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Freightliner autonom fahrender Truck: Der erste Truck ohne Trucker

Noch benötigt der Freightliner einen Fahrer zum Eingreifen, doch über die Autobahn rauscht er schon autonom. Schlechte Berufsaussichten für Trucker. Der erste Test des revolutionären Konzepts.

Truck mit futuristischer Optik.

Truck mit futuristischer Optik.

Große Party für Daimlers Robot-Truck. Anlässlich des Auftaktes der Testphase des ersten autonom fahrenden Trucks mietete Daimlers amerikanische Lastwagen-Tochter Freightliner den gigantischen Hoover Dam und inszenierte eine Lichter-Show, die den Organisatoren sogar einen Eintrag in das Guiness-Buch der Rekorde einbrachte. Garniert wurde das Ganze mit reichlich Pathos - die amerikanische Flagge wurde so oft es ging auf den mächtigen Beton-Wall projiziert und Nutzfahrzeuge-Vorstand Wolfgang Bernhard sprach inhaltsschwere Worte. "This is a short drive for man but a long haul for mankind" (Das ist eine kurze Fahrt, aber ein langer Transport für die Menschheit), wandelte der geschmeidige Allgäuer Neil Armstrongs legendäres Mondlandungs-Zitat um, als der futuristisch anmutende Lkw auf dem Damm seine Einführungsrunde drehte.

Freightliner autonom fahrender Truck: Führerlos - der Truck von morgen
Das autonome Fahren soll in zehn Jahren auf dem Highway möglich sein

Das autonome Fahren soll in zehn Jahren auf dem Highway möglich sein

Daimler spulte die ganz große Pathosnummer ab. Immerhin ist der Freightliner Inspiration Truck der erste autonom fahrende Lkw, der ab jetzt auf öffentlichen amerikanischen Straßen getestet wird. Die Basis für die beiden Protottypen ist der Freightliner Cascadia, ein rund 26 Meter langer und über 30 Tonnen schwerer Lkw. Wenn so eine Maschine ungebremst in ein Stauende rast, sind verheerende Folgen unvermeidlich.

Deswegen muss das autonome Fahren zuverlässig sein. Die Technik entspricht weitgehend der, die man bei europäischen Fahrversuchen mit selbstständig agierenden Automobilen kennt: Zentrales Element sind zwei Radarsensoren, die die Fahrbahn vor dem Truck ständig überwachen. Einer der beiden Sensoren kann 250 Meter weit blicken, während der andere 70 Meter weit nach vorne schaut, aber einen deutlich breiteren Blickwinkel hat. Ergänzt wird das Duo durch eine Stereo-Kamera und verschiedene andere Sensoren elektrische Helferlein, die ebenfalls in Pkws verbaut sind.

Schicker als in der S-Klasse geht es in dem Concept-Truck zu.

Schicker als in der S-Klasse geht es in dem Concept-Truck zu.

Luxus-Lounge für den beschäftigungslosen Trucker

Soviel zur Theorie. Der mächtige Inspiration-Truck macht schon beim Einsteigen Spaß. Feines weißes Leder, wohin das Auge blickt. Gemütliche Sitze und eine Lounge hinter dem Fahrer, die auch in jedem mondänen Beach Club zur Ehre gereichen würde. Der Boden besteht nicht aus billigen Filz, sondern wie bei einer Luxusyacht aus Holzplanken. Die Türgriffe sind aus Aluminium und ein großes Tablet dient als Haupt-Bedienelement - ein Hauch von Tesla wabert durch die Fahrerkabine. In den A-Säulen befinden sich Monitore, die den Bereich seitlich und hinter dem mächtigen Truck überwachen. Die Bilder kommen von kleinen Kameras, die unter anderem in den Außenspiegeln platziert sind. Die sind dadurch kleiner als die gebräuchliche Variante und das soll rund ein Prozent Sprit sparen.

Mustang-Fahrer blamiert sich bei Show-Einlage

Autonom nur auf dem Highway

Mit großem Schnauben setzt sich der Cascadia in Bewegung; angetrieben von einem mächtigen Sechszylinder-Diesel mit 14.8 Liter Hubraum und 505 PS. Noch hat der Fahrer das Kommando. "Das autonome Fahren ist nur für den Highway gedacht", erklärt Entwicklungs-Ingenieur Christian Urban. Sobald das silberne Gefährt auf die vierspurige öffentliche Straße einbiegt, meldet der Autopilot Bereitschaft. Mit einem Knopfdruck ist der Kommandowechsel vollzogen. Jetzt hängt das Wohl und Wehe von allen Insassen an dem Können der Soft- und Hardware. Die absolviert ihren Job mit der Routine eines Truckers, der schon etliche zehntausend Meilen auf dem Buckel hat: Mit geschmeidigen Lenkbewegungen folgt der Truck jeder kleinen Kurve. Auch überholende und einscherende Autos bringen die Elektronik nicht aus der Ruhe.

Zur Not muss der Fahrer ran

Sobald die Fahrbahnmarkierungen nicht mehr ausreichen und nicht mehr genug Daten gesammelt werden, fordert der Highway Pilot den Fahrer auf, das Steuer wieder in die Hand zu nehmen und initialisiert einen Countdown. Erfolgt bei der Fünf-Sekunden-Marke noch keine Reaktion des Lenkers, wird das Herunterzählen durch ein Piepen unterstützt. Wenn der Fahrer dann immer noch nicht eingreift, würde das System die Geschwindigkeit reduzieren. "Sobald die Fahrbahn-Markierungen wieder da sind und genug Daten vorhanden sind, übernimmt die Technik selbstständig wieder die Führung", erklärt Christian Urban. Eines kann der Freightliner-Autopilot aber noch nicht: Überholen. Dafür muss der Fahrer das Steuer selbst in die Hand nehmen.

Riesenparty am symbolträchtigen Hoover-Damm.

Riesenparty am symbolträchtigen Hoover-Damm.

Spätestens 2025 im Markt

"Wir verwenden bei diesem Prototypen eine seriennahe Sensorik", erklärt Sven Ennerst, Leiter weltweite Entwicklung Daimler Trucks. Bis spätestens 2025 soll das autonome Fahren auf Autobahnen möglich sein. Das bedeutet aber nicht, dass die Trucker bis dahin zur Gänze auf diese Technik verzichten müssen. Die einzelnen Elemente sollen nach und nach in die Serie eingeführt werden - schon bald wird der Stau-Assistent, wie bei der Mercedes-S-Klasse, den Fahrer entlasten. Für Sven Ennerst ist das eigenständige Agieren auf dem Highway, das oberste Ziel, da die Lkws die Güter hauptsächlich auf den langen Strecken zwischen New York und Los Angeles transportieren. Wenn dieses Verkehrsszenario problemlos bewältigt wird, bringt das neben dem Sicherheitsaspekt nicht zuletzt auch wirtschaftliche Vorteile. Da die Trucks rund um die Uhr im Einsatz sind, können die Fahrzeuge so besser genutzt werden und auch der Spritverbrauch geht mit Hilfe des Autopiloten zurück. Die Zukunft hat längst begonnen - auch bei den Lastwagen.

Das merken auch die Fans. Der erste Kommentar auf der Daimler-Site "Roadstar" lautet dann auch: "Schade, schade das ist wohl der Anfang vom Ende unseres Berufes. Schöne neue Welt......"

Demo-Video der Technik Freightliner

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