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Alfa Rome Giulietta: Eine heiße Nacht mit der Diva

Sie macht an. Ihre Rundungen verführen. Männer gucken ihr hinterher: Mit der neuen Giulietta ist Alfa Romeo ein echter Designwurf gelungen. Wer hat mit der rassigen Italienerin eine heiße Nacht verbracht hat, fragt sich: Bleibt es beim One-Night-Stand?

Es war eine heiße Nacht mit dir, Giulietta. Vom ersten Augenblick an war ich in dich verliebt. Dein kesser Augenaufschlag, deine schöne Nase und dein praller Hintern hatten es mir angetan. Aber auch deine inneren Werte überzeugten: Sanft umschmeichelte dein Leder meine Haut. Von deinen Tasten konnte ich meine Finger kaum mehr lassen. Und erst die Geräusche, die du machst, wenn man dein Gaspedal streichelt. An den Kasseler Bergen habe ich dich besonders geliebt. Jede Kurve mit dir hat gekitzelt. Giulietta, du bist ein Rasseweib! Doch kann aus unserem One-Night-Stand auch Liebe werden?

Die neue Alfa Romeo Giulietta ist der Nachfolger des in die Jahre gekommenen 147 und wohl die schönste Art, einen Mittelklassewagen zu fahren. Wo sonst in der Golf-Klasse schnödes Einheitsdesign verbrochen wird, ist den Alfa-Designer ein echtes Schmuckstück gelungen. Die Giulietta nimmt Anleihen am Alfa-Sportwagen 8C Competizione. Und von vorne ist sie auch ein echter Rennwagen. Sie hat die Alfa Romeo typische, kesse Nase, außerdem die charakteristische Frontpartie mit großen, in die Motorhaube übergehenden Frontscheinwerfern. Wenn die serienmäßigen LED-Tagfahrlichter im Rückspiegel des Vordermanns aufblitzen, machen sogar Porsche-Fahrer Platz. Die coupéhafte Silhoutte des Fünftürers wird durch die stark abfallende Seitenlinie unterstützt. Ihr Hintern hingegen ist praller als der von Jennifer Lopez. Dicker, hochgezogener Stoßfänger, dominante Leuchten mit LED-Leuchtband.

Ihren Namen trägt die Giulietta also zu Recht. Äußerlich kann sie sich mit ihrer Namensgeberin, dem bis 1964 gebauten ersten Großserienmodell von Alfa, messen. Doch Schönheit ist nicht alles. Die italienischen Ingenieure haben reichlich neue Technik unter ihr Blechkleid gepackt und wollen so dem Fluch entgehen, zu einem hübscheren Fiat abgestempelt zu werden. Nur allzu oft bediente man sich bei neuen Alfa-Modellen aus dem Konzernbaukasten. Wo Alfa drauf steht, steckte oft ganz viel Fiat drunter. Dieses Mal ist es umgekehrt. Die Giulietta bekam eine komplett neue Plattform verpasst, die später auch als Basis des Bravo und des Lancia Delta dienen soll. Unter der Haube besteht die Wahl zwischen zwei Benzinern und zwei Dieselmotoren mit 105 bis 170 PS, im Sommer folgt die Spitzenversion mit 235 PS. Doch bereits der 1,4-Liter-Turbo-Benziner mit 170 PS reicht aus, um den Golfs und Astras das Fürchten zu lehren.

Selbst bei Tempo 200 liegt die Giulietta satt auf der Straße. Bei einer Probefahrt mit der 170-PS-Variante über die Kasseler Berge kommt sogar Sportwagen-Feeling auf. In Kurven presst sie den Fahrer bestimmt in ihr sanftes Ledergestühl und schreit nach jeder Kurve nach mehr: mehr Geschwindigkeit, mehr Fahrspaß, mehr Lust. Während den anderen Mitteklassefahrern die Schweißperlen auf der Stirn stehen, lässt ihre präzise Lenkung keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie einen auch bei voll durchgedrücktem Gaspedal sicher um jede Kurve bringt. Und für den Fall der Fälle fährt sie ihre Krallen aus: Giuliettas Bremsen sind so heftig wie die Fingernägel einer Frau.

Wer die Schöne allerdings richtig in Fahrt bringen will, der muss einen Knopf an der Mittelkonsole betätigen. Dort befindet sich der sogenannte DNA-Schalter, mit dem sich die Motorelektronik variieren lässt und der bereits aus dem Mito bekannt ist. Er ist der G-Punkt der Giulietta. Im Sportmodus springt das Gas damit noch besser an und die Kleine röhrt fast so gut wie der Auspuff eines getunten Golf GTI. Ideal, um an der Ampel richtig auf dicke Hose zu machen. Und auch wenn ihre 7,8 Sekunden auf Tempo 100 keinem Porsche-Fahrer Angst machen: Zwei, drei Mal aufs Standgas gedrückt und selbst Boxster-Fahrer klotzen verdutzt auf Giuliettas dicken Hintern.

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Die Giulietta wäre keine echte Diva, wenn sie nicht auch teuer im Unterhalt wäre. Mit 5,9 Litern auf 100 Kilometer gibt Alfa den Verbrauch an. Doch im Alltagsbetrieb ist sie weitaus durstiger. Mindestens acht Liter fließen bei sportlicher Fahrweise durch ihre Adern, bei Vollgas auf der Autobahn können es sogar über zehn werden. Ganz schön viel in Zeiten, in denen ein Liter Benzin mehr kostet als ein Liter vom billigsten Supermarktsekt. Auch ihr Listenpreis dürfte so manchen liebestrunkenen Giulietta-Liebhaber aus seinen Träumen reißen. Mindestens 19.900 Euro wollen die Italiener für die kleinste Variante mit 120 PS. Wer seiner neuen Freundin noch Extras wie Breitreifen, eine Bose-Soundanlage und Xenon-Scheinwerfer gönnen will, landet schnell bei über 25.000 Euro.

Aber es war ja noch nie billig, ein Rasseweib zu unterhalten. Viel nerviger sind Giuliettas Zicken. Allen voran die für Alfa typische, umständliche Bedienung von Radio, Informationssystemen und Navigation. Nur mit viel Geduld lässt sich die unlogische Bedienung ergründen. Die Darstellung von Karten auf dem Farbdisplay ist selbst in einem Schüleratlas schöner. Die Stationstasten für das Radio fehlen gleich ganz und warum der Schalter für die Sitzheizung ausgerechnet links unter dem Fahrersitz versteckt wurde, wird ein ewiges Alfarätsel bleiben. Noch schlimmer ist nur Giuliettas Stimme.

"Sie haben Ziel erreicht." Mit diesen Worten hast du dich nach unserer heißen Nacht von mir verabschiedet. Dein fehlendes "das", es könnte ein süßer italienischer Sprachfehler sein. Doch der Klang deiner Stimme, Giulietta, er ist im Gegensatz zu dir leider keine Schönheit und ein Grund für mich nach unserem One-Night-Stand schnell das Weite zu suchen. Eine heiße Nacht mit dir? Jederzeit wieder! Ein ganzes Leben? Nur, wenn du einen Sprachkurs belegst. Oder kennt jemand einen Trick, wie man der Navigation eine reizvolle Stimme verpasst? Ornella Muti, Monica Bellucci oder Asia Argento – wenn man eure Stimmen in die Giulietta bekäme.

Jens Maier
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