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Praxistest: BMW X6 xDrive 35d: Mehr ist mehr

Der Markt entscheidet: Als Coupé-Ableger des erfolgreichen BMW X5 wurde der X6 heftigst kritisiert, als er erstmals zu den Händlern rollte. Doch die Nachfrage ist beeindruckend – das Fahrverhalten noch mehr.

Wer einen X5 im Programm hat – braucht der dann noch einen X6? Schließlich bietet der X6 weniger Platz, ein diskussionswürdiges Heck und nahezu identische Fahrleistungen. Doch beim Publikum kommt der X6 als besonders sportlich positionierter SUV sehr gut an. USA, Europa, China und Mittlerer Osten – mittlerweile ist das mächtige 4x4-Coupé auf allen Märkten gestartet und bringt allenthalben gute Verkaufszahlen. "Die Wartezeit beträgt marktabhängig bis zu sechs Monate", sagt Baureihensprecher Andreas Lampka: "So lange muss ein Kunde warten, wenn er sein Wunschfahrzeug haben möchte."

Nach den Qualitäten des X6 muss man nicht lange suchen. Gerade mit dem doppelt aufgeladenen Commonrail-Diesel liefert der 2,2 Tonnen schwere Allradler beeindruckende Fahrleistungen – auch wenn der versprochene Durchschnittsverbrauch von 8,3 Litern real in weiter Ferne liegt. Unter 10,5 Litern Diesel auf 100 Kilometern ist kaum was zu machen.

Doch schließlich ist der X6 xDrive 35d auch in grandiosen 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h gespurtet und drückt einen auch bei 180 km/h noch stattlich in die bequemen und ordentlich konturierten Sportsitze. Subjektiv hat man daher bisweilen das Gefühl, mit mehr Power als 210 kW/286 PS und 580 Nm maximalem Drehmoment unterwegs zu sein. Der Vorwärtsdrang reduziert sich erst ab 220 km/h - dann presst sich der Reihensechszylinder langsamer Richtung der Höhengeschwindigkeit von 240 km/h.

Schwergewicht

Wenn der BMW trotz seiner umfangreichen dynamischen Fähigkeiten zwei Sachen nicht verheimlichen kann, dann sind es das opulente Leergewicht von 2,2 Tonnen und die geringe Kopffreiheit hinten. Passagieren über 1,80 Meter sollte man den Fond gleich ganz ausreden.

Beim schnellen Kurvenritt versucht der X6 seine gewaltige Masse mit grandioser Lenkung, präzise abgestimmter Sechsgang-Automatik und dem Dynamik-Helfer Dynamic-Performance-Control (DPC) zu überspielen - und schafft das auch exzellent. Doch gerade für einen Hersteller, der sich seit eh und je geringem Gewichten und dessen Verteilung 50:50 verschrieben hat, sind 2,2 Tonnen einfach zu schwer – auch bei einem SUV dieser Dimensionen.

Schon deshalb empfiehlt sich der Zukauf der Option "adaptive Drive". Elektronische Dämpfersteuerung und Wankstabilisierung kosten fast schon unglaubliche 3.290 Euro Aufpreis. Wer sich für Annehmlichkeiten wie Aktivlenkung und Niveauregulierung entscheidet, legt nochmals 2.090 Euro drauf. Fährt sich klasse – doch keiner sonst sieht’s und jeder sonst merkt’s.

Schleudergang

Bis die geplante M-Version des X6 kommt, ist der Fahrspaß mit dem 407 PS starken V8 am größten. Doch wer eine sinnvolle Mischung aus Freude am Fahren und akzeptablen Verbräuchen möchte, der kommt um den großen V6-Diesel mit doppelter Aufladung kaum herum. 62.800 Euro Basispreis sind immerhin 12.000 Euro weniger als beim xDrive 50. Und am Lenkrad des X6 xDrive 35d muss man trotzdem auf kaum etwas verzichten.

Das werden die Mitreisenden im Übrigen ganz genauso empfinden. Bei forscher Kurvengangart werden sie trotz Sportsitzen vorn und sportlichen Einzelsitzen hinten mächtig von links nach rechts geschleudert. Im Gegensatz zum X5 gibt es im X6-Fond nur zwei Einzelsitze und eine überschaubare Kopffreiheit. Überhaupt wirkt die zweite Reihe recht düster. Dass sich die Kopfstützen im Fond zudem nicht verstellen lassen und nur als kleine Lederhügelchen aus der Rückenlehne herausragen mag ebenfalls nicht zum ansonsten kompletten Sicherheitspaket des X6 passen.

Während man im X6 bevorzugt in der erste Reihe sitzen sollte, muss man beim Kofferraum trotz Coupélinie keine Kompromisse machen. Am 570 bis 1.450 Liter großen Laderraum stört allenfalls die hohe Ladekante. Zum Glück stimmt einen die elektrische Heckklappe hier schnell wieder etwas milder. Jedoch sollte in einer derartigen Fahrzeugklasse sowas längst zur Serienausstattung gehören. Beim X6 kostet sie stattliche 540 Euro. Doch BMW lässt sich nach gewohnter Manier jede noch so winzige Kleinigkeit von Navigation über Ledersitze bis zum Abstandstempomat teuer bezahlen. Immerhin gibt es ab Werk Xenonlicht, Klimaautomatik und ein Soundsystem.

Üppige Liste

Die Aufpreisgestaltung mutet in wirtschaftlich schweren Zeiten ohnehin wie ein Märchen aus 1.001 Autonacht an. Doch scheint es bei den Kunden kaum nennenswert ins Gewicht zu fallen, dass die elektrischen Ledersitze mindestens 3.000 Euro kosten, eine Alarmanlage 480 Euro verschlingt und für Keyless Go, den schlüssellosen Zugang, 950 Euro zusätzlich berechnet werden. So etwas gibt es für einige Fahrzeuge der Kompaktklasse serienmäßig. Den Vogel schießt das Navigationssystem ab, das ordentlich arbeitet, jedoch astronomische 4.000 Euro extra kostet – immerhin mit Bluetooth-Schnittstelle.

Der BMW X6 ist ein Klasse-Auto mit grandiosen fahrdynamischen Fähigkeiten. Der weltweite Markterfolg hat also seine guten Gründe. BMW hat es geschafft, eine größtmögliche Marketing-Distanz zum nahezu identischen X5 herzustellen. Jede Fahrt im X6 xDrive 35d wird zu einem wahren Vergnügen – auch, wenn man das Design des Hecks erst einmal mögen sollte.

Doch bei Gewicht und Aufpreisgestaltung muss sich BMW nicht nur bei einem Luxus-SUV wie dem X6 etwas einfallen lassen. So was lassen sich die Kunden, Premium hin oder her, nicht bis in alle Ewigkeit gefallen. Das gilt übrigens auch für die protzige Modellbezeichnung. BMW X6 3.5d hätte es auch getan. Zusatzbezeichnungen wie xDrive oder sDrive wirken eher lächerlich.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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