Hyundai Grandeur Die All-Inclusive-Alternative


Die Konjunktur lahmt. Das Geld ist knapp. Auch beim Autokauf. Wer trotzdem nicht auf Komfort und Luxus verzichten möchte, sollte zu Hyundais neuem Flaggschiff Grandeur greifen. Vorausgesetzt, er kann auf Image und Prestige verzichten.
Von Frank Wald

Entschädigt wird er dafür mit einer Vollausstattung. Bis auf Metallic-Lackierung und Schiebedach ist die 4,90 Meter lange Oberklasse-Limousine mit allem bestückt, was das Autofahren angenehm und sicher macht. Beispielsweise ESP, acht Airbags und aktive Kopfstützen, ebenso wie elektrisch verstell- und beheizbare Sitze, Lederausstattung, Holzlenkrad, CD-Audioanlage, Zwei-Zonen-Klimaautomatik und Navigationssystem - zum Preis von 36.450 Euro ist alles mit drin.

Schon der Vorgänger XG 350 folgte dieser All-inclusive-Strategie, um auf dem deutschen Markt gegen Mercedes E-Klasse, Audi A6 oder 5er-BMW zu bestehen. Wenn auch nur mit mäßigem Erfolg. 2004 konnten der deutsche Importeur laut KBA in Flensburg im ganzen Jahr gerade 195 Fahrzeuge zulassen. Und auch das neue Modell wird sich auf deutschen Straßen "wohl nicht allzu oft sehen lassen", wie der Hyundai Deutschland-Geschäftsführer Karl-Heinz Engels freimütig bekennt. 500 bis 700 Fahrzeuge peilt er pro Jahr an. "Doch Verkaufszahlen sind nicht alles." Der Grandeur soll in erster Linie als Imageträger dienen, um Hyundais Oberklassen-Kompetenz unter Beweis zu stellen. Die Koreaner haben nämlich ein hehres Ziel vor Augen, das sie nicht müde werden zu betonen: bis 2010 wollen sie, gemeinsam mit der Schwestermarke Kia weltweit unter die Top-Five im Automobilbau fahren. Mit günstigen Klein- und Geländewagen, für die sie europaweit bekannt sind, ist das allein nicht zu machen. Dazu gehören eben auch die großen Luxusliner.

Genau so ein Fahrzeug ist der neue Grandeur. Auf 4,90 Meter streckt und wölbt sich der Wagen im Stil der gängigen Design-Trends: vorn ein großer Kühlergrill, flankiert von schmalen Klarglasscheinwerfern, die großflächig konturierte Seitenansicht trägt dezenten Chromzierrat und Alu-Räder ab Werk und das Heck mit leicht aufgesetztem Kofferraumdeckel weckt Assoziationen mit 7er-BMW und neuer S-Klasse. Alles in allem gefällig, wenn auch nicht sonderlich aufregend. Umso bemerkenswerter ist das bereits erwähnte Rundum-Sorglos-Paket, das die Passagiere im Innenraum erwartet. Vorne wie hinten gibt es ausreichend Platz, die Sitze sind bequem und, ebenso wie Armaturentafel, Konsolen und Seitenverkleidungen, mit sauber gearbeitetem Leder bespannt. Im Cockpit ist übersichtlich geordnet, Schalter, Tasten und Hebel geben keine großen Rätsel auf. Türen, Sitze, Lenkrad, Spiegel, Fenster, Sonnenrollo – für alles gibt es elektrische Helferchen. Ein CD-Wechsler sorgt für die akkustische Untermalung.

Kaum zu hören - und zu spüren - ist dagegen der 3,3-Liter-V6, der den Grandeur in Bewegung setzt. Das 235 PS (173 kW) starke Leichtmetall-Triebwerk aus dem Sonata schiebt Hyundais Flaggschiff mittels einer sanft und ruckfrei schaltenden Fünfstufen-Automatik zügig auf Tempo. Nach 7,8 Sekunden erreicht die Tachonadel die Hunderter-Marke, bevor sie bei 237 km/h das große Zittern kriegt. Viel mehr sollte aber ohnehin nicht sein. Das ansonsten ausgewogene, auf Komfort getrimmte Fahrwerk hat in schnell gefahrenen Kurven ordentlich zu tun, den 1,7 Tonner auf Kurs zu halten. Die Stärken des Grandeur liegen eher im kultivierten Gleiten bei möglichst konstanter Geschwindigkeit. So lässt sich vielleicht auch der nicht gerade geringe Durchschnittsverbrauch erzielen, den Hyundai mit 10,2 Liter angibt. Aber immerhin Normalbenzin. Günstiger geht’s erst im kommenden Frühjahr, wenn es den Grandeur auch mit einem 2,2-Liter-Commonrail-Diesel inklusive Partikelfilter geben soll. Wenngleich der mit seinen rund 150 PS (110 kW) aus vier Zylindern nicht so ganz zum Auftritt in der Oberklasse passen will.


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