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Bei Tucson in Arizona: Titan Missile Museum: Im unterirdischen Gruselkabinett des Wettrüstens

Eine von Arizonas Hauptattraktionen liegt unter der Erde: das Titan Missile Museum, die einzig verbliebene Abschussrampe für Atomraketen. Ein Besuch im Bunker von Dr. Strangelove, im Mausoleum des Kalten Krieges.

Bild 1 der Fotostrecke zum Klicken: Früher unterirdische Abschussrampe, heute das Titan Missile Museum: Zwischen 1963 und 1979 waren 54 Interkontinentalraketen rund um die Uhr in den Bunkern startbereit, bestückt mit Atomsprengköpfen.

Bild 1 der Fotostrecke zum Klicken: Früher unterirdische Abschussrampe, heute das Titan Missile Museum: Zwischen 1963 und 1979 waren 54 Interkontinentalraketen rund um die Uhr in den Bunkern startbereit, bestückt mit Atomsprengköpfen.

Eine halbe Autostunde südlich von Tucson im Bundesstaat Arizona lässt sich das einzige noch verbliebene Raketensilo aus der Zeit des Kalten Krieges besichtigen. Der "Launch Complex 571-7" ist heute ein Museum und gehört seit 1994 zur Liste der jüngeren "National Historic Landmark" der Vereinigten Staaten.

Der unterirdische Komplex in Sahuarita besteht aus drei Einheiten, die untereinander über lange Gänge verbunden und durch Schleusen mit zwei jeweils tonnenschweren hydraulisch bewegten Türen geschützt sind: Vom Treppenhaus zweigt zur einen Seite das mehrstöckige und rund um die Uhr besetzte Kontrollzentrum ab, zur anderen das Silo mit der 31 Meter hohen Interkontinentalrakete vom Typ Titan II.

Schräge Touristenattraktion in der Wüste

Diese Geschosse waren mit dem größten Nuklearsprengköpfen bestückt, die jemals in den USA gebaut wurden. Die Sprengkraft des Gefechtskopfs mit der Bezeichnung W53 betrug neun Millionen Tonnen TNT. Eine derartige Zerstörungskraft entspricht dem Siebenhundertfachen einer Hiroshima-Bombe.

Für den Start wurden 137 Tonnen flüssiges Stickstofftetroxid und Aerozin 50 benötigt. Innerhalb einer Minute war die Waffe einsatzbereit und konnte mit einer Geschwindigkeit von 25.000 Kilometern pro Stunde bis zu 9900 Kilometer weit fliegen.

Zwischen den Jahren 1963 bis 1967 wurden mehr als 100 Titan-Raketen für die Bunker und zu Trainingszwecken produziert. Die meisten der unterirdischen Startrampen befanden sich neben denen in der Nähe von Tucson bei Little Rock in Arkansas und in der Nähe von Wichita im Bundesstaat Kansas.

Im Zuge von Verhandlungen um eine Begrenzung des Wettrüstens mit der Sowjetunion und Erneuerungen der Waffensysteme wurden die Titan-Abschussrampen in der ersten Hälfte der 1980er Jahre ausgemustert. Seit 2010 begrenzt das neue START-Abkommen – die Abkürzung steht für "Strategic Arms Reduction Treaty" – die Zahl der nuklearen Trägersysteme auf nur noch 700.

Die ausgemusterten Titan-II-Raketen wurden ab 1988 abgewrackt oder als Trägerraketen für Satelliten und Raumsonden genutzt, die Silos zugeschüttet oder an Privatpersonen verkauft. Nur der "Launch Complex 571-7" bei Tucson ist heute noch zugänglich und wurde zum Titan Missile Museum umfunktioniert – ohne Sprengkopf und Flüssigkeiten in der verbliebenen Interkontinentalrakete.

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