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Weltspiegel: Automarkt Kalifornien: Silberstreif im Jammertal

Kalifornien ist der automobile Schrittmacher für ganz Nordamerika. Trotzdem wurde der Sonnenstaat von der Absatzkrise voll erwischt. Aus Anlass der L.A. Motor Show: Wie tickt Amerikas wichtigster Automarkt?

Die Straßen von San Francisco oder Los Angeles entscheiden über das Wohl und Wehe von BMW, Mercedes und Co. "Wer als deutscher Autobauer in den USA erfolgreich sein will, kommt nicht an Kalifornien vorbei. Dort werden Trends gemacht und Trendy-Autos gefahren", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen und Leiter des Forschungszentrums Center Automotive Research (CAR): "Mit 1,88 Millionen Autoverkäufen im Jahr 2007 hatte der Automarkt in Kalifornien etwa 60% des Volumens des deutschen Markts."

2007 ging mehr als jeder fünfte in den USA verkaufte Porsche 911 nach Kalifornien, zeigt die CAR-Statistik. Auch 20% der Mercedes S-Klassen, 27% der E-Klassen, 22% der BMW 5er und fast 24% der BMW 3er wurden dort verkauft. "Der US-Absatzanteil für Kalifornien hat in den vergangenen Jahren stets zwischen 15 und 25% betragen", bestätigt BMW-Sprecherin Stephanie Schlageter die wichtige Rolle des Bundesstaates. Der Mercedes-Veredler AMG verkauft in Kalifornien gar soviel Autos wie in Deutschland: "Der Golden State ist der Booster für die Entwicklung von AMG", sagt Firmenchef Volker Mornhinweg.

Doch auch Kalifornien sei von der Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen worden, sagt Automobilmarktforscher Dudenhöffer - und zwar noch stärker als der Rest des Landes.

Wie ernst die Lage ist, verrät die California Auto Outlook-Statistik, die von der kalifornischen Neuwagenhändler-Vereinigung CNCDA veröffentlicht wird. In den ersten drei Quartalen 2008 registrierte Auto Outlook einen Rückgang bei den Neuzulassungen der "Light Vehicles" zwischen 18 und 19% - stärker noch als der Rückgang des gesamten US-Marktes (12,7%). Für 2008 prognostiziert Auto Outlook rund 1,5 Millionen Neuzulassungen in Kalifornien. 2006 waren es noch mehr als 2 Millionen.

Arges Schrumpfen

Zu den Light Vehicles zählen PKW, SUV, Vans und PickUp. Bei der Autoflotte Kaliforniens zeichnet sich eine Verschiebung ab: Das PKW-Segment wuchs 2008 im Vergleich zu 2007 von 54% auf 60%, das SUV-Segment ging um zwei Prozentpunkte auf rund 23% zurück. Am ärgsten traf es PickUp und Vans. Ihr Anteil am Markt schrumpfte von 20% auf rund 16%. Darunter leiden auch die japanischen Fabrikate. Sie bieten auf dem US-Markt Geländewagen und PickUp an, die man in Europa überhaupt nicht kennt – den Toyota Tundra zum Beispiel.

Die amerikanischen Autobauer können vom kalifornischen Wandel kaum profitieren. Die Top 5 der Zulassungsstatistiken bei den Kleinwagen (in den USA heißen sie Entry und Sub-Compact) sind fest in japanischer Hand – Toyota Corolla, Mazda3 oder Honda Civic heißen die Verkaufsschlager. Bei der Mittelklasse liegen Chevrolet Malibu oder Ford Fusion weit abgeschlagen hinter Toyota Camry, Honda Accord oder Nissan Altima.

Kunden beklagen, dass sich die schlingernden US-Autoriesen mehr um Verkaufsförderung und Marketing kümmerten als um Verbesserungen bei Qualität und Service. Als Folge nimmt die Markentreue ab.

Toyota ist mit 22% Marktanteil (7,4% mehr als im gesamten Land) die Nummer Eins bei den Light Vehicles in Kalifornien. Doch bei den Japanern, die 2007 in den USA mehr als 2,2 Millionen Autos verkauften (darunter 181.221 Prius), macht sich keineswegs Schadenfreude breit. "Toyota ist nicht immun gegen die Krise - wir stehen vor den gleichen Herausforderungen wie der Rest der Industrie", sagt Firmensprecherin Sona Iliffe-Moon. Fest im Sattel sitzt der Toyota Prius. Fast jeder vierte US-Prius wurde 2007 in Kalifornien verkauft, obwohl der Staat nur 10% Anteil am gesamten Automarkt des Landes hat.

Verhaltener Optimismus

Iliffe-Moon sieht für die Zukunft einen "Silberstreif am Horizont". Der Markt "wird sich nur langsam erholen. Doch das Vertrauen der Konsumenten wird unweigerlich zurückkehren, und attraktive neue Produkte werden den Markt stimulieren", glaubt sie.

Große Hoffnungen setzt Toyota in den neuen Venza, der mit einem sparsamen Vierzylindermotor ausgerüstet ist, und natürlich auf Hybridmodelle. Toyota bietet sechs Hybride in den USA an, bis 2020 soll die ganze Modellpalette mit Hybridoption lieferbar sein.

Die Leute würden den Autokauf nur aufschieben, hofft auch die kalifornische Händlervereinigung CNCDA und rechnet spätestens für 2010 mit einer deutlichen Belebung des Marktes. Selbst die Spritpreise, die sich nach einem momentanen Tief wieder aufwärts bewegen dürften, könnten als Kaufanreiz dienen – für neue Modelle mit sparsameren Benzinmotoren oder alternativen Antrieben.

PickUp und Geländewagen werden auch in Zukunft fester Bestandteil des kalifornischen Straßenbilds sein - doch ein Trend zu kleineren und sparsameren Autos ist unübersehbar. Die BMW Group verkaufte im vergangen Jahr 42.045 Minis in den USA, im laufenden Jahr waren es bis Oktober schon mehr als 45.000 Stück. Kleinstwagen allerdings bleiben vorerst selbst in Kalifornien Exoten: Gerade mal 2498 neu zugelassene Smart zählte die CNCDA von Januar bis September 2008.

Sebastian Viehmann / pressinform / PRESSINFORM

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.