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Fahrbericht: BMW M3 Coupé: Donner und Doria

Der BMW M3 ist eine Legende. Selbst eingefleischte Techniker von Audi, Porsche oder Mercedes-Benz zollen dem Münchner Boliden ihren Respekt. Der dürfte beim neuen M3 nun noch ein bisschen tiefer ausfallen.

Rückblende: Das blaue 3er Coupé schnappt sich am Ende von Start und Ziel einen silbernen 500er SEC und gleich noch einen Honda Civic. Die Runde danach sind an gleicher Stelle ein flotter 190er Mercedes und ein anderer 3er dran. Eine Szene aus den Morgenstunden des 24-Stunden-Rennens am Nürburgring vor ein paar Wochen. Der blaue 3er ist eine M3, Baureihe E36. Beliebt bei Motorsportfans weil gut, günstig und insbesondere schnell. Privater und semiprofessioneller Motorsport ohne BMW M3 – nahezu undenkbar.

In den Münchner Top-Etagen wurde lange diskutiert, ob man den 66.650 Euro teuren Telum wirklich derart scharf zeichnen dürfte. Stattdessen, so ein Argument, hätte man besser die schlechte Serienausstattung auf Vordermann bringen sollen. Aber am Ende siegte die Optik: Überraschend klar und deutlich kraftvoller setzt er sich von seinen auch schon alles andere als unsportlichen Coupé-Brüdern ab. Buckel auf der Motorhaube, vier Endrohre und neu kreierte M3-Spiegel: Wer den bösen M-Blick im Rückspiegel sieht, der weiß, was ihm die Stunde geschlagen hat.

Erstmals gibt es einen M3 im V8-Power. Der Druck aus Ingolstadt und Stuttgart war dabei ebenso groß wie der aus dem eigenen Haus: Schließlich ist auch der aktuelle 335er schon mit über 300 PS unterwegs.

Nach ein paar schnellen Kurven weiß man, wo der Hase rennt. Der Leistungssportler ist scharf, aber angenehm neutral geraten. Er hat Biss und eine coole Sportlichkeit, fühlt sich auf Rennstrecken und Landstraßen zu Hause wie kaum ein anderer. Zumindest auf trockener Rennstrecke ist er kaum zu bremsen – im Regen hat die allradgetriebene Audi-Armada nach wie vor Vorteile. Die Gewichtsverteilung von 50:50 ist ideal. Der M3 verhält sich auch im Grenzbereich lammfromm, mag Gaspedalstöße jeglicher Art und kann sogar damit umgehen, wenn in schnellen Kurven verzögert wird.

Während BMW auch bei den großen Brüdern M5 oder M6 die große Motorsportlichkeit vor allem proklamiert, ist der M3 der einzige BMW, der tatsächlich nicht nur im Straßenverkehr bewegt wird. Ein Ausflug auf die internationalen Rennstrecken von Nürburg, Monza oder Homestead zeigt, wie motorsportbegeistert M3-Piloten sind. Viele fahren ihn nur zum Posen, einige zum Rasen - und einige lieben einfach diese nahezu perfekte Symbiose aus Alltagsnutzen und Rennpotenzial.

Überdimensional ist der Unterschied zu seinem potenten Vorgänger E46 nicht. Der war mit seinem ebenfalls hoch drehenden Sechszylinder und 343 PS auch schon keine müde Nummer. Doch erwartungsgemäß kann der neue M3 alles ein bisschen besser. Auch, wenn nur Profis die echten Unterschiede herausfahren können.

Er sieht schärfer aus und fährt sich bei allem Tatendrang aberschwiegermuttertauglicher den je. Er ist stramm, sogar sehr stramm gefedert. Doch keine Spur von einem harten Prügel. Dazu tragen insbesondere die nicht allzu breiten 245er bzw. 265er Reifen auf 18-Zoll-Felgen bei. Sie garantieren den nötigen Restkomfort auf ruppiger Piste.

Die grandiose Lenkung, die bissige Bremse, die phantastische Handschaltung und die exzellenten Sitze – das kennt man alles schon vom Vorgänger. Durch die Verwendung zahlreicher Leichtbauelemente spart der bullige Hecktriebler mächtig an Gewicht, bringt aber immer noch knapp 1,7 Tonnen auf die Waage. Wunder können auch Aluminium-Lenker, CFK-Dach und Kohlefaserkomponenten nicht vollbringen. Aber sie sorgen mit für ein spielerisches Fahrverhalten.

Ärgerlich und bei einer solchen Sportskanone unpassend: Auch der neue M3 muss sich bei 250 km/h einbremsen lassen - obwohl er locker über 300 km/h laufen würde. Das Tachoende bei 330 km/h lässt da schlimmes befürchten. Zumindest bei der Beschleunigung aber lassen die Bayern ihrem Vorzeigerenner freien Lauf.

Der Spurt von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden wird von einem solchen Brüllen begleitet, dass man es gleich noch einmal versuchen möchte. Acht Zylinder, vier Liter Hubraum, 309 kW/420 PS und 400 Nm maximales Drehmoment bei 3.900 Touren - das klingen nicht mehr so beeindruckend wie vor ein paar Jahren. Aber sie fahren sich unanständig schnell und absolut unspektakulär.

Bei einem solchen Straßenrenner sind Verbrauchsrekorde nicht zu erwarten und 12,4 Liter SuperPlus auf 100 Kilometer sind ebenso respektabel wie 295 g CO2/km.

Es wird nicht der einzige M3 bleiben im Stall der Bayern. Zu einem späteren Zeitpunkt kommt ein teilautomatisiertes Getriebe und das - wenig sinnvolle - Cabriolet. Selbst ambitionierte Motorsportfans kommen in Erklärungsnöte, was man mit so viel Rennpower in einem offenen Auto soll. Doch die Sonnenanbeter-Märkte in den USA, dem mittleren Osten und – man höre und staune – Großbritannien lieben gerade die offenen Versionen. Ähnlich wie bei den Vorgängern müssen flotte Familienväter dagegen auf einen M3 Touring verzichten. Hier bleibt nur ein Ausflug zum M5, zu Alpina - oder nach Ingolstadt.

Pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.