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Fahrbericht: Peugeot Expert: Expert(en) fürs Grobe

Peugeot und Citroën haben ihre Transporter auf eine neue Basis gestellt: Die Fahreigenschaften von Expert und Jumpy rücken so noch weiter an die eines Pkw.

Peugeot Expert

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Man sieht es nicht - aber man merkt es schon auf den ersten Kilometern: Die neuen Kastenwagen der beiden französischen PSA-Marken Peugeot und Citroën bauen auf der gleichen Plattform, wie die aktuelle Mittelklasse-Limousine Peugeot 408 und der geräumige Familien-Van Citroën C4 Picasso. Nichts vom kernig ruppigen Gedröhne, mit dem manch altgediente Handwerker-Schaukel über schlechte Straßen poltert. Eher ein sanftes Gleiten wie in einem gut gefederten Pkw. Und je schwerer die Ladung hinter der Wand zum Fahrerhaus ausfällt, desto besser austariert erscheint das Fahrwerk.

Expert(en) fürs Grobe
Peugeot Expert

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In drei statt bisher zwei Fahrzeuglängen gibt es Expert und Jumpy künftig: Die 4,60 Meter lange Kompaktversion ist zehn Zentimeter kürzer als beispielsweise ein Opel Astra Sports Tourer und wuselt besonders behände durch Innenstädte. Mit der 5,30 Meter-Version schließlich liefert das Duo extra viel Laderaum: Drei Euro-Paletten passen dann in den bis zu 6,6 m³ schluckenden Kasten hinein, die Nutzlast liegt durchweg bei bis zu 1,4 Tonnen und Gegenstände bis zu vier Meter Länge lassen sich dank einer raffinierten Klappkonstruktion des Beifahrersitzes und der Trennwand durchschieben. Mit seiner Höhe von 1,90 Metern passen die Lieferwagen durch praktisch alle Tor- und Parkhauseinfahrten.

Außen unterscheiden sich Expert und Jumpy vor allem in der Front. Während der Peugeot eher etwas amerikanisch hemdsärmelig mit einem leichten Dodge-Touch daher kommt, wirkt der Citroën eleganter und feinfühliger. Innen im Führerhaus muss man dagegen nach den Unterschieden suchen. Die Kombiinstrumente vor dem Fahrer sind im Peugeot rund, im Citroën fanden die Designer Fünfecke mit ungleich langen Seiten und abgerundeten Ecken schöner. Ansonsten sind selbst die Abmessungen der Ablagen praktisch identisch. Was fehlt, sind Halterungen für große Getränkeflaschen. Außerdem gibt es nichts, wo man den Schlüssel rutschsicher verstauen könnte - gestartet wird per Knopfdruck.

Der Innenraum ist durchaus funktional gestaltet. Bei einem Pkw würde man den Franzosen genüsslich die üppige Verwendung von Hartplastik um die Ohren schlagen - in solch durchweg gewerblich genutzten Fahrzeugen ist das eher ein Plus: Es ist pflegeleicht, schmutzresistent, und verzeiht eher Kratzer. Größere Fahrer werden in beiden Modellen nur bedingt glücklich: Der Sitz lässt sich nur in Maßen nach hinten schieben und der Neigung der Rückenlehne setzt die Zwischenwand zum Ladeabteil enge Grenzen. Dazu kommt eine zu kurze Sitzfläche. Immerhin lässt sich das Lenkrad sowohl in der Tiefe wie in der Neigung gut einstellen. Und die Pedalerie ist weit genug auseinandergezogen, dass man auch mit breiten Arbeitsschuhen ohne Hakeleien klar kommt.

Für unter die Haube bieten die Franzosen ausschließlich Dieselmotoren an. Die Palette reicht vom etwas schwächlichen 1,6-Liter-Selbstzünder mit 5-Gang-Handschaltung und 75 kW/95 PS bis zum 2,0-Liter-Diesel mit 6-Gang-Automatik und 128 kW/180 PS sowie 400 Nm maximalem Drehmoment. Der DIN-Verbrauch liegt je nach Motorisierung und Fahrzeuglänge laut Peugeot zwischen 5,1 und 5,5 Liter je 100 Kilometer. Eine gute Wahl ist die 2,0-Liter-Version in der handgeschalteten 150-PS-Version. Sie kommt flott in die Puschen, erlaubt auch auf der Landstraße stressfreies Überholen und ist auf der Autobahn für 170 km/h Spitze gut. Den Spurt von 0 auf Tempo 100 gibt Peugeot mit 11 bis 14,3 Sekunden an - je nach Fahrzeuglänge. Die Emissionen der Diesel werden per AdBlue gereinigt. Eine Füllung reicht für rund 10.000 Kilometer und kann einfach an jeder Lkw-Tankstelle nachgefüllt werden.

Fahren lassen sich Expert und Jumpy gleich angenehm - fast wie ein Pkw. Das griffige Lenkrad reagiert präzise und gibt eine gute Rückmeldung an den Fahrer, die in Griffweite am Armaturenbrett montierte Handschaltung funktioniert knackig und mit kurzen Wegen. Bei langen Beinen ist sie nur schnell dem Knie im Wege. Der Wendekreis beträgt bei der Kompaktversion stadttaugliche 11,6 Meter. Auch bei der Geräuschentwicklung haben die Franzosen gute Arbeit geleistet: Die Motoren werden auch bei höherem Tempo nicht nervig dominant, die Windgeräusch steigern sich erst ab Tempo 120 ganz allmählich. Auch die Entwicklung von Eigengeräuschen der großen Blechflächen haben die Ingenieure gut im Griff - man hört: nichts.

Stolz sind sie Franzosen darauf, dass sie für ihre Arbeitstiere zahlreiche Assistenzsysteme als Option anbieten können. So gibt es gegen Aufpreis zum Beispiel ein Headup-Display, Verkehrsschilderkennung, ein Navi, das auch die Preise der nahen Tankstellen anzeigt, Fernlichtassistent, Parkassistent, einen adaptiven Tempomaten, die Schiebetür lässt sich elektrisch öffnen, indem man mit dem Fuß unter dem Sensor im Heckstoßfänger herumfuchtelt. Was besonders die Kurierfahrer freuen wird: Expert und Jumpy schafften alle fünf Sterne beim NCAP-Crashtest.

Preislich beginnt der Peugeot Expert bei 27.358 Euro (netto: 22.990) für die Kompaktversion in der Basisausstattung. Wer seinen hart schuftenden Arbeitnehmern mehr Komfort und Annehmlichkeiten bieten will, der ist bei der langen Premium-Version aber auch mit 37.104 Euro (netto: 31.180) dabei. Zu haben sind Expert und Jumpy ab Juni 2016. Außer als Kastenwagen wird es ihn als Doppelkabine mit fünf oder sechs Sitzplätzen geben, als Plattform-Fahrgestell für eigene Umbauten und als Kombi mit bis zu neun Sitzplätzen. PS: Eigentlich ist das Duo ein Trio. Auf der gleichen Basis wie Expert und Jumpy entsteht auch der Toyota Proace.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.