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Interview Fordchef Bernhard Mattes: "Es geht nicht darum, zwei Kühe mehr zu verarbeiten"

Ford Deutschlandchef Bernhard Mattes über den schwachen europäischen Markt, die Luxustrends, Werkschließungen und sein Verhältnis zum Kölner Karneval.

Herr Mattes, Ihr direkter Konkurrent General Motors (GM) hat sich während der Finanzkrise durch eine Insolvenz saniert und mit vielen Milliarden vom Staat einen Neustart hingelegt. Ford blieb zahlungsfähig. Trotzdem hat GM inzwischen Ford bei den Verkäufen deutlich abgehängt. War es ein Fehler nicht Pleite zu gehen?

Das finde ich nicht. Die Bürger gerade hier in den USA schätzen es, wenn sich der Staat nicht einmischt. Das hat uns viel Vertrauen gebracht. Inzwischen haben wir uns entschuldet und investieren in die Zukunft.

Nur verkaufen tun andere mehr...

Einspruch: Der Ford Focus war 2013 das meistverkaufte Auto der Welt. Auf Platz drei folgt dann schon der Ford F150, von dem 760.000 Stück abgesetzt wurden. Und der Fiesta ist bei den Kleinwagen der Spitzenreiter. Drei Ford sind damit unter den beliebtesten Fahrzeugen auf der Welt.

Der F150 ist ein Pickup-Truck, den es in Europa gar nicht gibt.

Das stimmt, aber dafür ist der Focus ein echtes Weltauto, das im Saarland genauso gebaut wird, wie in den USA, Russland oder China. Und entwickelt haben wir es komplett bei uns in Köln.

Trotzdem ist ausgerechnet Europa die Schwachstelle im Konzern: Sie schreiben Verluste. Wieso?

Die europaweite Nachfrage hat in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Davon sind alle Hersteller betroffen. Wir reagieren darauf mit umfangreichen Investitionen in neue Produkte und Technologien. Gleichzeitig passen wir unsere Produktionskapazitäten an. Das bedeutet eine Reduzierung unserer Fertigungskapazität in Europa um 18% also rund 350.000 Fahrzeuge. Das bringt uns Kosteneinsparungen von 400 bis 500 Millionen Dollar im Jahr.

Bekommen Sie Druck aus den USA, schnell wieder Geld zu verdienen?

Dazu braucht es keinen Druck von außen. Wir sind selber ehrgeizig genug, um wieder schwarze Zahlen schreiben zu wollen.

Wann wird das sein?

2014 wollen wir wachsen, unseren Rang als Nummer Zwei bei den Verkäufen in Europa verteidigen und die Verluste verringern. Ab 2015 sollen dann auch wieder Gewinne fließen.

Bleibt es bei den drei Werksschließungen oder drohen weitere?

Unser Werk in Saarlouis ist mit dem Focus und dem C-Max sehr gut ausgelastet. Und in Köln arbeiten wir auch in drei Schichten und diskutieren gerade mit dem Betriebsrat, wie die nächste Generation des Fiesta kostenmäßig in Deutschland umzusetzen ist. Köln ist kein billiger Standort.

Was würde es denn bedeuten, wenn das nicht gelingt?

Darüber denke ich gar nicht nach. Wir spekulieren nicht, wir arbeiten daran, dass es gelingt.

Andere Hersteller verdienen gut im Luxussegment. Wird es irgendwann auch wieder einen großen Ford in Deutschland geben?

Oberhalb des Mondeo werden wir definitiv kein weiteres Modell anbieten. Aber wir spüren, dass der Anteil höherwertiger Ausstattungen in den Fahrzeugen steigt. Deswegen haben wir die Vignale-Strategie entwickelt, die anspruchsvollste Erwartungen unserer Kunden an Produkt und Kundenservice bedient....

Auf Deutsch: Sie packen mehr Extras rein...

So einfach ist das nicht: Es geht nicht darum, zwei Kühe mehr zu verarbeiten. Der Kunde soll spüren, dass ihn die Marke besonders behandelt. Der Trend zur Individualisierung ist ungebrochen.

Wenn Sie jetzt aus Detroit zurück nach Köln kommen, dann wartet der Kölner Karneval. Wollen Sie als gebürtiger Norddeutscher da nicht lieber hier bleiben.

Als Ford-Chef kommt man um den Karneval nicht rum – und das will ich auch gar nicht. Letzten Freitag war ich zum Beispiel noch auf der Prinzen-Proklamation, Samstag bin ich dann hierher geflogen...

Und haben im Flugzeug Ihren Rausch ausgeschlafen?

Nein, fast durchgehend gearbeitet. Man muss im Karneval doch nicht betrunken sein.

Und als was verkleiden Sie sich?

Mal als Cowboy, passend zur amerikanischen Marke, mal als spanischer Edelmann und mal ziehe ich einfach das Karnevals-Trikot des 1. FC Köln an. Da sind Narrenkappen in den Stoff eingewebt.

Von Jan Boris Wintzenburg/Detroit

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.