Hybrid Kampf um den Antrieb der Zukunft


In den USA kommt niemand am Hybridantrieb für Autos vorbei. Dennoch wollen die deutschen Autobauer von Hybrid wenig wissen - sie setzen auf den Diesel als Zukunftskonzept für den US-Markt.

In den USA kommt man am Hybridantrieb für Autos nicht mehr vorbei. Der Marktanteil der Wagen mit einem elektrischen Zusatzmotor beträgt inzwischen 0,4 Prozent. Das klingt wenig, macht auf dem größten Markt der Welt mit rund 17 Millionen Neuwagen pro Jahr aber immerhin 68.000 Stück aus. Doch trotz des Wachstums wollen die deutschen Autobauer von Hybrid wenig wissen - sie setzen auf den Diesel als Zukunftskonzept für den US-Markt.

"Die USA entwickeln sich zum Kampffeld zwischen Diesel und Hybrid", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Dabei gehe es nicht nur um die Antriebsarten: "Dies ist auch ein Kampffeld zwischen den Europäern und Toyota." Zum ersten Mal sind die Japaner bei einer neuen Autotechnik führend. Hinter vorgehaltener Hand wird in der Branche allerdings geflüstert, Toyota sei wegen des Rückstands bei der Dieselentwicklung nichts anderes übrig geblieben.

Die großen US-Hersteller und Honda ziehen mit Hybridantrieben mittlerweile nach. Ford hat den Geländewagen Escape als Hybrid umgerüstet und will 20.000 Stück im laufenden Jahr verkaufen. Das Auto wurde auf der Detroit Auto Show jetzt zum Truck des Jahres gewählt. Auch General Motors und Chrysler arbeiten an Hybrid-Konzepten. GM stellte einen Opel Asta als Studie mit Hybrid vor.

Ganz vorne ist weiter der Toyota-Konzern, der mit dem kleinen Prius den Trend zu sparsamen Hybridautos erst ausgelöst hat. Gerade in den USA, dem Land der Pickups und Geländewagen, kommt das Auto mit einem 1,5-Liter Benziner mit zusätzlichem Elektromotor gut an. Der Spartrick dieser Technik: Wenn das Auto gebremst wird, wandelt ein Generator die Bremsenergie in Strom um und lädt die Batterie. Beim Beschleunigen holt ein Elektromotor den Saft aus dem Speicher zurück und bringt den Wagen in Schwung. So kommt der Prius auf ordentliche Fahrleistungen mit einem Verbrauch, der laut Toyota bei der Hälfte eines vergleichbaren Autos liegt. Der Abgasausstoß fällt demnach sogar bis zu 90 Prozent.

Der Grundpreis mit vielen Extras liegt bei rund 21.000 Dollar (rund 17.000 Euro). 2004 hat Toyota in den USA 54.000 Prius verkauft, 2005 sollen es doppelt so viele werden.

Stiefkind Diesel

Die deutschen Hersteller wollen von der Entwicklung bisher aber nichts wissen: "Der lohnt sich nur, wenn sie immer zum Zigarettenholen fahren", meint Bernd Pischetsrieder, Chef des Volkswagenkonzerns. Denn bei Überlandfahrten ist der Hybrid den klassischen Antrieben unterlegen. Die Batterie ist dann schnell leer, und das Hybridauto muss 100 bis 200 Kilo nutzloses Zusatzgewicht an Batterie und Elektroanlagen mitschleppen. Außerdem müsse die Batterie am Endes des Autolebens teuer entsorgt werden, meint Pischetsrieder.

Die Deutschen halten in den USA mit dem Diesel gegen die Hybriden. "Die Anti-Diesel-Front in den USA beginnt zu bröckeln", stellte etwa der Präsident des deutschen Branchenverbandes VDA, Bernd Gottschalk, fest. Bisher bieten allerdings nur VW und Mercedes Diesel in Personenwagen an. Mercedes setzte nach eigenen Angaben rund 4.000 E320 CDI ab, VW hat einen Dieselanteil von 10 Prozent in den USA.

Der Diesel ist ein Stiefkind im US-Automarkt. Nur Lastwagen und große Pickups wie der Ford F-250 fahren dort mit dem Treibstoff. Die Motoren sind ähnlich wie in Europa von 30 Jahren als rußende Stinker verrufen. In den USA ist die Dieselqualität nämlich noch deutlich schlechter als in Europa. Erst 2006 wollen auch die USA den schwefelarmen Diesel einführen.

Auf diesen Termin spekulieren VW und Mercedes. Mit dem sauberen Sprit nämlich kann der Diesel seine Vorteile voll ausspielen: viel Kraft, wenig Verbrauch. Pischetsrieder ist völlig sicher, dass der Diesel sich durchsetzt, der Selbstzünder sei dem Hybrid einfach technisch überlegen, meint er.

Claus-Peter Tiemann/AP


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