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Interview: Wolfgang Reelitz, TomTom: Navi für alle?

Mobile und fest installierte Navigationssysteme sind natürliche Feinde. Doch zunehmend kaufen sich Autohersteller das fehlende Know-how ein - und machen damit integrierte Navis selbst bei Billigautos denkbar.

?: Herr Reelitz, in der zweiten Jahreshälfte wird TomTom ein integriertes Navigationssystem für Toyota-Modelle anbieten. Was kann das System?

Reelitz: Neben einem größerem Bildschirm und dem aktuellsten Kartenmaterial gibt es Features wie MapShare, bei dem die Nutzer ihre eigenen Karten-Korrekturen durchführen und über das Internet mit der TomTom-Community teilen können. So fährt man immer mit der frischesten Karte. Zudem ist das System komplett ins Armaturenbrett integriert – keine Kabel, kein Anschluss im Zigarettenanzünder – kann aber trotzdem entnommen und mit einer Scheibenhalterung zum Beispiel in einem Mietwagen weiter benutzt werden.

?: Wie eng arbeitet TomTom bei der Entwicklung solcher ins Fahrzeug integrierter Systeme mit den Herstellern zusammen?

Reelitz: Wir pflegen einen engen Kontakt, denn die Navigation ist beim Innovationszyklus mit die schnellste Industrie, die es momentan in der Automobilwelt gibt. Es gibt keine komplette Auslagerung der Entwicklungsverantwortung, denn die Hersteller nehmen Einfluss auf die Funktionalität der Systeme im Fahrzeug.

?: Schneiden Sie sich durch Kooperationen mit Herstellern nicht auch ins eigene Fleisch? Wer sich einen Wagen mit integriertem Navi kauft, fällt als Kunde doch erst einmal aus.

Reelitz: Nein, denn der Kunde bekommt über TomTom Home zum Beispiel die Karten-Updates von uns. Ihm stehen die gleichen Angebote zur Verfügung, die alle Kunden haben – Karten, Stimmen oder Points of Interest zum Herunterladen im Internet. Auch MapShare funktioniert bei den integrierten Geräten. Solche Plattformen sind sehr erfolgreich – Apple hat es mit iTunes vorgemacht – aber bei den Automobilherstellern nicht sehr weit verbreitet. Wir dagegen bieten eine Plattform für mehr als 30 Millionen Kunden.

?: Werden in Zukunft immer mehr Hersteller, auch wegen der Möglichkeiten zur Kostenersparnis, mit Anbietern mobiler Navigationssysteme zusammenarbeiten, anstatt selbst zu entwickeln?

Reelitz: Ein Beispiel für die Vorteile, die sich Hersteller bei uns einkaufen, ist der Verkehrsservice HD Traffic. Dafür nutzen wir nicht nur alle Verkehrsdaten, die öffentlich verfügbar sind. Wir haben mit TomTom Work auch ein Netz von Fahrzeugen, die über eine integrierte SIM-Karte mit unserem Server verbunden sind – diese Flotte ist der perfekte Verkehrsmelder. Und wir haben eine Kooperation mit Vodafone, so dass wir anonymisierte Bewegungsdaten von Handys erhalten. Jeder, der mit Vodafone eine SMS verschickt oder telefoniert, sendet automatisch seine Position. So können wir durch die Überlagerung mit einer elektronischen Karte feststellen, wo sich wie viele Leute mit welcher Geschwindigkeit bewegen. Solch eine einzigartige Datenbasis hat die Fahrzeugindustrie ihren Kunden bislang nicht zur Verfügung stellen können. Sie steckt zwar Millionen in die Entwicklung, hat aber nie diese Verbreitung erreicht, die nötig ist, um vernünftige Verkehrsdaten anzubieten.

?: Kann es nicht sein, dass die Nutzer irgendwann einmal sagen: Wir möchten auch etwas dafür haben, dass wir gratis solch eine riesige Datenbasis zur Verfügung stellen? Einen Bonus für registrierte Nutzer sozusagen.

Reelitz: Die Nutzer bekommen ja den besten Verkehrsservice mit der größtmöglichen Anzahl von Traffic-Scouts. Die Millionen von Nutzern in unserer Community – ein Drittel unserer 30 Millionen Kunden hat sich bei TomTom Home registriert - haben einen unglaublichen Beitrag dazu geleistet, Navigation besser zu machen. Dazu muss man den Kunden nicht für jeden Beitrag monetär entlohnen. Er bekommt am Ende durch die vielen Daten, die allen zugute kommen, einen ausgezeichneten Service.

Schneller als die Autoindustrie

?: Welche neuen Entwicklungen kann man bei der Integration von Navigation ins Auto erwarten?

Reelitz: Wir haben die Möglichkeit, sehr schnell Innovationen einzubauen, ohne dass wir an die teilweise extrem langen Entwicklungszyklen in der Automobilindustrie gebunden sind. Dort dauert es manchmal 5, 6 oder 7 Jahre, bis man einen Standard etabliert hat. Wir dagegen können viele Dinge kurzfristig und sehr effizient umsetzen und damit die Fahrzeugnavigation verbessern.Langfristig werden sicher mehr und mehr Fahrzeugsensoren zur Optimierung der Navigation mit einbezogen. Auch die Daten der elektronischen Karten, etwa über den Geländeverlauf, könnte man mit der Fahrzeugelektronik – etwa der Getriebesteuerung – verknüpfen. Dann ließen sich bessere Schaltvorgänge und geringere Verbräuche erzielen.

?: Was ist mit Features, die einige Autobauer und auch Hersteller mobiler Navigationssysteme bereits anbieten – zum Beispiel die Verkehrszeichenerkennung per Kamera oder der digitale Fernsehempfang?

Reelitz: Generell konzentrieren wir uns auf Dinge, die einen echten Mehrwert für den Kunden darstellen – optimierte Routenführung und Verkehrsservices zum Beispiel. Dabei legen wir großen Wert auf Sicherheit und Bedienkomfort. Bei vielen dieser Features, die Sie angesprochen haben, ist die Beziehung zwischen Kosten, Nutzen und Sicherheit unserer Meinung nach nicht optimal.

Navi im Dacia Logan?

?: Bei Kleinwagen und Kompaktautos gab es fest installierte Navis früher praktisch gar nicht, jetzt liegt das stärker im Trend. Beim Mazda 3 zum Beispiel gibt es integrierte Systeme am Armaturenbrett, Renault bietet im Clio etwas Ähnliches mit TomTom-Geräten. Wird die Navigation zukünftig auch in Kleinwagen zur Selbstverständlichkeit gehören?

Reelitz: Wir sehen keinen Grund dafür, warum der Fahrer eines Kleinwagens nachts bei Regenwetter in einer fremden Stadt mit einer Papierkarte hantieren sollte. Der Bedarf an Navigation besteht bei allen, bislang hat die Autoindustrie für kleine Fahrzeuge aber kaum adäquate Lösungen angeboten. Entweder gab es gar nichts oder extrem teure Systeme, die natürlich keiner gekauft hat. Mit Renault können wir das Preisniveau nun nach unten ziehen, das System kostet 490 Euro. Damit öffnet sich die voll integrierte Navigation auch für den Massenmarkt. Gleichzeitig lassen sich die Karten und Services jederzeit aktualisieren. Sie brauchen dazu nur die SD-Karte aus dem integrierten Gerät entnehmen, und zuhause die neuesten Daten aus dem Internet holen. Das Update der Westeuropa-Karte kostet 69,95 Euro. Bei den Autoherstellern ist die Kompilierung der Daten so aufwändig, dass Updates meistens erheblich teurer sind und nicht 4x im Jahr erfolgen können.

?: Wenn es schon die Zusammenarbeit mit Renault gibt, wäre dann nicht auch ein integriertes Navi für den Dacia Logan denkbar?

Reelitz: Wir sind zurzeit mit sehr vielen Herstellern weltweit im Gespräch. Wir sind in einer viel eleganteren Position als die traditionelle Industrie, Navigation in einem sehr niedrigen Kostenrahmen anzubieten. Wir sind sehr daran interessiert, Navigation in den Massenmarkt zu bringen – dazu gehören speziell Fahrzeuge im A-, B- und C-Segment.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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