren Winzlingen punkten. Kurz darauf läuft es dann aber nicht mehr so rund. Fiat hat mit Qualitätsproblemen zu kämpfen, vor allem Rost setzt den Autos und dem Image der Turiner zu. Die neue Konkurrenz aus Asien sorgt zudem für härteren Wettbewerb.

In den 80er Jahren können die Italiener auch hierzulande wieder mit dem spartanisch ausgestatteten Panda punkten. Zwischen 1980 und 2003 verkauften die Italiener den minimalistisch Kleinwagen über vier Millionen Mal. 2007 wurde die 500-Legende neu aufgelegt. Für ein breites Modellspektrum der Italiener sorgen die Töchter - Lancia, Alfa Romeo - Marken, die sich traditionell mit italienischem Design und Raffinesse ausgezeichnet haben, fahren schon seit Jahrzehnten unter dem Fiat-Dach ebenso der Automobiltuner Abarth. Fiat Professional steht für leichte Nutzfahrzeuge. Jung ist das transatlantische Bündnis mit Chrysler. Chrysler-Modelle schickt Fiat unter dem Lancia-Label auf Europas Straßen, während in den USA baugleiche Modelle unter beiden Markennamen vertrieben werden. Die kultige Chrysler-Tochter Jeep darf weiterhin weltweit unter eigener Markenflagge segeln.

Press-Inform / pressinform

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