HOME

Reportage: Stars in Beverly Hills: Power statt Öko

In Kalifornien fahren die Promis nur noch Saubermann-Autos wie den Toyota Prius? Von wegen – Vinnie Mandzak ist weltweit einer der erfolgreichsten Verkäufer von Luxusautos. Und die sind mehr stark als grün.

Die Region zwischen San Diego und San Francisco wird in Europa gerne als der US-Ökostaat Nummer eins verkauft. Doch neben Prius, Hybrid und Energiesparlampen gibt es nirgendwo mehr Nachfrage nach Power-Limousinen der besonderen Art wie hier am Pazifik.

Vinnie Mandzak ist Chefverkäufer bei Mercedes-Benz of Beverly Hills. Er erlebt jeden Tag, nach was die Schönen und Reichen gieren. Toyota Prius oder Lexus LS 460h – wieso nicht. Aber die Nachfrage nach potenten Sportversionen aus dem Hause Mercedes-Benz ist besonders im Norden von Los Angeles größer denn je.

Mandzak ist ein hagerer, grauhaariger Mann um die 50. Wenn Sandra Bullock oder Pierce Brosnan einen neuen Benz suchen, sind sie bei ihm richtig. "Wenn ich dazu kommen, verkaufe ich pro Monat rund 25 bis 30 Autos", sagt Vinnie. "Jedes dritte davon ist ein AMG." Zurückhaltung ist seine Sache nicht - aber der Autoverkäufer ist alles andere als ein Aufschneider. Gerne erzählt er von den Motorradtouren mit Governeur Arnold Schwarzenegger und dass die Ausritte auf der Gold Wing seit Arnies Unfall seltener geworden sind.

AMG feiert im Juni 40. Geburtstag und die ehemalige Sportwagenschmiede aus Affalterbach ist längst eine der Ertragsmaschinen im Hause Mercedes-Benz. Die Nachfrage nach Fahrzeugen mit den unscheinbaren drei Buchstaben ist nicht nur im Sonnenstaat Kalifornien ungebrochen. 18 AMG-Modelle hat Mercedes derzeit im Programm – dabei wird es nicht bleiben.

Vinnie Mandzak kennt seine Promiszene. "Rund 20 Prozent der Kunden reicht ein gewöhnlicher AMG nicht. Die wollen etwas ganz besonderes – etwas absolut einmaliges. Aber am besten, ohne groß aufzufallen."

Mustang-Fahrer blamiert sich bei Show-Einlage

Mandzak macht's möglich. Er schickt die Kunden - wenn es sein muss - ins schwäbische Affalterbach zur Lederabstimmung. "Geld interessiert hier wirklich niemanden", weiß er. Sein einziges Problem: Es gibt nicht genug Autos.

"Die Kunden warten hier händeringend auf Mercedes CL 63 AMG und S 63 AMG. Wir könnten viel mehr davon verkaufen", klagt Mandzak. Die Nachfrage nach noch stärkeren S 65 AMG und CL 65 AMG ist übrigens nicht so groß. Hier würden die Kunden denn doch auf das Thema Umwelt und ihr Image in der Öffentlichkeit achten. Wer hätte gedacht, dass sich 500- und 600-PS-Liga derart unterscheiden?

Seit dem Produktionsstart im Jahre 1967 wurden mehr als 150.000 AMG-Versionen verkauft. Zunächst beschäftigten sich die beiden AMG-Firmengründer Hans Werner Aufrecht und Erhard Mehler ausschließlich mit dem Aufbau von Rennwagen für Tourenwagenrennen auf Basis der alten Mercedes S-Klasse. 1971 kam der unerwartete Durchbruch: Beim 24-Stunden-Rennen im belgischen Spa belegte ein knallroter Mercedes-Benz 300 SEL 6.8 AMG überraschend den zweiten Platz im Gesamtklassement und errang den Klassensieg - die legendäre "rote Sau".

Der Wagen wird derzeit bei Mercedes-Benz of Beverly Hills ausgestellt. Am Lenkrad der 315 kW/428 PS starken Rennlimousine wechselten sich damals Hans Heyer und Clemens Schickentanz ab. Dem historischen Sieg folgten unzählige Erfolge auf den unterschiedlichsten Bühnen den Motorsports: So konnte AMG in der DTM fünfmal die Teamwertung für sich entscheiden. Allein Bernd Schneider, Gary Paffett und Klaus Ludwig holten insgesamt acht DTM-Titel auf AMG-Fahrzeugen. Doch die Kunden setzen zumindest in Kalifornien weniger auf die Historie als viel mehr auf die deutsche Handarbeit. Vinnie Mandzak: "Den Kunden ist wichtig, dass ihr Auto in echter Handarbeit entstanden ist."

Mercedes-Benz of Beverly Hills ist einer der drei erfolgreichsten Mercedes- und AMG-Händler weltweit. Pro Monat gehen mehr als 250 Kaufverträge über den Tisch. Allein in Kalifornien werden jedes Jahr mehr als doppelt so viele AMG-Modelle verkauft wie in Deutschland.

Die Kunden bestellen in erster Linie Sportversionen der SL-, S- und CL-Klasse – zumeist in silber oder schwarz. "Das macht einen Anteil von 70 bis 80 Prozent aus", sagt Mario Spitzner aus der AMG-Marketingabteilung in Affalterbach. Er kennt Vinnie und dessen exklusive Klientel seit vielen Jahren. Da wird gerne mal etwas fast Unmögliches doch noch möglich gemacht. Wie jüngst ein S 63 AMG für Sandra Bullock.

Und Mandzak hat schon ein neues Objekt für die Begierde seiner Promi-Kunden ausgemacht: "Viele sind ganz heiß auf den neuen Smart", sagt er. "Der kostet hier doch gerade mal so viel wie eine ortsübliche Armbanduhr."

Anfang kommenden Jahres kommt das für die USA so untypische Kleinwagenmodell auch nach Kalifornien. Die Kunden in Beverly Hills hoffen bereits auf eine exklusive AMG-Version, Denn ein schnöder Smart allein hätte zumindest in Beverly Hills nur wenig Chancen.

Pressinform / PRESSINFORM

Wissenscommunity