Reportage: 24 Stunden Rennen Nürburgring statt Wörthersee


Thomas und Dirk sind ausgemachte VW-Fans. Die beiden jubeln, als der Scirocco GT24 unter Vollgas am Brünnchen vorbeirauscht. Die 24 Stunden am Nürburgring hatten dieses Jahr mehr zu bieten als Viper und Porsche.

Selten hatten sich die Fans auf den unzähligen Campingplätzen rund um die Nordschleife derart auf das 24-Stunden-Rennen gefreut. Die Aussicht auf Sonne, kein Nebel und ein so buntes Starterfeld wie seit langem nicht mehr, sorgten rund um Bergwerk, Wippermann und Caracciola-Karussell für beste Stimmung.

Den eingeschworenen VW-Fans Thomas und Dirk war die Entscheidung dieses Mal besonders schwer gefallen. Denn an sich sollte es zum österreichischen Wörtersee gehen, wo nahezu zeitgleich das traditionelle Treffen aller Golf GTI-Jünger stattfand. "Aber die Entfernung zum Wörthersee ist eben doch gewaltig und so wären wir wohl auch zum 24-Stunden-Rennen gekommen, wenn die Sciroccos nicht gestartet wären", räumt der 25jährige Thomas ein, ein passionierter Golf-GTI-Fahrer, wie er ständig unterstreicht.

Volkswagen drückte dem Rennen in der zumeist regenreichen Eifel bereits im Vorfeld seinen Stempel auf. Noch vor dem Marktstart des neuen VW Scirocco platzierte man werbewirksam drei werksunterstützte blaue Renner im Rennen, die für mächtig Stimmung sorgten.

Das Fahrerfeld bringt Jahr für Jahr kaum echte Überraschungen. Schnell ist am Nürburgring sowieso nur das Team, das ausgemachte Kenner des Rings hinters Lenkrad gebracht hat. Doch während in den vergangenen Jahren abseits von Manthey-Porsche, Dodge Viper und BMW Z4 M-Coupé wenig passierte, brachten sich diesmal Exoten wie ein mattschwarzer Erprobungs-Lexus LF-A, ein knuffiger Fiat 500 und ein Gumpert Apollo Hybrid mit Heinz-Harald Frentzen ins Gespräch. Thomas und Dirk hätten sich am liebsten das Duell Opel gegen VW gewünscht - doch die Rüsselsheimer brachten statt eines echten Siegerteams wie 2003 drei OPC-Astra ohne echte Chancen an den Start. Nicht einer kam ins Ziel.

Favoritensieg

Dass das Mantey-Team nach 2006 und 2007 zum dritten Mal in Folge den Gesamtsieg auf einem Porsche 997 holte, sorgte in erster Linie in der Boxengasse für Begeisterungsstürme. Die Fans feiern an der Rennstrecke sowieso – zumeist bier- und würstchenreich.

Der Favoriten 911er musste mit einen defekten Wasserschlauch bereits nach wenigen hundert Metern zu Reparatur in die Box und raste dem Feld lange mit 16 Minuten Rückstand hinterher, um letztlich doch zu gewinnen. Vor 220.000 Zuschauern lief das Porsche-Trio Bernhard/Lieb/Dumas/Tiemann im Porsche 911 GT3-RSR mit deutlichem Vorsprung vor der Mannschaft Hahne/Haarmann/Krumbach/Kaffer (Porsche 911 GT3-MR) im Ziel ein. Vorher hatte es unter Sonne und zeitweise im strömenden Regen 17 Führungswechsel gegeben.

Mit-Favoriten wie der hoch gehandelte Alzen-Porsche oder die Dodge Viper von Zakspeed schafften des letztlich nicht ins Ziel. Die zweifache 24-Stunden-Siegerin Sabine Schmitz mit ihren Teamkollegen Klaus Abbelen und Dr. Edgar Althoff auf einem Porsche 997 holten überraschend den dritten Platz, weil zahlreiche Topteams, die Nacht nicht überstanden und mit Defekten und Unfällen ausschieden.

Scirocco-Trio

Die beiden Brauschweiger Thomas und Dirk wollen auch nächstes Jahr wiederkommen. Insbesondere deshalb, weil die drei blauen GT 24 Scirocco nicht nur für prächtige Stimmung in den Fankurven am Adenauer Forst oder an der Hohen Acht sorgten, sondern auch erfolgreiche Zieleinläufe feiern konnten. Die beiden 325 PS starken Sport-Coupés von Jimmy Johansson, Florian Gruber, Thomas Mutsch und Hans-Joachim Stuck sowie Carlos Sainz, Giniel de Villiers, Dieter Depping und abermals Hans-Joachim Stuck errangen die Plätze eins und zwei in der stark besetzten Klasse für Fahrzeuge mit Zweiliter-Turbomotoren.

Im Gesamt-Klassement von 219 gestarteten Teams belegten sie die Plätze 11 und 15. "Freut mich für Team und Fans, dass es so gut gepasst hat. Der Renn-Scirocco wurde in nur 75 Tagen entwickelt, aufgebaut und erprobt. Auf Anhieb drei Fahrzeuge ohne ernsthafte Schwierigkeiten auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt über die volle Distanz zu bringen, spricht für die exzellente Leistung der ganzen Mannschaft", lobte VW Motorsport-Direktor Kris Nissen.

Und selbst Heinz-Harald Frentzen konnte seinem Start im Hybrid-Apollo trotz nur weniger Rennrunden etwas Gutes abgewinnen: "Wir sind generell nicht unzufrieden und haben zahlreiche wichtige Messdaten gewonnen." Über die Ziellinie fuhr die weiße Flunder letztlich nur mit elektrischer Energie. Vorher war das Getriebe mehrfach ausgefallen.

Stefan Grundhoff / pressinform PRESSINFORM

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