HOME

Polo GTI: König der Krawallschachteln

Spät kommen und dann die Konkurrenz aufmischen. Typisch VW. Auch beim Polo GTI dürfte diese Taktik aufgehen. 180 PS, Siebengang-DSG und ein Top-Fahrwerk bilden eine Kombination, die jede Menge Fahrspaß garantiert und den potenten Polo zum Klassenkönig machen dürfte.

Von Michael Specht

Bislang mussten VW-Verkäufer die Fans kleiner Knallkisten zur Konkurrenz schicken. Bedient wurden sie bei Mini, Alfa, Opel, Renault, Peugeot und anderen. Ab Juni jedoch werden die Karten neu gemischt. Der Polo GTI - erstmals vorgestellt im März auf dem Genfer Autosalon - rollt an den Start. Und dies in einer verführerischen Kombination: 180 PS, Twincharger-Direkteinspritzer und ein Siebengang-DSG ermöglichen 229 km/h und einen Sprint von Null auf 100 km/h in nur 7,9 Sekunden. Damit dürften sich auf der linken Spur Fahrer großer Limousinen vortrefflich ärgern lassen.

Zu allem Hightech spendiert Volkswagen auch dem Power-Polo jede Menge typischer GTI-Applikationen - außen wie innen. Hierzu zählen der schwarze Plastikgrill in Wabenstruktur mit seiner umlaufenden roten Leiste, Dachspoiler und Doppelrohrauspuff, die Leichtmetallfelgen im "Käseloch"-Design und die roten Bremssättel. Allerdings hätte man hinten ruhig etwas größere Bremsscheiben montieren können, selbst wenn sie technisch nicht notwendig sind. Klein wie eine Untertasse wirken sie zwar pfiffig, passen jedoch nicht zum sportlichen Auftritt des Polo.

Im Cockpit sorgen ein dickes und unten abgeflachtes Dreispeichen-Lenkrad, Sportsitze mit Karo-Bezug und rote Ziernähte auf schwarzem Polster für eine Prise Rennatmosphäre. Wie schon in den übrigen Polo, so liefert VW auch im GTI eine überzeugende Vorstellung ab, was Bedienbarkeit, Sitzkomfort, Verarbeitung und Materialanmutung angehen. Kein Modell in dieser Klasse kann da mithalten.

Souveränität statt Krawall

Wie professionell die Volkswagen-Ingenieure beim GTI vorgegangen sind, zeigt der im spanischen Pamplona gebaute Polo schon auf den ersten kurvenreichen Test-Kilometern rund um den Nürburgring - das ideale Revier für eine Rakete dieses Kalibers. Selten hat ein Kleinwagen so viel Fahrspaß bereitet. Von Krawall jedoch keine Spur. Ausgewogen, souverän und geschmeidig lässt sich der Wolfsburger zielgenau und handlich über die Landstraßen der Eifel jagen. Lenkung, Fahrwerk und Federungskomfort - obwohl recht straff - wirken gut aufeinander abgestimmt. Man scheute nicht einmal den Aufwand, die 17 Kilo schwere Batterie vom Bug ins Heck zu verlagern, um eine bessere Achslastverteilung zu erreichen.

Irrsinniges Überholmanöver

Hightech unter der Haube

Herzstück des Polo GTI bleibt natürlich sein Antrieb. Zum Einsatz kommt ein 1,4-Liter-Direkteinspritzer mit Kompressor und Turbolader. Der Hightech-Vierzylinder verhilft auch Golf, Tiguan und Touran zu sportlichen Sprints, leistet dort allerdings weniger als 180 PS. Da VW für das Twincharger-Kraftpaket kein passendes Handschaltgetriebe im Regal hat, machte man flugs aus der Not eine Tugend und spendierte dem GTI-Polo das bekannte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Schalten wie Schumi. Über Wippen am dicken Ledervolant wechseln Gänge im Bruchteil einer Sekunde. Die Verbindung mit dem DSG macht den GTI zu einer Fahrmaschine, die selbst einen Vergleich mit doppelt so starken und dreimal so teuren Sportwagen nicht zu scheuen braucht. Als Verbrauch gibt das Werk dennoch nur 5,9 Liter pro 100 Kilometer an. Sechs Liter schafften wir bei Bummelfahrt entlang von Rhein und Mosel, acht Liter waren es bei forscher Gangart durch die Eifel, 9,5 Liter auf der Autobahn. Für die gebotene Leistung ist dies ein akzeptabler Wert.

Ein "R" im Polo-Grill wird es nicht geben

Mehr als fünf Prozent der Polo-Kunden dürften es allerdings nicht sein, die sich für die Topversion entscheiden. Bezogen auf die rund 300.000 Normal-Polo, die jährlich allein in Europa verkauft werden, wären dies immerhin 15 000 Stück und würden den Polo GTI zum "König der Knallkisten" machen. Wählbar sind sechs Außenfarben (rot, blau, silber, weiß, zweimal schwarz), und bei der Karosserie zwei oder vier Türen. Der Preis startet bei 22 500 Euro. Aspiranten, denen ein GTI-Emblem im Grill immer noch nicht genug ist und die stattdessen dort lieber ein "R" stehen hätten, muss VW leider enttäuschen. "Diese Variante wird es vom Polo nicht geben", sagt Akram Damisi, der Projektleiter des Polo GTI.

Wissenscommunity