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Abgas-Skandal in den USA Götterdämmerung bei Volkswagen


Martin Winterkorn und Ferdinand Piech wollten Volkswagen zum größten und gleichzeitig zum technologisch führenden Autohersteller der Welt machen. Mit dem Umweltbetrug in den USA stehen sie nun vor den Trümmern ihrer Laufbahn.

Als die Grundlagen zu dem - wie es bisher aussieht - größten Umweltbetrug der Automobilgeschichte durch den Volkswagen-Konzern gelegt wurden, waren Martin Winterkorn und Ferdinand Piech noch ein Herz und eine Auto-Seele. Auch wenn sich die Atmosphäre zwischen den beiden inzwischen deutlich abgekühlt hat - dieser Skandal wird der Ära Piech/Winterkorn seinen Stempel aufdrücken. Viele sogenannte Skandale waren nichts als Pannen, manchmal mit schlechtem Management. Als etwa die A-Klasse von Mercedes beim Elchtest umfiel, lag das an einem schlechten Fahrwerk, welches mit dem extremen Test überfordert war. Der Abgasskandal hat aber eine ganz andere Dimension. Stimmen die Vorwürfe der Umweltbehörde, die VW-Chef Winterkorn im Wesentlichen eingeräumt hat, wurde systematisch betrogen.

VW treibt Betrug in neue Dimension

Betrug gab und gibt es in der Branche immer wieder. Aber meist sind es interne Skandale. Etwa wenn sich einzelne Mitarbeiter für millionenschwere Aufträge haben schmieren lassen. Aber dann wurden die Firmen von ihren Managern betrogen und zogen auch selbst die Konsequenzen. Nun wurde Behörden mit fingierten Messungen vorgemacht, dass die Autos von Volkswagen weit umweltfreundlicher seien, als sie es tatsächlich sind. Vielen Kunden in Deutschland mögen die strengen Regeln für Stickoxide in Kalifornien nicht so wichtig sein. Aber: Es ist der gleiche Betrug, als hätte man die Crashtest-Werte mit irgendwelchen Tricks nach oben gedrückt, damit irgendwelche Todesfallen ein Siegel als besonders sicheres Auto bekommen.

Und so etwas ist nicht die Tat eines Einzelnen. In die Manipulation der Motoren müssen ganze Abteilungen involviert gewesen sein. Und es muss generalsstabsmäßig geplant, durchgeführt und auch budgetiert worden sein. Dass Vorgesetze wie der damalige Entwicklungschef Martin Winterkorn davon nicht gewusst haben, ist kaum glaubhaft, auch wenn man nie das Gegenteil wird beweisen können. Das veränderte Motoren-Verhalten auf dem Prüfstand bleibt auch intern beim Autobauer selbst nicht unbemerkt. Denn auch dort werden die Zyklen absolviert. Wenn gleichzeitig Leistung und Giftstoffausstoß im speziellen Ökoschongang in die Knie gehen, bleibt so etwas nicht verborgen. Um derartige Vorgänge unter dem Radar zu halten, ist ein gewaltiger Korpsgeist nötig und die Deckung durch eine hohe Autorität.

Vertrauen zerstört

Das Porzellan, das Volkswagen zerschlagen hat, ist unersetzlich. Vielen gilt das Auto als Umweltsünder schlechthin. Angesichts der steuerbefreiten Billigfliegerei ist es sicher in der Sache übertrieben, das Auto zum schwarzen Schaf zu erklären. Aber ein großangelegter Betrug von Umweltdaten ist das Allerletzte, was die ganze Branche gebrauchen kann. Vielen Umweltschützern ist die Zusammenarbeit von Autoindustrie, Gesetzgeber und kontrollierenden Behörden ohnehin zu eng und vertrauensselig. Ihre kühnsten Träume hat Volkswagen nun verwirklicht. Wo bisher ein Geist der Kooperation herrschte, wird nun Misstrauen und Kontrolle die Verhältnisse dominieren.  Und nicht nur in den USA. Es werden nur wenige Tage vergehen und auch in Europa werden die Messungen an den Motoren von VW und Audi wiederholt und diesmal mit dem kritischsten Blick, der denkbar ist. Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat bereits angeordnet, sämtliche VW-Dieselmodelle auf dem deutschen Markt zu überprüfen.

Das Undenkbare mag man kaum aussprechen, aber dennoch: Was passiert, wenn die Software nicht nur die kalifornischen Stickoxid-Werte manipuliert hat? Was, wenn man der Versuchung nicht widerstehen konnte und auch in Europa Abgaswerte und Verbräuche bewusst manipuliert worden sind? Dann würde der Gau in Kalifornien in eine Wolfsburger Kernschmelze übergehen.

Entscheidend sind die Kunden

Und um es ganz deutlich zu sagen: Volkswagen hat nicht nur den Staat in den USA betrogen, sondern vor allem die eigenen Kunden. Auch der normale Käufer hat heutzutage ein Umweltbewusstsein. Und daran wurde mit der Clean-Diesel-Kampagne appelliert. Ihm wurde versprochen mit einem Diesel von Volkswagen würde er besonders sparsam und besonders umweltfreundlich fahren. Der Clean-Diesel war der Gegenentwurf von Volkswagen zum Hybridantrieb. Sollten die Grenzwerte für Stickoxide allerdings wirklich um das 40-fache höher liegen als bei den manipulierten Testwerten, kann man das nur als ganz besonders dreisten Kundenbetrug bezeichnen.

Das Ergebnis ist eine Katastrophe: Eine halbe Million Amerikaner haben nun ein Auto für das es eigentlich keine Straßenzulassung geben kann. In den USA hat Volkswagen trotz großer Anstrengungen nie wirklich Fuß fassen können. Mit diesem Skandal verabschieden sich VW und Audi dort in die Bedeutungslosigkeit.


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