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Opel Vectra 2.2 DTI: »Auferstanden aus Ruinen...

...und der Zukunft zugewandt», scheint es aus Rüsselsheim zu schallen. Nach zwei Wochen mit dem Vectra muss man den Opelanern zur neuen Mittelklasse-Errungenschaft gratulieren.

...und der Zukunft zugewandt», scheint es seit dem Start des Opel Vectra aus Rüsselsheim zu schallen. Nach zwei Wochen mit dem Vectra 2.2 DTI kann man den Opelanern in der Tat zur neuen Mittelklasse-Errungenschaft gratulieren. Wir würden das DDR-Liedgut dennoch etwas überarbeiten: «...und in der Realität angekommen!».

»Panzer-Design«

Über Geschmack und Design lässt sich nach wie vor trefflich streiten. Und nach optischen Langeweilern wie Astra oder Omega hebt sich der Vectra angenehm vom Mittelklasse-Einerlei ab. Das Attribut »schön« hat er sich trotzdem nicht verdient. Dafür ist das betont eckige »Panzer-Design« einfach nicht konsequent genug umgesetzt. Wie lässt sich sonst der kitschige XXL-Opel-Blitz im Kühlergrill erklären. »Erstarktes Selbstbewusstsein «argumentieren die einen, »prolliges Imponiergehabe« frotzeln die anderen. Die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo dazwischen. Ähnlich ergeht es den vorderen Scheinwerfern, deren Leuchten deutlich sichtbar übereinander gestapelt sind. Sie schließen nicht mit der Kante der Motorhaube ab und würfeln die Frontansicht des Vectra zusätzlich durcheinander.

Schickes Profil

Umstrittene Schönheit auch am Heck. Dominiert von einer beeindruckenden Chrom-Zierleiste, großen Rückleuchten und einer herrlich nutzlosen Metalllippe an der oberen Kofferraumkante, wirkt der Vectra-Hintern zwar klar gegliedert, aber noch lange nicht aufgeräumt. Lediglich die Seitenansicht des Rüsselsheimers entlockt freudige Zustimmung. Kess ausgestellte Radläufe und die abfallende Schulterlinie zaubern einen Hauch von Coupé in die Elegance-Ausstattung.

»Plopp«

Vor dem Einstieg, der Türen-Test. Auf den ersten Blick überzeugen vor allem die Griffe. Musste man beim Vorgänger noch in murkelige Klappteile fassen, laden die neuen Türöffner zum Zupacken ein. Tür auf, Tür zu - plopp. So muss sich das anhören, wenn man in der Mittelklasse mithalten möchte. Selbstverständlich ist dieses Klangverhalten beileibe nicht. Opel-Kunden werden sich mit Schrecken an Vectra- und Astra-Vorgänger erinnern, die beim schwungvollen Schließen der Pforte verschiedenste Geräusche von sich gaben: vom leichten Ächzen bis zum bedenklichen Poltern.

Klare Formen im Cockpit

Die Freude bleibt beinahe ungetrübt, denn wer sich durch die weit öffnenden Türen in den Vectra schwingt, ist angenehm überrascht. Opels Hoffnungsträger überzeugt durch klare Formen, gute Materialauswahl, solide Verarbeitung und pfiffige Detaillösungen. Zur absoluten Spitzenklasse fehlt es den Innereien dennoch etwas an Charme. So ist der Blick auf Drehzahlmesser, Tacho und Tankuhr mehr lästige Pflicht als Vergnügen. Wo bei anderen Herstellern feine Farbschattierungen und unterlegte Rundinstrumente nach Aufmerksamkeit gieren, fällt der Blick beim Vectra auf schnödes schwarzes Plastik. Die Instrumente sind einfach auf den schwarzen Kunststoff aufgedruckt und erinnern an Kreidestriche auf einer Schiefertafel. Schön und vor allem gut ablesbar ist anders!

High-Tech in der Mittelkonsole

Für diesen optischen Missbrauch entschädigt die wirklich gelungene Mittelkonsole. Navigationssystem und Klimaanlage sind ideal erreichbar, die Bedienung gibt keine Rätsel auf. Alle elektronischen Helfer reichen ihre Informationen an den großen Farbbildschirm weiter, der zwischen den Lüftungsdüsen eine perfekt ablesbare Heimat gefunden hat. Davon kann sich die Konkurrenz mehr als eine Scheibe abschneiden. Lediglich das optional erhältliche, integrierte Autotelefon lässt sich nur schwer mit der entsprechende Telefonkarte füttern. Der Grund: Direkt vor dem Schlitz für den Kartenadapter befindet sich der Zigarettenanzünder, der beim Bestücken des Telefons einfach im Weg steht. Ansonsten sind Platzprobleme im Vectra-Innenraum gänzlich unbekannt.

Kerniger Geselle

Nicht ganz so gediegen fällt die Begegnung mit dem 125 PS starken Turbodiesel aus. Der verbaute Selbstzünder ist nicht mehr der Jüngste und verrichtet schon seit einiger Zeit in diversen Opel-Modellen Dienst. Anders als bei den meisten Konkurrenten steht dem kräftigen Triebwerk keine Common-Rail-Einspritzung sondern lediglich eine herkömmliche Verteiler-Einspritzpumpe zur Verfügung. Der Leistung des Turbo-Motors tut dies keinen Abbruch, wohl aber dem Verbrauch und der Laufruhe. Im Alltagsbetrieb entpuppt sich der Selbstzünder als kerniger Geselle. Um an die 280 Newtonmeter Kraft zu kommen, die das gute Stück bereit hält, bedarf es eines dynamischen Gasfußes. Dann jedoch geht es, vom hoch frequent zirpenden Turbolader unterstützt, lauthals nagelnd voran. Keine Frage, die 125 PS haben mit 1.350 Kilo Vectra wenig Mühe. Dennoch tut man bei Opel gut daran, schleunigst frischen Diesel-Nachwuchs zu züchten. Wer zu Durchzugsstärke nämlich auch noch Laufruhe haben möchte, muss sich bisher noch im Diesel-Regal der Konkurrenz umschauen.

Hochgezüchtetes Fahrwerk

Dem rauen Kraftwerk mühelos Paroli bietet das mit Elektronik vollgestopfte Fahrwerk. IDS heißt das gute Stück, was unverständlicherweise für Interaktives Dynamisches FahrSystem steht. Gleich mehrere elektronische Helferlein arbeiten beim IDS zusammen. Neben dem üblichen Vierkanal-ABS mit Kurvenbremskontrolle und elektronischer Bremskraftverteilung setzt eine Traktionskontrolle dem Übermut des Fahrers sehr enge Grenzen. Über all dem wacht der weiterentwickelte Schleuderverhinderer ESP-Plus. Die Opel-Version regelt im Ernstfall drei Räder statt bisher nur eines. Wie bei den Rüsselsheimern üblich, ist keines der Helferlein abschaltbar.

Unnötige Eingriffe

So beeindruckend die Rüsselsheimer Aufrüstung auch ist - die Frage nach dem Sinn muss erlaubt sein. Das Vectra Fahrwerk hinterließ auf unseren Touren einen sehr soliden Eindruck. Eine extrem geringe Seitenneigung in Kurven und harmloses Untersteuern machten den Einsatz der Fahrstabilitätsprogramme schlichtweg unnötig. Im Gegenteil - wer es mit seinem Vectra mal so richtig krachen lassen möchte, kommt gar nicht in den Genuss der Fahrwerksreserven, weil vorher die Elektronik mahnend Zeigefinder und Gasfuß hebt. Schluss mit der Bevormundung würde eine kleiner Schalter machen, mit dessen Hilfe man das ESP in seine Schranken weisen könnte.

Sichere Sache

In Sachen Insassensicherheit zeigt der Vectra der Konkurrenz frech die Heck-Zierleiste. Sechs Airbags gehen im Fall der Fälle auf Insassen-Fang. Die gleiche Aufgabe haben die aktiven Kopfstützen, die bei einem Unfall nach vorne klappen und so den Kopf der Insassen besser schützen. Zusätzlich entkoppeln sich bei einem Crash die Pedale und mindern damit das Verletzungsrisiko für die Beine.

Fazit

Qualitätsprobleme, veraltete Modellreihen und langweiliges Design - mit dem neuen Vectra hat sich Opel mit einem Schlag von diversen Krankheiten befreit. Ein vorderer Platz in der Mittelklasse ist dem Vectra sicher. Das Streben nach Perfektion hat aber auch seine Schattenseiten. Nach zwei Wochen Vectra bleibt das Gefühl, zwar ein sehr gutes, aber auch ein sehr langweiliges Auto getestet zu haben.

Jochen Knecht

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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