HOME

Maserati Quattroporte S: Grande Espresso

Italiens schönste Luxus-Limousine kommt in die Jahre. Mit neuer Front, neuem Heck und gestärktem V8 soll der Maserati Quattroporte S die Baureihe beleben und weiterhin reichen Männern den Kopf verdrehen.

Von Michael Specht

Über ein halbes Jahrhundert durfte Ferrari-Hausdesigner Pininfarina keinen Maserati zeichnen. Schade eigentlich, denn mit dem 2003 vorgestellten Quattroporte landete er sofort einen Hit und katapultierte Maserati damit zurück in die Liga der rassigen Sportlimousinen. Das Auto kam so gut an, dass die edle Fiat-Tochter aus Modena in den vergangenen fünf Jahren über 15 000 Stück absetzte. Der Quattroporte wurde damit zum bestverkauften Maserati in der Geschichte des Unternehmens – und dies trotz einiger Kritik an Verarbeitung und Fahrverhalten.

Neues Gesicht ohne modischen Firlefanz

Auch bei der jetzigen Modellpflege bewies der Grandseigneur des automobilen Designs ein geschicktes Händchen. Er beließ alle Blechteile in ihrer alten Form.

Gut so. Geändert wurden die Anbauteile, das Übliche also. An der Front fallen deutlich der größere Grill mit seinen jetzt senkrechten Lamellen und die neuen Scheinwerfer mit ihren kleinen LED-Leuchten auf. Glücklicherweise verzichtete Maserati auf die leicht prollig wirkende Tagfahr-Lichterkette, wie sie bisweilen als modischer Firlefanz von anderen Herstellern eingesetzt wird. Die LED-Lämpchen dienen lediglich als Blinker. Auch hinten gibt es neue Heckleuchten, die mit ihrem weißen LED-Innenteil zwar nicht unbedingt schöner geworden sind, aber Familienzugehörigkeit demonstrieren sollen, denn die Rücklichter des GranTurismo sind ähnlich unterteilt.

Frei nach dem Motto "Muss denn Leistung Sünde sein?" geht mit der Modellpflege des Quattroporte auch eine stärkere Motorisierung einher. Der rassige Achtzylinder (erkennbar an den roten Ventildeckeln) stammt aus dem GranTurismo S, der in der Limousine jedoch akustisch mehr im Hintergrund bleibt. Dennoch: Kernig klingt auch er. Aus jetzt 4,7 Liter Hubraum werden 430 PS mobilisiert. Genug, um den zwei Tonnen schweren Italiener in sechs Gängen auf bis zu 280 km/h hoch zu treiben. Der Sprint von null auf Tempo 100, für den Stammtisch ja noch immer ein nicht zu unterschätzender Wert, ist nach 5,4 Sekunden erledigt. Viel wichtiger für den Alltag ist jedoch der Durchzug. Ihn haben die Maserati-Ingenieure gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert, besonders bei mittleren Drehzahlen. Bei 3000/min schickt die Kurbelwelle jetzt rund 70 Newtonmeter mehr ins Getriebe als zuvor. Maximal schafft der Achtzylinder 490 Newtonmeter, so viel wie ein BMW 750i.

Tanken könnte Schmerzen verursachen

Solche Werte bekommt man natürlich nicht geschenkt, energiemäßig gesehen. Wer aber mindestens 123.350 Euro für automobile Ästhetik ausgeben kann, den dürfen auch 18 oder 20 Liter nicht jucken, die sich der Quattroporte alle 100 Kilometer aus seinem Tank zieht. 15,7 Liter gibt der Hersteller als kombinierten Wert an. In der Stadt sollen es 21,99! Liter sein.

Entschädigt wird der Maserati-Lenker dafür mit mehreren schönen Dingen. Zum Beispiel Exklusivität. Viel mehr als 250 Quattroporte werden in Deutschland jährlich nicht neu zugelassen, eine homöopathische Dosis im vergleich zur etablierten Konkurrenz (S-Klasse, Siebener, A8, Jaguar XJ). Selbst Bentley verkauft mehr. Zweite Entschädigung: Stil, Emotion und einen lässig-italienischen Auftritt, wenn man aus dem Auto steigt. Hiermit stellt der Jungmanager unmissverständlich klar: Ich hab’s geschafft, wo ich bin, ist oben. Am meisten scheint dies - zumindest in Deutschland - Männer in ihren besten Jahren anzumachen. Denn verblüffenderweise ist Maserati die Automarke mit dem höchsten Anteil 40- bis 49-jähriger Kunden. Er liegt bei 45 Prozent. Das schafft nicht einmal Porsche, auch Smart nicht und schon gar nicht Mercedes-Benz. Die Stuttgarter kommen mit ihren Modellen auf lediglich 20 Prozent.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.