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Vier Tote in Berlin: Pietätloses Verhalten? Umwelthilfe fordert nach tödlichem Unfall Verkaufsstopp für SUVs

Noch am Abend des schweren Unfalls in Berlin mit vier Toten forderte die Deutsche Umwelthilfe auf Twitter einen Verkaufsstopp für SUVs. Dafür gibt es selbst von Umweltschützern Kritik.

Tragischer Unfall in Berlin : Porsche erfasst vier Menschen, darunter auch ein Kleinkind

Der schwere Verkehrsunfall in Berlin-Mitte, bei dem vier Menschen – darunter auch ein Kleinkind – ums Leben gekommen sind, hat die Debatte um Autos im Stadtverkehr neu angeheizt. Insbesondere geht es dabei um Stadtgeländewagen, sogenannte SUVs (Sport Utility Vehicles). Noch am Abend des Unfalls meldete sich die Deutsche Umwelthilfe auf Twitter zu Wort und forderte mit drastischen Worten einen Verkehrsstopp für SUVs.

Die Umwelthilfe verwies in ihren Tweets darauf, dass die oft sehr PS-starken Wagen nicht nur "Klimakiller" seien, sondern auch ein hohes Sicherheitsrisiko darstellten. In einem Kleinwagen sei das Risiko, bei einem Unfall von einem SUV schwer verletzt oder getötet zu werden, viermal höher als bei einem normalen Fahrzeug. Deshalb sollten Autos dieser Bauweise nicht mehr verkauft werden.

Selbst SUV-Gegner kritisieren Umwelthilfe

Die Forderung wird in den sozialen Netzwerken im Internet kontrovers diskutiert – vor allem für den Zeitpunkt erntet die Umwelthilfe viel Kritik. Allein auf den ersten Tweet am Freitagabend direkt nach den ersten Meldungen aus Berlin gab es schon mehr als 1400 Antworten. Viele User werfen der durchaus umstrittenen Organisation vor, einen tragischen Verkehrsunfall für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. "Sorry, wenn ich das sagen muss, aber das hat AfD-Niveau", schreibt ein Twitterer.

Selbst User, die nach eigener Aussage in der Sache prinzipiell auf der Seite der Umwelthilfe stehen, hielten den Umweltschützern pietätloses Verhalten vor – zumal zu dem Zeitpunkt die genauen Umstände des Unfalls noch ungeklärt waren.

"Ich finde auch, SUVs gehören nicht auf die Straße. Aber wenige Stunden nach einem Unfall mit vier Toten darf es auch erst mal Trauer sein", merkte ein User an.

SUV auf der Straße

SUVs gelten als klimaschädlich und als Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr

DPA

Berliner Bezirksbürgermeister gegen "panzerähnlichen Autos"

Bereits in der Vergangenheit hatte die Umwelthilfe den Zorn vieler Autofahrer auf sich gezogen, als sie in einigen Städten gerichtlich Diesel-Fahrverbote durchgesetzt hatte. Auch für einen SUV-Verkaufsstopp hatte die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation schon öfter plädiert. Nach dem Unfall in Berlin-Mitte, bei dem ein Porsche-Fahrer von der Straße abgekommen und auf den Gehweg geraten war, schloss sich auch der zuständige Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) der Forderung an: "Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt. Es sind Klimakiller, auch ohne Unfall bedrohlich, jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr für Unschuldige."

Anlässlich der Internationalen Automobilausstellung (IAA), die am 12. September beginnt, forderte auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Autoindustrie dazu auf, nicht mehr weiter auf SUV-Modelle zu setzen. In Bremerhaven protestierten Aktivisten von Greenpeace am Samstag gegen die Umweltverschmutzung durch die Stadtgeländewagen.

Quellen: Deutsche Umwelthilfe auf Twitter, dpa

epp

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