Volvo V70 und XC70 Maßanzug für Wikinger


Schöne Kombis müssen nicht unbedingt Avant heißen. Auch der neue Volvo V70 möchte mehr sein als nur ein Transporter für Billy-Regale. Dafür haben die Entwickler ziemlichen Aufwand betrieben.
Von Michael Specht

Wohl kein Autohersteller hat so viel Erfahrung mit Kombis wie Volvo. Schon vor 54 Jahren erkannte die schwedische Firma die Vorzüge des Kastenaufbaus mit den praktischen Hecktüren. Hinter der Sofa-Rücksitzbank des PV 445 "Duett" lag ein Holz beplankter Laderaum, schluckfreudig genug, um sämtliches Familien-Campinggepäck für den Wochenendausflug aufzunehmen.

Ein halbes Jahrhundert lang verfeinerte und kultivierte Volvo über diverse Modellreihen den Kombi. So intensiv, dass mittlerweile die Marke zum Synonym für diese klassischen Fahrzeuggattung wurde. Bestes Beispiel ist der V70. Seit 2000 wurde er weltweit über 800.000 Mal verkauft. Durch sein recht kantiges Design – es soll Solidität, Geräumigkeit und Sicherheit ausstrahlen – sowie die riesigen bis in Dach gezogene Rückleuchten, hob sich der V70 stets von seinen mehr auf Lifestyle getrimmten Konkurrenten wie beispielsweise der Audi A6 oder der BMW 5er Touring ab. Die Kunden wollen den V70 auch nicht anders, verzichten gerne auf ein schräges, coupéartiges Heck, das ohnehin nur Ladevolumen kosten würde.

Gepäckraum: riesig und eben wie ein Tisch

Ende September nun rollt die nächste Generation des V70 zu den Händlern, im Aussehen ein wenig geglättet, insgesamt moderner und gefälliger, doch weiterhin unverkennbar ein typischer Volvo. Im Vergleich zum Vorgänger wuchsen Radstand (+6 cm) und Gesamtlänge (+11 cm), so dass der V70 jetzt mit 4,82 Meter der deutschen Premium-Konkurrenz dicht auf die Pelle rückt (Audi 6 Avant: 4,93 Meter, Fünfer-Touring: 4,84 Meter und Mercedes E-Klasse: 4,88 Meter). Natürlich profitieren davon Innen- und Gepäckraum. Die Fondpassagiere haben jetzt knapp fünf Zentimeter mehr Platz für die Beine. Das Volumen fürs Gepäck stieg von 485 auf 575 Liter. Sobald die neue, dreigeteilte Rücksitzlehne flach gelegt ist, wächst der Laderaum sogar auf 1600 Liter. Und keine Stufe stört, der gesamte Ladeboden ist eben wie ein Küchentisch. Im Unterschied zum Vorgänger müssen dazu nicht einmal mehr die Sitzkissen hochgestellt werden, was den Gepäckraum um 20 Zentimeter verlängert. Wenn nötig, kann man sogar ausgestreckt schlafen im V70.

Nützliche Details kosten Aufpreis

Zusätzlich ließen sich die Entwickler noch eine Reihe patenter Ideen wie Tragetaschenbefestigungen an den hinteren Seitenwänden oder ein stabiles, aber klappbares Trenngitter (für Hundebesitzer) einfallen, um den Nutzen ihres Kombis weiter zu verbessern. Sie kosten allerdings Aufpreis. Selbst eine 12V-Steckdose muss mit 50 Euro extra bezahlt werden. So etwas ist kleinlich. Serienmäßig kommt der V70 nur mit "Cargofix", das unter anderem zwei Schienen im Boden, variablen Haken und einen versperrbaren Laderaumboden beinhaltet. Eine pfiffige Lösung: Auch bei Gewalteinbruch ist es unmöglich, an das darunter liegende 60-Liter-Fach zu gelangen, weil der Deckel durch die verschlossene Heckklappe blockiert wird.

Im Cockpit geht Volvo keine modischen Experimente ein, es bleibt sachlich, funktional und nordisch kühl, geprägt von gedeckten Farben und klar gezeichneten Rundinstrumenten. "Ein überdekorierter Innenraum ist nicht unser Stil und auch nicht der unserer Kunden," sagt die zuständige Designerin Boel Hermansson. Vom S40/V50 wurde in ähnlicher Bauart die optisch frei schwebende, dünne Mittelkonsole übernommen. Alle verbauten Materialen wirken insgesamt hochwertig, die Verarbeitungsqualität ist ordentlich, die Sitzposition in Verbindung mit dem in zwei Richtungen verstellbaren Lenkrad einwandfrei.

Erstmals mit Sechszylinder

An Motoren stehen dem Kunden ab Start fünf verschiedene Aggregate zur Auswahl. Erstmalig steckt auch im Kombi der quer eingebauter Sechszylinder (Reihenmotor!) aus dem S80. Der 3,2-Liter (ab 41 650 Euro) leistet 238 PS und 320 Nm. Erste Fahrtests zeigten, dass dieser Motor exzellent zum V70 passt, souverän und geschmeidig seine Leistung entfaltet und in Verbindung mit der serienmäßigen Sechsgangautomatik einen harmonischen Eindruck hinterlässt. Den durchschnittlichen Verbrauch gibt Volvo mit 10,3 Liter pro 100 Kilometer an. Wem diese Leistung nicht reicht, muss zur Topversion mit Turboaufladung und dann obligatorischen Allradantrieb greifen, dem V70 T6 AWD (ab 49 410 Euro). Er mobilisiert 285 PS, 400 Nm und drückt den starken Schweden auf 245 km/h. 210 km/h schafft immerhin die Basis, ein Fünfzylinder-Turbo mit 200 PS für 37 550 Euro. Neben dem serienmäßigen Sechsganggetriebe steht optional für ihn eine Sechsgangautomatik zur Verfügung. Ende des Jahres soll eine noch kleinere 1,8-Liter-Variante sowie eine Zweiliter-Flex-Fuel-Version nachgereicht werden, die mit bis zu 85 Prozent Bio-Ethanol (E85) gefahren werden kann. Die Schweden wollen bei der Alkoholherstellung künftig ein kräftiges Wort mitreden und nach und nach ihre Abhängigkeit vom Rohöl runterfahren.

Beim Diesel setzt Volvo auf seinen bewährten Fünfzylinder mit 163 und 185 PS, jeweils mit wartungsfreiem Rußpartikelfilter. Muss man bei Konkurrenzmodellen mittlerweile zweimal hinhören, was da vorne unter der Haube arbeitet, so macht der 2,4-Liter-Common-Rail-Motor im V70 noch immer recht deutlich auf sich aufmerksam, besonders beim Beschleunigen in der Stadt. Auf der Autobahn gibt sich der Diesel deutlich leiser. Löblich dagegen der Verbrauch: versprochen werden nur 6,5 Liter. Die Preise starten bei 37 670 Euro.

Für Ausflüge ins Gelände ist der XC70 gerüstet, mit Allradantrieb, erhöhter Bodenfreiheit (21 cm) und als erster Volvo mit einer Bergabfahrhilfe, bei der die Elektronik die Bremseingriffe übernimmt. Der Fahrer braucht nur noch zu lenken. Erkennbar ist der XC70, der preislich ab 42 840 Euro zu haben ist, am "Outdoor-Look" mit breiteren Stoßfängern, markanten Radhäusern und Schutzplatten vorn und hinten.


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