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Seat Ibiza: Der deutscheste Spanier

"Qualität, Präzision, Optimierung" lauten die Kardinaltugenden von Seatchef Erich Schmitt, die er seinen Schichtführern jeden Morgen bei der Inspektion einbläut und mit denen er die spanische VW-Tochter wieder auf Kurs bringen will.

Von Frank Wald

Und es scheint zu fruchten. Im vergangenen Jahr konnte der deutsche Statthalter erstmals wieder schwarze Zahlen in die Wolfsburger Konzernzentrale melden. Und auch das Qualitätsmanagement macht sich bemerkbar. 2007 fanden die Gelben Engel des ADAC im Schnitt nur noch vier Fahrzeuge der spanischen Marke am Straßenrand liegen statt der 37, die es noch vor zehn Jahren waren. Bis 2018 will er damit den Absatz von derzeit knapp 431.000 auf rund 800.000 Fahrzeuge als auch die Produkpalette von aktuell acht auf sechzehn Modelle verdoppeln. "Wir stehen am Anfang einer neuen Ära", orakelt Schmitt, der als Ziel nichts weniger als "die Qualitätsführerschaft im Segment" anpeilt.

Den Anfang macht der neue Ibiza, der ab 14. Juni zunächst als Fünftürer, im Spätsommer auch als dreitürige Sportcoupé-Version, zum Händler rollt. Seats Volumen-Bestseller darf als erstes Konzernmodell schon die neue technische Plattform nutzen, auf der später auch der neue VW Polo aufbauen wird. Das bedeutet: die vierte Ibiza-Generation ist knapp zehn Zentimeter länger, aber 50 Kilo leichter. Auch Radstand und Spurbreite profitierten von dem Wachstum, was dem Ibiza gegenüber seinem Vorgänger sowohl einen respektableren Auftritt und Fahrverhalten als auch mehr Innenraumkomfort verleiht. Zumindest für die Frontpassagiere, im Fond sitzt es sich nach wie vor eng. Dafür wuchs der Kofferaum um 25 auf 295 Liter, der noch einmal durch Umlegen der Rückenlehne auf maximal 847 Liter vergrößert werden kann.

Spannung und Sportlichkeit

Das neue Seat-Selbstvertrauen spiegelt sich aber auch deutlich im Design wieder. Der Ex-Lamborghini-Designchef Luc Donckerwolke entwarf für den Ibiza eine komplett neue Karosserie, die mit einem Wechselspiel aus Linien und Kanten sowie konkaven und konvexen Flächen sehr viel Spannung und Sportlichkeit ausstrahlt - auch wenn die Heckansicht dem Hyundai i30 respektive dem Kia Ceed verdächtig nahe kommt. Cockpit und Interieur wirken mit runden Instrumenten und Luftdüsen, Elementen in Metallic-Look und hochwertigeren Materialauswahl ebenfalls eigenständiger und moderner als die tristen Plastikwüsten des Vorgängers.

Zwar spendierte die Wolfsburger Mutter ihrer spanischen Tochter die neue Polo-Plattform, bei den Motoren muss sie aber auf Althergebrachtes zurück greifen. Das gilt sowohl für die laut nagelnden Diesel mit Pumpe-Düse-Technik, die VW inzwischen durch laufruhigere Commonrail-Aggregate ersetzt, als auch für die mehrfach ausgezeichneten TSI-Benziner, die aus kleinen Hubräumen maximale Leistungen bei minimalem Verbrauch pressen. Immerhin munkeln die Spanier, dass sie, sobald Kapazitäten vorhanden, die neuen Diesel schon bekommen werden.

Frühbucherrabatt

Bis dahin wird sich der Ibiza-Fahrer also mit dem rauen 1,9-Liter-TDI mit 109 PS anfreunden müssen, dem Spätsommer eine zweite Variante mit 90 PS sowie ein 1,4-Liter mit 80 PS folgen soll. Immerhin kommt der Selbstzünder ab Werk mit Partikelfilter, bringt ordentlich Druck auf die Straße und weiß seinen Spritkonsum im Schnitt auf 4,5 Liter (oder 119 g CO2/km) zu begrenzen. Im Standardsprint von null auf hundert (10,6) wie auch beim Spitzentempo (186 km/h) ist er dagegen kaum langsamer als der gleich starke Top-Benziner 1.6 16V, der von Seat mit 6,6 Liter (157 g CO2/km) im EU-Schnitt angegeben wird. In Deutschland meistverkaufte Version soll jedoch nach Seats Prognosen der mittlere Benziner mit 1,4 Liter Hubraum und 85 PS werden. Der flotte und laufruhige Motor reagiert spontan und willig auf Gasbefehle und scheint im Verbund mit dem exakt schaltenden 5-Gang-Getriebe und der ansprechenden Lenkung tatsächlich eine gute Kombination für den spanischen Polo-Ableger zu sein.

Basismotorisierung des neuen Ibiza ist allerdings ein 1,2-Liter mit 70 PS, der in der Grundversion zu einem Einstiegspreis von 12.490 Euro angeboten wird, und durch einen so genannten "Frühbucherrabatt" noch einmal 300 Euro günstiger wird. Der ist dann schon ganz ordentlich ausgestattet, so etwa mit dem brandneuen, um eine Reifendruckkontrolle und Bergan-und abfahrhilfe erweitertem Anti-Schleuderprogramm ESP. Elektrische Fensterheber vorn, höhenverstellbarem Fahrersitz und Lenkrad, fernbedienbare Zentralverriegelung sowie ein MP3-Radio mit Lenkradbedienung gehören ebenfalls zur Grundausrüstung "Reference".

Alles gegen Aufpreis

Die beiden höheren Linien "Stylance" und "Sport" bieten dann Zusatz-Features wie Klimaautomatik, Alu-Räder, Nebelleuchten Abbiegelichtfunktion oder Sportfahrwerk. Erstmals kann ein Ibiza auch mit Xenonscheinwerfer und Kurvenlicht oder Panorama-Glas-Hubdach bestellt werden. Alles gegen Aufpreis natürlich. So wie auch eine USB-Schnittstelle für iPod und andere MP3-Player mit integrierter Cockpitanzeige oder die Bluetooth-Telefonanbindung mit Freisprechfunktion. Ebenfalls auf der Optionsliste: statt eines bordeigenes Navi-System bietet Seat ein auf dem Armaturenträger integrierten Adapter für tragbare Navigationssysteme (wie beispielsweise zur Markteinführung das TomTom One V3), die so ohne Stromkabel oder Saugnäpfe betrieben respektive auch schnell wieder gewechselt werden können.

Die dreitürige Sportcoupé-Version Ibiza SC soll im September ab 11.490 Euro folgen. Außerdem plant Seat auf Basis der Bluemotion-Technologie von VW eine Ecomotive-Variante, die nur 99 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen soll, sowie auf der anderen Seite der Leistungsrange eine Cupra-Version, die ihre Kraft via Siebengang-DSG auf die Straße bringt.

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