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Hyundai Tucson: Sam Hawkins Maultier

Wozu einen teuren Gelände-Antrieb, den doch keiner benutzt? Der "Tucson" nimmt die Käuferwünsche ernst: Kein Aufwand für Gelände-Gimmicks, aber trotzdem fetter SUV-Look, und das zum Kampfpreis.

Die meisten Pseudo-Geländewagen und ein Gutteil der "echten" Offroader bekommen in ihrem Leben nichts als Asphalt unter die Reifen. Traurige Zeiten für die Untersetzung, ein Segen für die Natur. Die Besitzer von Wald und Wiesen würden sich im dicht besiedelten Deutschland bedanken, wenn die SUV-Welle von der Fahrbahn in ihr Gelände schwappen wollte. Gerade bei preisgünstigen Modellen liegt die Idee nahe, möglichst wenig in Geländefähigkeiten, die dann doch nicht genutzt werden, zu investieren. Ein zuschaltbarer Billig-Allradantrieb tut es da dann auch, Steigfähigkeiten von 20 Prozent gelten als ausreichend und die Fähigkeit, reißende Bäche zu durchqueren, wird auf die Kompetenz, eine große Herbstregen-Pfütze zu durchwaten, reduziert.

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Heilige Kundenwünsche

Hersteller Hyundai denkt konsequent in diese Richtung weiter. Den Tucson gibt es als Super-Soft Offroader, bei ihm kann der Kunde den lästigen Allradantrieb gleich komplett weglassen. Als Fronttriebler wurde der Tucson so weich gespült, dass er gar nicht mehr fürs Gelände taugt. Der Kunde bekommt also, was er will. Nämlich, den fetten SUV-Look und er muss keinen Pfennig für unnötigen Geländeschnickschnack dazu bezahlen. Über soviel Unvernunft kann man den Kopf schütteln, aber Kundenwünsche müssen Herstellern heilig sein. Der Einstiegspreis von 18.390 Euro ist eine echte Kampfansage, mit dem Volks-SUV sollte der begehrte Look für jedermann erschwinglich sein. Für unter 19.000 Euro gibt es einen 114 PS-Benziner, Frontantrieb und eine opulente Serienausstattung. Der Name Hyundai steht vielleicht nicht für "Traumautos", aber für gute Verarbeitung und solide Qualität.

Kein Barock-Tarzan

Optisch löst der Tucson alles ein, was das Fahrwerk nicht mehr kann. Unten sitzen hübsch große Reifen auf fetten Alufelgen, weiter oben bringen Grill und Haube die gewünschte Prise "Mächtigkeit". Zwei dominante Wellen in der Front deuten kräftige Motoren an. Die voluminösen Rundungen des Tucson orientieren sich optisch an den modernen Edel-SUV's. Der Wagen erinnert daher weder an einen hochgelegten Kombi, noch an einen Geländewagen der Kasten-Ära. Allein das Heck wirkt ein wenig schmächtig und könnte etwas mehr Breite vertragen. Ingesamt präsentiert sich der Tucson als "erwachsener" und "vernünftiger" Wagen. Gerade Linien an den Seiten und vergleichsweise wenig Zierrat empfehlen ihm der seriösen Kundschaft, die nicht jeden Tag mit dem Spaßwagen ins Büro rollen wollen. Gitter, Tritte, Dachscheinwerfer: Das Schreckensarsenal der Lara-Croft-Fans wurde links liegen gelassen.

Weit ist der Weg durch die Prärie

Einem Allradantrieb, der die Fähigkeiten besitzen soll, ein wenig mehr Traktion "auf der nassen Wiese" oder der Schottereinfahrt anzugeben, muss niemand auf den Zahn fühlen, diesen Aufgaben ist der Tucson gewachsen. Bei Bedarf werden bis zu 50 Prozent der Kraft automatisch auf die Hinterachse gegeben. Sollte der Tucson doch einmal auf üblen Untergrund geraten, kann einfach per Tastendruck auf starren Durchtrieb umgeschaltet werden. Aber sind dafür die Onroad-Eigenschaften, so wie versprochen, verbessert worden? Die Top-Motorisierung des 2.7-Liter Sechszylinders im Kombination mit einer Vier-Bereichs-Automatik verwandelt den Tucson nicht in einen feurigen Mustang. Trotz der sechs Töpfe und 175 PS sind Überholmanöver auf der Landstraße ausgesprochen zeitraubend und entsprechend waghalsig. Auch in Anbetracht des Verbrauchs bleibt der empfehlenswerteste Kandidat der zwei-Liter-Diesel. Verbunden mit dem manuellen Fünf-Gang-Getriebe kommt der Wagen ruhig und einigermaßen beherzt zur Sache. Auch hier galoppiert kein Vollblut, aber das solide Diesel-Maultier reicht eigentlich aus. Angesichts von 113 PS und 245 Nm-Drehmoment (sie liegen im Bereich von 1.800 bis 2.500 Umdrehungen pro Minute an) sollte niemand erwarten, dass die Stollen von den Reifen fliegen, aber es reicht. Ein Partikelfilter ist nicht zu haben, zudem verfehlt der Wagen die Euro 4 Norm.

Schön festhalten

Diese Motorisierung reicht für kurvige Strecken mehr als aus, denn hier kultiviert der Tucson die Tücken, die man von der SUV-Form gewöhnt ist. Solange er die Bergstraßen im Testgebiet Harz im moderaten Schritt zurücklegen kann, kann man eigentlich nicht klagen. Bei nur geringfügig flotterer Gangart jedoch zeigt sich der Tucson störrisch wie ein bissiges Maultier. In Kurven schwappt und schwankt es gefährlich an Bord. Als unbeabsichtigte Human-Bremse wirken die Sitze: Sie bieten genau den Seitenhalt, den das Fahrwerk bereit ist zu tolerieren. Also schön auf den Beifahrer hören. Wenn er anfängt hin und her zu poltern und zu kreischen, heißt es: "Fuß vom Gas".

Ein echter Grenzgänger

Ohne viel Karacho kann man den Tucson in die Grenzbereiche des Fahrwerks führen. Jeder Fahrer sollte sich eine zügige Runde auf einem leeren Kreisverkehr gönnen, danach weiß man, woran man ist. Auch in spitzen Kurven drückt es bereits bei verhaltener Gangart mächtig über die Vorderräder. Damit wird nur glücklich, wer souveränes Fahren mit "hübsch langsam" übersetzt. Aber selbst der Frömmste ist nicht vor bösen Überraschungen sicher: Abfallende Kurven, die sich enger erweisen als gedacht, und plötzliche Ausweichmanöver gibt es schließlich immer. Gerade eine SUV sollte nur mit einer elektronischen Fahrwerksstabiliserung gekauft werden. Diese Bemerkung gilt selbstverständlich nicht exklusiv für den Tucson, auch Käufer anderer Soft-Offroader werden im Zweifel erst zu spät bemerken, dass neben der passiven auch die aktive Sicherheit zählt. Ärgerlich ist hier, dass nur die Tucsons mit Allradantrieb ab Dezember 2004 mit einem ESP-System erhältlich sind.

Grundsolides Interieur

Im Innenraum kann sich der Tucson sehen lassen. In Anbetracht der Preise wirken Materialen und Verarbeitung solide und akkurat. Das optionale "Lederpaket" ist für 1.800 Euro erhältlich. Jeder Passagier hat ausreichend Platz, die Beine im Vorderraum sind seitlich etwas beengt. Den Kofferraum zerklüften zwar die Aufhängungen der Achse, sein Rauminhalt von 325 Litern ist auch nicht üppig, dafür lässt sich die Rückbank (asymmetrisch geteilt) jedoch mit nur einem Handgriff umlegen und in eine absolut plane Ladefläche verwandeln. Chapeau, das wurde gut gelöst. Auch, dass sich die Lehne des Beifahrersitzes ebenso flott und platt umklappen lässt, löst manches Transportproblem im Handumdrehen. Diese Features, die sich deutsche Hersteller teuer bezahlen lassen, sind beim Hyundai serienmäßig an Bord, ebenso ein Gepäcknetz mit entsprechenden Befestigungen. Dergleichen die Dachreling und selbst das Reserverad hat nicht nur die normalen Dimensionen, nein, es wurde auch auf eine Alufelge gezogen. Ohne Aufpreis haben nur die Allrader eine Klimaanlage an Bord, ihren Wert sollte man beim Preisvergleich von Fronttrieblern und Allradern im Kopf behalten.

Der Preis entscheidet alles

Mit einem Einstiegspreis von 18.390 Euro soll der Käufer in den Tucson gelotst werden. Aber ist das nur die halbe Wahrheit. Für den Diesel mit Allradantrieb, das voraussichtlich meistgekaufte Modell, werden immerhin 24.290 Euro verlangt, als Fronttriebler fallen für den Selbstzünder 21.290 Euro an. An Ausstattung legt Hyundai dafür einiges ins Käuferkörbchen, aber auch die Konkurrenz schläft nicht. Die schärfsten Mitbewerber drücken ihre Fahrzeuge zu sehr attraktiven Preisen mit stattlichen Zusatz-Paketen in den Markt. Der Hyundai wartet dafür mit einem zeitgemäßen Design und dem Vorteil des neuen Fahrzeugs auf. Die Dreijahres-Garantie ohne Km-Begrenzung ist auch nicht zu verachten. Obendrein gibt es eine ebenso lange Mobilitätsgarantie, die sich nach jeder Wartung um ein Jahr verlängert (Bis zu 197.000 Km-Laufleistung und einem Alter von 15 Jahren). Am Ende wird die Zulassungsschlacht über diese Leistungen und die tatsächlich beim Händler bezahlten Preise entschieden und nicht über Fahrleistungen.

Gernot Kramper

PreiseGLS 2WDGLS 4WD
Tucson 2.0 GLS18.390,0021.890,00
Tucson 2.7 V6 Automatik-25.890,00
Tucson 2.0 CRDi21.290,0024.290,00
Tucson 2.0 CRDi Automatik22.690,0025.690,00
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.