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Harley-Davidson V-Rod Muscle: Kantige Muskelspiele mit Stil

Motorräder von Harley-Davidson mit Wasserkühlung waren lange Zeit undenkbar, sind aber inzwischen etabliert. Anfangs noch skeptisch beäugt, sind die VRSC-Modelle zur wichtigen Stütze der amerikanischen Traditionsmarke geworden. Nun bereichert die kraftvoll geschnittene VRSCF V-Rod Muscle die Palette.

Der Hersteller hat dem Bike eine durchaus martialische Linie angedeihen lassen. Die breit-kantige Airbox-Abdeckung oder das gechoppte Heck verleihen der V-Rod Muscle eine ebenso klare wie wuchtige Ausstrahlung. Besonders von hinten betrachtet besticht die VRSCF mit ihrem breiten Fender, unter dem ein nicht minder breiter Reifen rotiert. Die Front hingegen wird von der Upside-Down-Gabel dominiert sowie von den in die Ausleger der Rückspiegel integrierten LED-Blinkern.

Klar und unmissverständlich begegnet einem die Muscle auch bei der ersten Sitzprobe: Die Stiefel ruhen auf weit nach vorn gerückten Rasten, während sowohl der Sattel als auch der Lenker angenehmen Halt vermitteln. Das ist auch nötig, wird nämlich der wassergekühlte V2-Motor zum Leben erweckt. Das auch optisch sehr gelungene Triebwerk schöpft seine 89 kW/121 PS aus 1247 Kubikmeter Hubraum, wobei ein maximales Drehmoment von 115 Newtonmetern bereit steht. Beide Werte werden bei 8250 beziehungsweise bei 6500 Touren erreicht, was die Drehfreude des Vierventilers unter Beweis stellt und eine Vorahnung vom fulminanten Beschleunigungsvermögen der Muscle vermittelt. Sobald die Nadel des Drehzahlmessers die 2000er-Marke passiert hat, drückt die Gravitation den Menschen hinter dem Lenker nachhaltig in den Sattel. Ganz gleich, ob beim Anfahren oder beim Zwischenspurt auf der Autobahn, der Motor verkörpert ganz klar Herz und Seele der Muscle.

Rangieren auf engem Raum will geübt sein

Um die Kraftübertragung zum breiten Hinterrad kümmern sich ein sauber zu schaltendes Fünfganggetriebe sowie der wartungsfreundliche Zahnriemenantrieb. Die Höchstgeschwindigkeit der Muscle liegt bei beachtlichen 230 km/h, der Verbrauch bei nicht ganz unerheblichen 6,9 Litern Super auf 100 Kilometern. Dies macht in Verbindung mit dem 18,9 Liter fassenden Tank, der sich unter dem Fahrersitz verbirgt, Etappen von rund 270 Kilometern möglich. Die Motorleistung will eben spätestens an der Zapfsäule bezahlt sein.

Der regelmäßige Besuch beim Tankwart bietet jedoch den unbestreitbaren Vorteil, das Prunkstück immer wieder in Szene setzen zu können. Indes sollte man sich des Umgangs mit der leer bereits 307 Kilogramm wiegenden Harley entsprechend sicher sein. Angesichts eines Radstands von 1,70 Metern, der flach gestellten Gabel und des breiten Hinterreifens will Rangieren auf engem Raum gut geübt sein. Auch auf der Landstraße machen sich die Dragster-Gene der US-Amerikanerin bemerkbar, die lieber vehement auf der Geraden entlang stürmt, als filigran um Kurven zu biegen. Auch gilt es, bei höheren Tempi sicheren Halt zu suchen, kann auf einer fiesen Bodenwelle doch schon einmal der Stiefel aus der Raste geschlagen werden.

Kleine Schwächen

Den sehr satten Gesamteindruck der Harley trübt dies kaum. Trotz kleiner Schwächen wie dem fehlenden Gepäckhaken, dem nicht abschließbaren Tankdeckel oder dem marginalen Windschutz, besticht die Muscle mit ihrem ehrlichen Charakter und dem kräftigen Zweizylinder.

Teststeno Harley-Davidson VRSCF V-Rod Muscle: Custombike mit wassergekühlten Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, vier Ventile pro Zylinder, 1247 ccm Hubraum, Leistung 89 kW/121 PS bei 8250 U/min, max. Drehmoment 115 Nm bei 6500 U/min, elektronische Einspritzung, Einstufung nach Euro-3-Norm, Fünfgangschaltung, Sitzhöhe 64 Zentimeter, Tankinhalt 18,9 Liter, Leergewicht 307 Kilogramm, Zuladung 181 Kilogramm, Höchstgeschwindigkeit 230 km/h, Verbrauch 6,9 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer; Preis: 18.445 Euro.

Heiko P. Wacker/mid / MID
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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