HOME

Mille Miglia 2019: Wenn der Vater mit dem Sohne

So ein Rennen wie die Mille Miglia kann es nur in einem einzigen Land auf der Welt geben: Italien. Auch wenn es mit der Organisation hapert, bisweilen das heillose Chaos regiert und einige Gemeinden mittlerweile abwinken. Die Mille Miglia muss man einmal gesehen haben.

Mille Miglia 2019

Mille Miglia 2019

Es gibt sportlichere Autos als den Mercedes 220 der Ponton-Baureihe und so ist der schwarze Sternen-Viertürer aus dem Jahre 1956 im Feld der hunderten von Sportwagen ein wahrer Hingucker. "Ich habe das letzte Jahr komplett an dem Auto gearbeitet", erzählt Johannes Danieli, der zusammen mit seinem Vater Marcello zum ersten Mal an der schnellen Oldtimerrundfahrt durch Italien teilnimmt. Kurz vor der Mille Miglia wurde die an sich gerade einmal 85 PS starke Oberklasselimousine, die sich in den 50er Jahren nur wenige leisten konnten, fertig. Ungewohnt böse sieht der schwarze Ponton aus. "Das machen die fehlenden Stoßstangen und die schwarzen Felgen ohne Radkappen", lächelt Vater Marcello Danieli, der in seinem Fuhrpark eine Reihe von Klassikern bewegt, "wir haben die Lenkradschaltung umgebaut und der Motor hat Dank Doppelvergaser und Fächerkrümmer rund 125 PS." Über zwei Jahre haben sich Vater und Sohn auf das bekannteste Oldtimerrennen der Welt vorbereitet; haben als Test an der Klassikrallye Ulm - Budapest teilgenommen, ehe es auf die Startrampe in Brescia ging. Probleme bereitete wie vielen Teilnehmern jedoch die offizielle Aufnahme in das Feld der 450 Starter. Hier kam dem Ulmer Logistikunternehmer nach viel hin und her letztlich seine italienische Herkunft zu Hilfe. In der Verwandtschaft kannte jemanden und der wieder einen und dann klappte es um drei Ecken auf einmal auch mit der Startnummer 368 bei der Mille Miglia des Jahres 2019.

Oldtimerrallye: Mille Miglia - Oldtimer, Straßen-Chaos und Familientreffen
Mille Miglia 2019

Mille Miglia 2019

Ein düsterer Ponton-Benz ist im bunten Teilnehmerfeld ebenso auffällig wie die beiden VW Käfer, die in Italien trotz ihrer leistungsstarken Porsche-356er-Boxer alle nur Maggiolino nennen und im Tiefflug mit Porsche-Sammler Magnus Walker (diesmal in einem schwarzen Flügeltürer) durchs Feld pflügten. Nirgends ist schwerer, mit dem grandiosen 50er-Jahre Supersportler Mercedes 300 SL, einem Porsche 356, BMW 328, Alfa Romeo 190 Super Sprint oder gar einem Jaguar XK 120 aufzufallen. Sie alle sieht man ebenso wie unzählige Modelle von Maserati, Ferrari, Lancia, Triumph, Austin oder Bentley unter den Startern bei der Mille Miglia so häufig wie einen aktuellen Fiat 500 auf den Straßen von Rom oder Mailand. Über 1.800 Kilometer führte die Mille Miglia in diesem Jahr mit Start- und Zielpunkt in Brescia und dem gewohnt sehenswerten Wendemanöver in der ewigen Stadt Rom. Dort, wofür die Teilnehmer der echten Mille Miglia von 1927 bis 1957 in Rekordzeit kaum mehr als 10 Stunden benötigten, sind die Starter bei der Gleichmäßigkeitsrallye der Neuzeit über drei Tage unterwegs. Anstrengend bleibt das Rennen nach wie vor für Mensch und Maschine, wenn auch die echte Herausforderung fehlt, denn Schnelligkeit spielt an sich keine Rolle. Vielmehr heißt es exakt zu fahren und die über hundert Wertungsprüfungen mit möglichst geringer zeitlicher Abweichung zu erledigen, ehe in Brescia abgewunken wird.

Einmal den Passo della Futa mit Hochdrehzahl überfliegen, hunderte von Händen im Zuschauerspalier bei der abendlichen Einfahrt nach Rom abklatschen oder im Schritttempo auf den einzigartigen Piazza Il Campo von Siena einfahren, wo erstmals auch ein offizieller Stopp eingelegt wurde - Momente wie diese gibt es eben nur hier. Für Johannes und Marcello Danieli in ihrem schwarzen Mercedes 220 Ponton gab es den ganz persönlichen Höhepunkt der Mille bei einem Zwischenstopp in Terni, dem Geburtsort von Marcello. Hier warteten Freunde und die Familie mit lokalen Spezialitäten auf die beiden und man feierte am Straßenrand. Das ist eben auch Mille Miglia. Oder eben etwas prominenter in einem Bugatti Type 35 B, wie ihn Volkswagen-Konzernvorstand Herbert Diess bewegte. Die schmale Rennzigarre aus dem Jahre 1928 gilt als einer der erfolgreichen Rennwagen überhaupt. Sein 2,2 Liter große Reihenachtzylinder leistet stattliche 170 PS und ermöglicht 200 km/h Spitze. "Der Type 35 ist ein schneller und eleganter Rennwagen, der sich angenehm fahren lässt. Er ist sicherlich einer der renommiertesten Teilnehmer der diesjährigen Mille Miglia, da er in seiner aktuellen Zeit in den 1920er-Jahren über 2.000 Rennen gewonnen hatte", erklärt Bugatti-Chef Stephan Winkelmann.

Für die meisten Starter stehen jedoch weniger Sieg und Platz als die Faszination und das Gedenken an die ursprüngliche Mille Miglia im Vordergrund. Denn wenn eines über die Jahrzehnte unverändert blieb, dann ist es die Begeisterung der Italiener an der Mille Miglia, am Automobil und dem Rennsport an sich. Dass mittlerweile viele Kommunen abwinken und den Tross der Mille Miglia nicht ein paar Stunden im Ort haben wollen, stört Teilnehmer und Zuschauer dabei ebenso wenig, wie dass die Zahl der Prominenten bei der 2019er-Auflage geringer war als in den Jahren zuvor. Auch wenn die Tradition durch die Klassikbereiche in Zeiten neuer Start-Up-Autohersteller und dem Druck auf das Automobil an sich immer größer wird, haben sich viele Autohersteller längst aus dem Engagement bekanntesten Oldtimerveranstaltung der Welt zurückgezogen. Für die Teilnehmer ist und bleibt die Mille Miglia ein Abenteuer, das seinesgleichen sucht und trotz zahlreicher ähnlicher Veranstaltungen auf der ganzen Welt gibt es eben nur eine echte Milla Miglia.

Doch auch wenn sich nach über 1.800 Kilometern im Ziel in Brescia fast alle wie Sieger fühlen und in Erinnerungen schwelgen, gibt es bei jeder Mille Miglia auch rechte Gewinner. Die 37. Neuauflage des schönsten Autorennens der Welt gewann die Paarung Giovanni Moceri und Daniele Bonetti in einem Alfa Romeo 6C 1500 SSA vor Andrea Vesco / Andrea Guerini in einem Alfa Romeo 6C 1750 SS Zagato und Juan Tonconogy / Barbara Ruffini in einem Bugatti Type 40.

pressinform

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.