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Alfa 159: Eine Marke will nach oben

Mit dem Alfa 156 fuhren die Mailänder 1997 aus den roten Zahlen. Der Nachfolger 159 ist nicht nur drei Nummern größer, er soll auch den Aufstieg ins automobile Oberhaus vorbereiten.

Von Frank Wald

Man hört fast das Fuß-Stampfen: "Alfa ist Premium!", schallt es aus der Presseabteilung der Fiat-Tochter. Die Italiener sind wild entschlossen, "die Marke wieder dahin führen, wo sie hingehört in Europa", so der neue deutsche Alfa-Chef, Werner H. Frey. Und dabei richtet sich der Blick vor allem über die Alpen zu den deutschen Platzhirschen Mercedes, BMW und Audi. Aber auch Jaguar oder Volvo hat die Mailänder Marke im Visier. Zugpferd für den Aufstieg in den automobilen Olymp soll der neue Alfa 159 sein, der ab sofort beim Händler steht.

Schon der Vorgänger 156 entwickelte sich 1997 vom Start weg zum Bestseller, den Alfa bis heute weltweit 680.000 Mal verkaufen konnte. Hauptgrund für den Erfolg war das tolle Design, mit dem die vom jetzigen Audi-Designchef Walter de Silva gezeichnete Mittelklasselimousine zahlreiche Preise und Auszeichnungen einfahren konnte. Damit darf auch die Neuauflage rechnen. Design-Pabst Giorgetto Giugiaro für die deren Hülle verantwortlich. Und der italienische Star-Stylist hat sich selbst übertroffen. Aus welchem Blickwinkel auch immer man den 159 betrachtet, hier stimmen Proportionen und Details.

Hypnotische Wirkung

Geradezu hypnotische Wirkung besitzt die aggressiv-lauernde Front mit dem markentypischen "Scudetto"-Kühlergrill, flankiert von Sehschlitzen mit jeweils drei runden Scheinwerfern-Pupillen. Auch die gepfeilte Motorhaube, die sich seitlich in dynamischen Flanken ergießt und nach oben in eine coupeártig geformte Dachlinie fortsetzt, sowie die auffälligen Rücklichtbänder, dessen Rundleuchten das Scheinwerfer-Styling aufgreifen, sind ein Musterbeispiel italienischer Designerkunst. Einziger Makel: die hinteren Türgriffe sind nicht mehr in den C-Säulen versteckt, sondern wieder konventionell angebracht.

Size matters

Der Nachfolger des 156 ist aber nicht optisch drei Nummern größer geworden. In fast allen Dimensionen ist der Wagen gewachsen, in der Länge auf 4,66 Meter (plus 22,5 Zentimeter), in der Breite um 8,5 Zentimeter auf 1,83 Meter und der Radstand streckt sich jetzt ebenso um mehr als zehn Zentimeter auf 2,70 Meter. Was nicht nur für einen stattlicheren Auftritt sorgt, sondern auch mehr Platz für Passagier und Gepäck schafft. Wenn auch nicht soviel, wie die neuen Maße vermuten ließen. Vorne sitzt es sich zwar ausgezeichnet und auf der Rückbank genießen die Insassen gute Beinfreiheit. Mit dem Raumgefühl dürften große Menschen jedoch Probleme bekommen. In der Höhe nämlich ist die Limousine geschrumpft. Der 405 Liter große Kofferraum fällt trotz 27 Liter mehr vergleichsweise bescheiden aus und ist durch die kleine Öffnung nur schwer zu beladen.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Fühlt sich gut an

Dem Premium-Anspruch gerecht werden die Italiener dagegen nach den ersten Fühl- uund Fummeltests bei Materialauswahl und -anmutung. Das Cockpit ist mit der geneigten Armaturenkonsole ganz auf den Fahrer zugeschnitten und wohin das Auge blickt, mit silber-metallic gerandeten Rundinstrumenten und Tubenelementen überzogen: zwei große Tacho-Tunnel für Tempo und Drehzahl im Kombiinstrument, drei kleinere für Olio, Aqua und Benzina in der Mittelkonsole, fünf kreisförmige Lüftungsdüsen im Armaturenträger sowie zahlreiche Bedienknöpfe für Klima- und Audioanlage im Mitteltunnel und auf den Lenkradspeichen. Hört sich verwirrend an, sieht aber sehr sportlich und edel aus.

Cuore sportivo

Zur sportlich-eleganten Erscheinung passen auch die Motoren. Zwei neue Benziner mit 160 (118 kW) und 185 PS (136 kW) werden zunächst angeboten, beide spritzen den Sprit direkt in die Brennräume. Das steigert die Leistungen und soll Benzin sparen – zumindest im so genannten Teillast-Bereich, also wenn man nicht ständig das Gaspedal durchdrückt. Eine Zurückhaltung, die allerdings bei Alfa-Motoren schwer fällt. Schon der Basis-Benziner 1.9 JTS 16V hinterlässt einen guten Eindruck, kommt mit seinem präzise schaltenden Sechsganggetriebe (Serie in allen Versionen) schnell auf Touren und bietet einen guten Laufkomfort. Nach wie vor ausgezeichnet ist das straff gestimmte Fahrwerk mit seiner präzisen Lenkung. Ende des Jahres soll das Topmodell 3.2 JTS V6, auch ein Benzindirekteinspritzer, folgen, das seine 260 PS (191 kW) via Allradantrieb auf die Straße bringt. Noch vor einigen Jahren undenkbar, machen inzwischen bei Alfa die Dieselmotoren den Löwenanteil der Verkäufe. Für den 159 sind deshalb vom Start weg drei Commonrail-Triebwerke mit 120 PS (88 kW), 150 PS (110 kW) und 200 PS (147 kW) zu haben, alle ab Werk mit einem Russpartikelfilter ausgerüstet.

Alfa lässt es dieseln

Folgerichtig beginnt auch die Preisliste mit einem Selbstzünder bei 25.900 Euro für den 159 1.9 JTDM 8V in der Grundausstattung Progression. Dazu gehört eine recht üppige Sicherheits- und Serienausstattung, so etwa mit ESP, sieben Airbags (inklusive Knieairbag), aktive Kopfstützen, Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorn und hinten, Nebelscheinwerfer, CD-Audioanlage und 16-Zoll-Leichtmetallfelgen. In der Top-Ausstattung Distinctive (1800 Euro Aufpreis) sind außerdem Tempomat, Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, Multifunktionslenkrad und 17-Zoll-Aluräder mit drin.

Garantie macht den Wechsel leichter

Und noch etwas ist im Kaufpreis enthalten: die Kosten der vorgeschriebenen Wartung inklusive Wechsel von Motoröl und Ölfilter während der ersten drei Jahre oder einer maximalen Laufleistung von 120.000 Kilometer. Als "vertrauensbildende Maßnahme" (Frey) für Kunden, die beim Stichwort Alfa nicht nur schöne Autos, sondern auch hässliche Reparaturen assoziieren.

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