HOME

Mitfahrt im Ford Focus RS: Driften für Alle

Der neue Ford Focus RS hat nicht nur 350 PS und Allradantrieb, sondern auch ein eigenes Driftprogramm. Der erste Satz Reifen ist zum Glück inklusive.

Sein Basispreis: 39.000 Euro.

Sein Basispreis: 39.000 Euro.

Mit einem Ford Focus RS verbinden die meisten Rallyesport und brachiale Kraft an der Vorderachse. Das Besondere bei all der Kraft war stets, dass der Kölner es schaffte, diese nur über zwei angetriebene Vorderräder auf die Straße zu bringen. Weder Traktionsverluste noch große Lenkeinsätze mussten dabei in Kauf genommen werden. Freunde des reinen Frontantriebs sind jedoch ab sofort beim Ford RS an der falschen Adresse. Denn das Ingenieursteam hat einsehen müssen, dass ein Allradantrieb bei mittlerweile 350 PS sinnvoll ist. Herausgekommen ist ein noch wendigerer, präziserer und vor allem driftwilligerer RS mit der Möglichkeit, bis zu 100 Prozent der Motorenkraft an die Hinterachse zu leiten. Noch nie war kontrolliertes Querfahren leichter.

Driften für Anfänger
Sein Basispreis: 39.000 Euro.

Sein Basispreis: 39.000 Euro.

Damit nicht nur Könner den 1.529 Kilogramm schweren Kölner durch die Seitenscheibe navigierend bewegen, dafür steht nun neben den Fahrprogrammen Normal, Sport und Track das magisch anziehende Programm mit dem Namen Drift parat. Dabei ist es kein Hexenwerk, was ein simpler Knopfdruck bewirkt. Die Lenkung wird ein wenig unpräziser als in den beiden dynamischen Programmen zuvor, das Gaspedal verändert seine Kennlinie und die Traktionskontrolle wird in den Sportmodus versetzt - so die Theorie. Wer es auf 360-Grad-Kreisel anlegt, kann durch längeres Drücken des ESP-Off-Schalters dieses System auch kompromisslos komplett deaktivieren. Das Resultat ist an einem erhöhten Reifenverschleiß zu erkennen. Wer nicht gerade auf Schmirgelpapier quer durch die Gegend rutscht, schafft aber den vormontierten 19 Zoll-Satz aber dennoch in gut zehn Minuten. An Bord des ziemlich entspannt wirkenden Testfahrers zeigt sich schnell, dass hier Ford an dieser Stelle nicht zu viel versprochen hat.

Dass weiße Gummiwolken und bis zu vier grüne Passagiere nicht alles sind, was der neue Ford Focus RS zu bieten hat, dürfte klar sein. So fällt schon beim ersten Kontakt sein geringes Aggressionspotenzial auf. Sprich, die Heckspoiler-Theke ist ungewohnt zurückhaltend gestaltet. Im Innenraum geht es durchaus komfortabel zu und sowohl der Spritverbrauch als auch der berüchtigte Wendekreis wurden reduziert. In Zahlen ausgedrückt muss nun ein RS-Fahrer 7,7 Liter Super nach 100 Kilometern nachfüllen. Gleichzeitig schafft er es in mindestens einem Zug weniger aus einer engen Parklücke heraus. Was sich noch zum Besseren verändert hat, ist seine Fahrdynamik. Kurz gesagt ist aus einem untersteuernden Kraftmaxe ein leicht zum kontrollierten Übersteuern neigender Kurvenfresser geworden - was selbst auf dem Beifahrersitz erfahrbar wird. Aber auch nur dann, wenn etwas zu flott oder zu spät und somit zu stark in die Kurve eingelenkt wurde. Beim früher als je zuvor möglichen Herausbeschleunigen zieht seine brachiale Kraft von bis zu 470 Newtonmetern den RS offensichtlich ausgezeichnet aus jeder misslichen Lage gerade wieder heraus.

Für die korrekte Gangwahl steht beim ab 39.000 Euro teuren Ford Focus RS ausschließlich ein manuelles Sechsganggetriebe bereit. Für echte Motorsportfans oder Ford-Testfahrer ist das natürlich kein Hinderungsgrund. Zumal sich der trotz des Antriebswechsels lediglich um 70 Kilogramm schwerer gewordene RS sehr leicht und kommod in den gewünschten Gang versetzen lässt. Wer die 4,7 Sekunden bis zur Tempo 100-Markierung tatsächlich erfahren möchte, sollte mit der Launch Control eigentlich die größten Chancen haben. Bei ersten Tests in Vorserienfahrzeugen weist sie allerdings noch ernste Funktionsdefizite auf, die selbst dem Testpersonal noch die eine oder andere Sorgenfalte auf die Stirn zaubern. Laut Ford sollen diese natürlich bei der Markteinführung korrigiert sein. Der 4,39 Meter lange und 2,01 Meter breite Fünftürer schafft aber auch ohne die Ampelstartunterstützung im Nu 266 Kilometer pro Stunde. Dank des 2,3 Liter großen Reihenvierzylinders mit Turboaufladung tritt zu keinem Zeitpunkt das Gefühl auf, am Ende des Tages doch ein wenig mehr Leistung zu vermissen.

Einzig beim zufälligen Erspähen des aufblinkenden RS-Logos im Tachobereich vermisst sogar der Beifahrer eine gewisse Logik im Betriebsablauf. Denn in Beschleunigungssituationen, bei denen normalerweise nicht der Blick nach unten auf die dunkle Tachoscheibe gerichtet wird, blinkt jenes Logo auf, wenn der Schaltzeitpunkt erreicht ist. Ein paar Zentimeter höher und es würde ins periphere Sichtfeld wandern. So ist es leider völlig wirkungslos - oder dient lediglich dem Mitfahrer als Schaltpunktansagen-Zeitpunkt. Alles in allem zeigt Ford mit dem neuen RS, dass nicht nur der Fahrer bei einem fahrzeuggemäßen Umgang richtig viel kontrollierten Spaß haben kann. Alternativen, wie der wesentlich teurere Mercedes-AMG A 45 4Matic, müssen sich trotz Mehr-PS auf einen heißen Konkurrenzkampf gefasst machen.

pressinform
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.