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Alfa 147: Der Schönste für die Jeunesse Dorée

In der zweiten Version wurde der Hübsche noch schöner. Der kleine Kompakte bringt italienisches Flair auf die Straße. Sein bärenstarker Diesel garantiert der Bella am Steuer den gewünschten Machismo in jeder Straßenlage.

Von Gernot Kramper

Schau mir in die Augen, Kleiner. Marktforschung brachten die Alfistis zu der Erkenntnis, dass ihre Kunden vor allem gutes Design von der Marke erwarten. Ein schöner Erfolg. In den Zeiten, als das Alfa-Design des 33er und 155er noch kantig aus dem Ramsch des Fiatkonzerns zusammengelötet wurde, hätte das kaum jemand für möglich gehalten. Konsequenz: der 147 wird mehr denn je als Lifestyle Produkt angeboten. Die Damen betrachten den Wagen als Erweiterung ihrer Garderobe. Den Herren gilt er als Imponierstück. Beiden Anforderungen wird der 147 gerecht, bei der reinen Technik kann der zweite Aufguss eines Modells in einem Marktsegment nicht so überzeugen, das im letzten Jahr lauter Neuentwicklungen gesehen hat.

Weckt der 147er den Italiener in Ihnen?

Das Hui-Mobile

Den Kardinalfehler im zweiten Anlauf alles zu verschlimmbessern konnten die Alfa Designer verhindern. Der Alfa 147 wirkt anders als der Vorgänger, aber genauso schön. Angesichts der Preise, die der Kleine von Alfa bereist einheimste, war das keine leichte Hürde. Auch jetzt kann er mit Fug und Recht als schönster Wagen der Kompaktklasse gelten. Die neue Version des italienischen Verführers wirkt edler und ausgereifter, dafür verlor der 147 viel von dem frechen Rabaukencharme der ersten Baureihe. Die Änderungen betreffen vor allem die Frontpartie, sie wurde komplett neu gestaltet. Das Knuffige verschwand, dafür zog italienische Eleganz und ein wenig Grandezza ein. Damit ist der 147 optisch in der neu gestalten Alfa-Familie angekommen.

Allein die Haube für sich betrachtet ist eine Ode an die Leichtigkeit in der Handhabung der Blechpresse. Haute Couture mit der Blechschere. Sanft und doch entschlossen ziehen sich die V-förmigen Linien zum Grill hin. Der wurde mächtig vergrößert, was dem Wagen einen stattlicheren Eindruck verschafft. Unerreicht die kleine Erhebung oberhalb des Markenlogos. Die Augen blicken nun schmaler und giftiger. Der Lufteinlass in den Dimensionen noch mächtiger, ihm verleihen organisch geformte Lammelen eine gefährliche Mantarochen-Optik. Am Heck hat sich wenig getan, der Wagen steht optisch nun fester auf dem Boden. Die Heckklappe bekam dreieckige Rückleuchtengruppen und eine Chromleiste spendiert.

Auch innen macht der kleinen Alfa Freude. Der Längenzuwachs von fünf Zentimetern kam dem Kofferraum zugute, dennoch kann man auf der Rückbank klassengerecht sitzen. Zumindest solange die Passagiere sich nicht einer Körpergröße von 190 Zentimetern nähern, dann macht sich das Dach bemerkbar. Die Instrumente von Alfa sind stets übersichtlich angeordnet, sie wirken sportlich und die Anzeigetafel nicht überladen. Lederlenkrad und Armaturenverkleidung wirken angenehm weich und fest. In den Details und der Qualität können sich Kunststoffe und Leder zwar nicht ganz mit dem Platzhirsch Audi messen, doch in Ingolstadt verlangt man auch andere Preise. Die sportlichen Sitze bieten festen Halt, sind aber nicht überdimensioniert. Die Sitzfläche ist relativ kurz. Wer die Oberschenkel bis zum Knie gestützt haben will, wird sie als zu kurz empfinden.

Ein Motorradfahrer will kräftig angeben und blamiert sich heftig.

Hauptsache, das Herz schlägt

Bei Alfa dieselt es gewaltig und das mit gutem Grund. Ausgerüstet mit dem Top-Diesel 1.9 JTD 16V M-Jet legt der Wagen richtig los. 150 PS und 305 Nm Drehmoment kitzelt Alfa aus dieser letzten Ausbaustufe des 1.9 Triebwerks. Anfahren mit quietschenden Reifen, bockiges Verhalten bei Lastwechsel, die permanente Begleitmusik eines brummigen Knurren und bei jedem Tritt aufs Gaspedal der berüchtigte Diesel-Wumms - so macht das Alfa-Fahren Spaß und kostet obendrein nur wenig Verbrauch. Natürlich lässt sich der Alfa auch mit weniger Leistung bewegen. Wird der Wagen in der Stadt als Ergänzung zur Designermode angeschafft, kann Mann oder Frau sich auch mit den schwächeren Triebwerken zufrieden geben. Wer aber den günstigen Vergleich zu den sportlichen Varianten der Konkurrenz von Audi oder BMW sucht, wird mit dem neuen Top-Diesel glücklich. Leider schafft das zumindest im 147 neu eingebaute Triebwerk zurzeit nur die Euro 3-Norm. Das ist schlicht ausgedrückt eine Frechheit, die der vermutlich ahnungslose Kunde sich später vom Finanzamt erklären lassen kann. Die neue Generation wird insgesamt mit drei Benzin- und drei Dieselmotoren angeboten. Den Einstieg macht der 105 PS starke Benziner im 1.6 T.Spark ECO. Dann folgt eine Version mit 120 PS. Als Topmodell für die Benziner arbeitet der 2.0 T. Spark mit 150 PS. Als Turbodiesel-Direkteinspritzer bietet Alfa Romeo den 1.9 JTD 8V mit 100 PS, den 1.9 JTD 8V mit 115 PS und den nun 150 PS starken 1.9 JTD 16V M-Jet an. Im direkten Vergleich zu dem neuesten Diesel fallen die älteren Triebwerke nicht nur in der Leistung deutlich ab. Wie immer im Hause Fiat sind Russfilter auch gegen Aufgeld nicht zu bekommen.

Mal wieder aufgefrischt

Der Top-Diesel wurde mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe kombiniert. Es arbeitet exakt, die Schaltwege fallen für flotte Fahrer etwas lang aus. Der Wagen fährt sich sportlich, lässt den Fahrer die Fahrbahn spüren, rüttelt einen auch auf üblen Pisten nicht über Gebühr durch. Wer den 147er jedoch auf gewundener und schlechter Fahrbahn an die Grenzen bringen möchte, kann das schneller erreichen, als ihm lieb ist. Auf gewellter Fahrbahn und im Auf und Ab der Serpentinen schwimmt man mehr dahin, als dass man haftet. Ein wirkliches sicheres Gefühl und festen Kontakt zur Fahrbahn kann man dem Fahrwerk bei zugegeben rabiater Fahrweise nicht mehr attestieren. Die meisten Fahrer werden das nicht bemerken und eigentlich kann der hübsche 147 auch nichts dafür. Die alte, mehrfach aufgearbeitete Fiat-Basis ist den kompletten Neuentwicklungen der Konkurrenz aus der letzten Saison naturgemäß nicht gewachsen.

Wer will ihn?

Alfas Zielgruppe entspricht in etwa den Werberträumen von Campari-Trinkern und Lavazza-Kaffee-Schönheiten. Reich, alleinstehend und für jeden Hedonisten-Spaß zu haben. In der Werbung lässt es Alfa daher richtig krachen. Schlitzäugige, dunkelhaarige Amazonen schwingen Samurai-Schwerte gegen die Bilder ihrer blonden Widersacherinnen, szenisch gestylte Paare lümmeln so lasziv und angeschlagen auf dem Sofa, dass jeder Barkeeper ihnen den Schlüssel wegnehmen müsste. Diese Gruppe verlangt nach dem Genuss des reinen Hui-Fahrzeug. Wen interessieren da Antriebsstrang und Fahrwerk? Doch Ignoranz in anderen Gebieten ist schon bedenklicher. Gerade ein Wagen der zu rasantem Fahren verführt, wird nur in den Top-Versionen mit einer elektronischen Fahrwerkskontrolle (Alfa-Kürzel: VDC) serienmäßig ausgerüstet. Als Extra wird es auch nurselten bestellt, der Alfa Fahrer gönnt sich lieber ein paar Boxen mehr.

Können diese Augen lügen?

Der Galan aus Italien ist noch schöner geworden. Das dürfte für die meisten Kunden entscheidend sein. Mit den großen Motoren macht der Wagen richtig Spaß. Auch für Topmotorisierungen bleibt der Preis heiß, weil Listenpreise bei Alfa nur eine erste Verständigungsbasis darstellen. Das altgediente Fahrwerk kann weniger erfreuen. Wer sich einen Wagen ohne ESP bestellt, muss diese Entscheidung mit seinem Schutzengel ausmachen.

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