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Hintergrund: 10 Jahre Smart: Glücksfall oder Altlast?

Die Feiern zum zehnten Smart-Jubiläum und der zeitgleichen Produktion des einmillionsten Smart Fortwo fielen zurückhaltend aus. Auch wenn sich der Kleine gemausert hat: Ein voller Erfolg ist er noch lange nicht.

Wer die Diskussionen der vergangenen Monate um hohe Benzinpreise, überfüllte Innenstädte, Verkehrskollaps und alternative Antriebe verfolgt hat, der dürfte keinen Zweifel daran hegen: Ein Fahrzeug wie der Smart Fortwo hat in der heutigen Autowelt seinen Platz.

Im Vergleich zu 2007 können sich die Smarties jetzt über einen Zuwachs von 66 Prozent freuen. Doch bei allen Verkaufserfolgen in jüngster Zeit und erstmals einer schwarzen "Null" in der Bilanz darf nicht vergessen werden, dass der Start der Marke Smart vor einer Dekade samt Entwicklung und Verkauf der verschiedenen Modelle zwischen vier und fünf Milliarden Euro verschlungen haben dürften. Eine satte Summe, die ein Autohersteller selbst bei grandiosen Verkäufen in den nächsten Jahren kaum wieder hereinholen kann. Zumindest nicht komplett.

Als der Smart 1998 seit Weltpremiere feierte, gab es von allen Seiten ein großes "Hallo". Doch sparsame Verbräuche, ein exzellentes Sicherheitskonzept und die Einsicht, dass die meisten sowieso meist allein im Auto unterwegs sind, hat die Kunden nicht so gelockt, wie erwartet. Die "smarte" Idee und der sensationelle Markenname wurden von Kunden und Handel gleichermaßen nicht verstanden.

Und dann gab es da noch den Preis. Für ein Auto mit den unbestrittenen Qualitäten einen Smart Fortwo muss(te) man schlicht zu viel Geld auf den Tisch legen. "Wir bauen kein Billigauto", bekräftigte Daimler-Vorstand Dr. Dieter Zetsche erst jetzt wieder anlässlich der Feiern zum zehnten Smart-Geburtstag.

Besser wird das alles dadurch nicht. Das Smart Fortwo Coupé startet mit unglaublich nackter Ausstattung bei knapp 10.000 Euro. Unter 11.500 Euro geht selbst mit dem müden Basismotor nur wenig.

"Wir waren zu früh dran"

Dafür kann man sich schon einen sehr guten älteren Gebrauchten in die Garage holen. Und mit mehr Platz obendrein. Darüber helfen auch angestrengte Begriffe wie Lifestyle, City-People und trendig nur wenig hinweg. Was beim Mini klappte, hat beim Smart lange nicht funktioniert. Dieter Zetsche: "Der Smart war nicht von Anfang ein Verkaufsschlager - wir waren einfach zu früh dran. So gab es manches Auf und Ab."

Die Ursprünge der Smart-Idee sind nahezu 35 Jahre alt. Begonnen hatte alles in den frühen 70ern mit der Entwicklung eines "Nahverkehrsautomobils", zu der sich der damalige Mercedes-Designer Johann Tomforde seine ersten, unkonventionellen Gedanken machte. Der gerade mal 2,50 Meter lange Mercedes-Zweisitzer wurde Anfang der 80er Jahre erstmals vorgestellt, verfügte über große Schiebetüren und viel Platz auf kleinstem Raum.

Die realen Vorläufer des Smart stammen jedoch aus den USA. Das Winzlings-Doppel Mercedes Eco Sprinter und der offene Eco Speedster aus dem Jahre 1993 waren realitätsnahe Studien, die einen genauen Ausblick auf den späteren Smart Fortwo gaben.

Und in Nicolas G. Hayeck, dem Erfinder der Swatch, fand Mercedes zumindest anfangs einen Partner, mit dem man die Idee schnell realisieren konnte. Der hatte schon 1989 mit viel Medienecho verkündet, dass er ein kleines buntes Kunststoffauto für die Stadt entwickele - ein "Swatch-Auto". Die Micro Compact Car AG (MCC) entstand, mit Sitz im schweizerischen Biel, Produktionsstätte im französischen Hambach und dem Entwicklungszentrum in Deutschland. Eine Kooperation, ohne die es den Smart nicht gäbe - und die gründlich schief ging. Seit 1998 jedenfalls gehört MCC zu 100 Prozent Daimler-Benz.

Kommt ein SUV?

Mit der nun zweiten Generation macht der Fortwo nicht nur durch die gewachsenen Abmessungen einen erwachseneren Eindruck. Derzeit wird er weltweit auf 37 Märkten – inklusiv den USA - angeboten. Das garantiert eine solide Auslastung des Werkes im französischen Hambach. Dort wird in einem Zwei-Schicht-Modus gearbeitet.

Doch neue Modelle müssen irgendwann kommen. Allein mit einer Coupé- und einer Cabrioversion des Fortwo wird man angesichts der weltweit zunehmenden Konkurrenz kaum bestehen können. Toyota, Suzuki und besonders die Chinesen drückt aufs Gas. Eine mittelfristige Erweiterung der Produktfamilie scheint daher außer Frage. "Doch", so sagt Dieter Zetsche, "wir werden den falschen Weg nicht zweimal gehen." Die Mißerfolge des Smart Roadster und besonders des Forfour stecken vielen noch in den Knochen.

Noch nicht ganz verabschiedet zu haben scheint man sich von einem Fortwo mit langem Radstand, der so bis zu vier Personen Platz bietet. Besonders interessant dürfte nicht nur den Marketingstrategen im Hause Daimler auch der in der Schublade verschwundene Vorschlag eines Mini-SUV zu sein. Viele Smart-Kunden sind gerne bereit, etwas mehr auszugeben. Das zeigen nicht nur die Orderlisten, sondern auch der Marktanteil des Cabriolets, der sich auf rund 20 Prozent gesteigert hat.

Elektrische Zukunft

Auf die Öko-Welle ist man schon erfolgreich aufgesprungen. Die ersten 100 Elektromodelle surren seit mehr als einem Jahr durch London. Der Smart Fortwo cdi ist mit einem Normverbrauch von 3,3 Litern Diesel das sparsamste Serienfahrzeug weltweit. Ab Modelljahr 2009 bekommen alle Smart-Benziner zudem eine Start-Stopp-Automatik.

Der Elektro-Smart soll Ende 2009 in Serie gehen – mit zeitgemäßer Lithium-Ionen-Technik. Die Reichweite dürfte bei mindestens 100 Kilometern liegen. Besonders die Bewohner der Hauptmärkte Italien, Deutschland und USA dürften sich daher über eine solche Elektroversion freuen. Wenn sich mehr Großstädte für Citymaut und teures Innenstadtparken entscheiden, bekäme der Hambacher ungewollte Schützenhilfe.

Im Rahmen des gemeinsam von Daimler und RWE initiierten Projekts "e-mobility Berlin" kommen der Smart ed (electric drive) der neuen Generation und batterieelektrische Fahrzeuge von Mercedes-Benz zum Einsatz. RWE sorgt für bis zu 500 Ladestationen in der deutschen Hauptstadt.

Die nahe Zukunft wird zeigen, wohin die Reise tatsächlich geht. Zumindest ein Verkauf der Marke, wie vor zwei/drei Jahren ernsthaft erwogen, scheint kein Thema mehr zu sein. Schließlich braucht man die Marke Smart auch aus poltischen Gründen: Um den Flottenverbrauch des Konzerns statistisch auf EU-Grenzwerte zu drücken.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.