Chevrolet Captiva Sandkasten-Freundschaft


Chevrolet kommt vor Opel. Noch vor dem Antara schickt Chevrolet den Captiva als neuen Hoffnungsträger ins Rennen. Der Mittelklasse-SUV hat mit seiner Geländegängigkeit das Zeug zum großen Wurf. Und viel Platz.

Der Captiva wird in Korea gebaut und teilt sich Technik und Plattform mit dem Opel Antara, der reichlich späten SUV-Antwort der Rüsselsheimer. Die beiden Brüder werden aber breite Schultern brauchen: Auf dem Spielfeld der kompakten SUV-Konkurrenten warten etablierte Lifestyle-Klettermaxen wie Hyundais Tucson oder Toyotas RAV4 schon auf die Frischlinge von GM. Der Captiva, eigentlich schon für Juli angekündigt, steht nun Anfang September bei den Händlern.

Ich bin einer von Millionen

Eine Design-Revolution ist der 4,63 Meter lange Chevrolet nicht gerade. Die rundlichen Formen, das aufsteigende Heck, die angenehm hohe Sitzposition - der Captiva ist ein echter Durchschnitts-SUV. Dass er dennoch nicht im Getümmel untergeht, darf er dem fetten Chevrolet-Logo auf dem Grill und der robusten Kunststoff-Beplankung an Radhäusern und Seitenschwellern zuschreiben. Markant ist auch der Bügelfalte auf der Motorhaube.

Sowohl vorn als auch im Fond bietet der Captiva reichlich Raum. Hinten dürfen sich die Passagiere über eine für diese Klasse enorme Kopffreiheit freuen. Leider bieten die Sitze nur wenig Seitenhalt. Im Gegensatz zum Opel Antara, den es nur als Fünfsitzer geben wird, bietet der Koreaner gegen Aufpreis eine dritte Sitzreihe. Die Sitze kann man mit einem Handgriff spurlos im Kofferraumboden versenken, so dass eine ebene Ladefläche erhalten bleibt. Für Erwachsene sind auf den Plätzen sechs und sieben allerdings nur kurze Strecken erträglich.

Komfort im Fahrwerk

Das Kofferraumvolumen ist mit 465 Litern im Klassenvergleich sehr ordentlich, bei umgelegter Rückbank steigt das Fassungsvermögen auf 930 Liter. Die Heckscheibe lässt sich separat öffnen. Das Captiva-Cockpit ist übersichtlich gestaltet, die Verarbeitung hinterlässt einen soliden Eindruck. Praktisch sind die vielen Ablagen.

Das Fahrwerk sorgt mit den vorderen McPherson-Federbeinen und einer Mehrlenkerachse für eine ausgesprochen komfortable Reise. Unebenheiten und Schlaglöcher dringen kaum zu den Passagieren durch. Auf welligen Straßen schaukelt sich der hochbeinige Captiva aber leicht auf. Wer das neue ESP des Chevy in Aktion erleben möchte, muss den GM-Zögling nur schnell genug um die nächste Biegung scheuchen. Bei 1,7 bis 1,9 Tonnen Leergewicht greift der elektronische Schutzengel früh ein.

Im Gelände gut zu Fuß

Schotterpisten, schlammige Waldwege, felsige Bäche, hochprozentige Steigungen - der Allrad-Captiva schlägt sich abseits der Straßen überraschend gut. Der robuste Unterbodenschutz und die Radhauseinfassungen aus Kunststoff nehmen dem Fahrer die ständige Angst, den Lack zu versauen. Das Fahrwerk federt auch grobe Unebenheiten gut ab.

Echte Offroad-Utensilien wie Differenzialsperren oder eine Geländeuntersetzung bietet der Captiva nicht. Wann wie viel Kraft auf welche Achse geleitet wird, entscheidet der Allradantrieb mit seiner elektronisch gesteuerten Kupplung selbst. Bei normalen Straßenverhältnissen gehen 95 Prozent der Antriebskraft an die Vorderachse, bei Bedarf leitet das Allradsystem in Sekundenbruchteilen mehr Power an die Hinterachse. Die maximale Drehmomentverteilung liegt bei 50 Prozent vorn und 50 Prozent hinten.

Enthalten im 4WD-Paket ist auch eine Bergabfahrhilfe, durch die man steile Abhänge ohne Gas zu geben mit konstant niedriger Geschwindigkeit bewältigen kann. Gegen Aufpreis soll für den Captiva wie beim Opel Antara auch ein Anhänger-Stabilitätsprogramm zu haben sein.

Mehr Power mit dem Diesel

Für den Chevrolet Captiva sind die gleichen Motoren erhältlich, die es auch im Opel Antara geben soll: Der neue 2,0-Liter-Diesel mit 150 PS, in den Basismodellen ein 2,4-Liter großer Benzinmotor mit vier Zylindern und 136 PS sowie der aus dem Opel Signum bekannte 3,2-Liter V6 mit 230 PS. Mit dem 2,4-Liter Benziner ist der Captiva ausreichend motorisiert - solange es nicht schnell gehen muss. 136 PS und knapp zwei Tonnen Fahrzeuggewicht vertragen sich nicht besonders gut. Den Löwenanteil bei den Verkaufszahlen dürfte ohnehin der neu entwickelte Dieselmotor ausmachen, der in Kooperation mit der italienischen Firma VM Motori entstand.

Der Selbstzünder mit zwei Litern Hubraum und 150 PS macht einen souveränen Eindruck. Die 320 Nm maximales Drehmoment liegen zwar nur in einem kurzen Drehzahlbereich ab 2.000 Umdrehungen an, die Maschine bietet aber deutlich mehr Kraft als der kleine Benziner. Nervig ist lediglich ein ellenlanges Turboloch, das der Motor trotz Turbolader mit variabler Schaufelgeometrie nur allmählich zuschaufelt. Die 100 Km/h-Marke wird erst nach 12,2 Sekunden geknackt. Den Durchschnittsverbrauch gibt Chevrolet mit 8,7 Litern pro 100 Kilometer an.

Landezone knapp vor 30.000 Euro

Die Preisliste des Captiva startet beim 2.4 LS für Schnäppchen-verdächtige 22.490 Euro. Beim Blick in die Ausstattungsliste macht sich aber Ernüchterung breit. Für den Sparpreis gibt es weder Allradantrieb noch sieben Sitze, auch auf ESP muss man verzichten. Auch das Gepäcknetz, Nebelscheinwerfer und die Armstütze für den Fahrer sind gestrichen. Besser ausgestattet und mit Vierradantrieb ausgerüstet ist der 2.4 LT für 29.590 Euro. Er erfreut die Passagiere unter anderem mit einer Klimaautomatik und Tempomat. Der günstigste Captiva mit dem 150 PS-Diesel ist der 2.0 LS. Ihn gibt es als Fünfsitzer ab 28.590 Euro.

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