AUTO Hässliches Entlein oder stolzer Schwan?


Mit dem neuen Vectra will Opel wieder an die Spitze der Mittelklasse. Das Rüstzeug haben die Rüsselsheimer ihm auf den Weg gegeben. Ob das Design zum Bestseller taugt, wird die Kundschaft zeigen.

Mit dem neuen Vectra will Opel, zumindest laut Pressemitteilung, wieder zurück an die Spitze der Mittelklasse. Das technische Rüstzeug haben die Rüsselsheimer ihrer dritten Vectra-Generation auf den Weg gegeben. Ob allerdings das Design zum Bestseller taugt, wird die Kundschaft zeigen.

Premiere im März

Voraussichtlich nach dem Genfer Autosalon, also nach den 17. März 2002, wird sich der Vectra bei den Opel-Händlern einfinden. Neben den Entwicklungskosten wird Opel bis dahin auch noch 1,5 Milliarden Mark ins Rüsselsheimer Werk investiert haben. Opels neue Mittelklasse soll im mordernsten Autowerk Europas gebaut werden.

»Spannung und Bewegung«

Den alten Kalauer »Ich habe einen neuen Vectra und keiner hat¿s gemerkt!« können Opel-Kunden künftig vergessen. Der Vectra polarisiert vor allem durch sein Design. In Zeiten von feinem Retro-Design und klassischen Linien setzt Opel mit dem Vectra ein bulliges Zeichen. »Leitmotive bei der Gestaltung des Vectra waren ?Spannung und Bewegung'«, erklärt Opel-Chefdesigner Hans Seer. Kritiker könnten das Konzept auch bullig und kantig nennen, doch über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Mächtige Front

Die 4,95 Meter lange Limousine schiebt ein beeindruckendes Gesicht vor sich her. Die Vectra-Front wird von den beiden riesigen Klarglas-Scheinwerfern und dem deutlich mutierten Opel-Blitz dominiert. Hinzu kommt eine Motorhaube mit Längsknick und eine mächtige Frontlippe. »Wir sind wieder wer!«, scheint uns Opel da mit Nachdruck sagen zu wollen. Ob der großspurige Auftritt auch tatsächlich massentauglich ist, wird sich zeigen.

Zerfurchte Seitenansicht

Von der Seitenansicht offenbart der Vectra sein wahres, bissiges Gesicht: Unterhalb der Fensterlinie zieht sich eine harte Sicke von vorne nach hinten. Weiter nach unten geht es mit einer dicken Zierleiste und den stark betonten Schwellern - alles Überbleibsel der engen Vectra-Verwandtschaft mit diversen Opel-Designstudien. Wer den Vectra in Silber ordert, darf sich über Assoziationen mit einem geriffelten Waschbrett nicht wundern ...

Das Vectra-Heck bleibt vor allem wegen des Spoiler-Knicks an der Kofferraumkante in Erinnerung. Auch hier dominieren die mächtigen Rücklichter sowie die hintere Stoßstange.

Dezenter Innenraum

Vorbei mit experimentellem Design und Mut zur Lücke ist es, sobald man die weit öffnenden Türen von innen geschlossen hat. Dann schrumpft der Vectra wieder zu einer dezenten Mittelklasse-Limousine zusammen. Es dominiert die mächtige Mittelkonsole, auf der alle wichtigen Bedienelemente untergebracht sind. Blickfang ist das große Display, das zwischen den beiden Lüftungsauslässen untergebracht ist. Auf Wunsch gibt es den kleinen Bildschirm sogar in Farbe.

Hinten sitzt man höher

Auf Wunsch bestimmen zwei Farben den Vectra-Innenraum, wobei vor allem das Anthrazit nicht wirkliche eine optische Bereicherung ist. Interessant wird es erst wieder auf der Rückbank. Die ist, ähnlich wie im Kino der Theater, höher angebracht als die Vordersitze. dadurch verspricht Opel sich für die hinteren Mitfahrer eine wesentlich verbesserte Sicht nach vorn. Platz ist im gesamten Vectra kaum ein Problem. Der Mittelklasse-Opel hat sowohl in Höhe und Breite als auch beim Radstand um mindestens fünf Zentimeter zugelegt.

Sicher auf allen Plätzen

Auch in Sachen Sicherheit keine Experimente: Sechs Airbags sind beim Vectra serienmäßig in Lauerstellung. Vor allem die Full-Size-Airbags, die sich beim Crash vor die gesamte Fensterfront legen, bilden ein enormes Sicherheitspotential. Hinzu kommt eine extrem feste Karosserie, bei der teilweise sogar Magnesium verbaut wird. Brenzlige Situationen gar nicht erst aufkommen lassen, soll das bewährte IDS-Fahrwerk und der Schleuderverhinderer ESP in seiner neusten Generation. ESP-Plus greift in Extremsituationen nicht nur regulierend auf das kurveninnere Hinterrad zu, sondern gleich auf bis zu drei Räder.

Zunächst vier Motoren

Die Vectra-Limousine muss zunächst mit vier Motoren auskommen. Die beiden Vierzyliner-Benziner decken ein Leistungsband von 122 PS (90 kW) bis 147 PS (108 kW) ab. Diesel-Fans bleibt die Wahl zwischen einem 2,0 Liter Turbodirekteinspritzer (100 PS, 74 kW) und einem 2,2 Liter DTI mit 125 PS (92 kW).

Völlige neue Modellpolitik

Besonders interessant ist auch die neue Modellpolitik, die der Vectra bei Opel einläutet. Wenige Monate nach der Vectra Limousine wird ein weitere Vectra aus dem Werk rollen. Der Vectra GTS ist durch und durch Coupé und soll sich natürlich vor allem um die sportlichen Opelfahrer kümmern. Ihm bleibt vorerst auch der stärkste Benzinmotor vorbehalten, der jemals in einem Vectra Dienst tat. Der 3,2 Liter-Sechszylinder wird 211 PS (155 kW) leisten und den GTS in 7,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100 ziehen. Hinzu kommt im Frühjahr das lange erwartet Kombi-Coupé Vectra Signum und der Vectra-Caravan, der im Herbst 2003 zur Familie stoßen soll.

Über Preise für den neuen Vectra wollte bei Opel noch niemand sprechen, es ist jedoch zu erwarten, dass der »Neue« den Geldbeutel mehr belasten wird, als sein Vorgänger.

Von Jochen Knecht


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