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VW-Abgas-Skandal: Porsche-Chef als Nachfolger Winterkorns im Gespräch

Die Dieselabgas-Affäre bei VW erschüttert die gesamte Autobranche. Mit dem Rücktritt von Martin Winterkorn, werden Spekulationen um einen möglichen Nachfolger laut: Porsche-Chef Matthias Müller gilt als heißer Kandidat.

Martin Winterkorn (r.) ist nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher als VW-Chef zurückgetreten.

Martin Winterkorn (r.) ist nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher als VW-Chef zurückgetreten. Matthias Müller (l.) könnte sein Nachfolger werden.

Porsche-Chef Matthias Müller ist schon länger als möglicher Nachfolger von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn im Gespräch. Sein Name fiel bereits, bevor Winterkorn am Mittwoch die Konsequenz aus dem Skandal um manipulierte Abgaswerte zog und zurücktrat. Ob Müller aber tatsächlich an die Konzernspitze in Wolfsburg rückt, blieb zunächst unklar. Erst am Freitag könnten Entscheidungen fallen.

Schon als Winterkorn sich im Frühjahr einen Machtkampf mit dem Konzernpatriarchen und damaligen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch lieferte, war Müller als Nachfolger im Gespräch. Damals setzte Winterkorn sich durch - doch im Abgas-Skandal war der Druck am Ende zu groß. Diesmal könnte Müller also aufrücken.

Die Karrieren der beiden Automanager sind eng miteinander verbunden: Als Winterkorn 2007 VW-Chef wurde, ging auch Müller nach Wolfsburg. Er übernahm die Leitung des Produktmanagements und wurde Generalbevollmächtigter des Konzerns. Zuvor hatten sie schon bei Audi zusammen gearbeitet: Winterkorn war seit 2002 Vorstandsvorsitzender der VW-Tochter, auch Müller machte bei dem Ingolstädter Autobauer Karriere.

Rekorde bei Porsche

Der am 9. Juni 1953 in Chemnitz geborene Müller, der als Kind mit seinen Eltern aus der damaligen DDR in den Westen floh, begann bereits 1978 seine berufliche Laufbahn bei Audi. Nach seinem Abitur in Ingolstadt hatte er in seiner Heimatstadt zunächst eine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei dem Autobauer gemacht, bevor er zum Informatik-Studium nach München ging. Bei Audi stieg er schließlich nach seinem Einstieg bis zum Leiter des Produktmanagements auf.

Eine heikle Aufgabe übernahm Müller schließlich im Jahr 2010, als er an die Spitze von Porsche rückte. Die Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen, aus der der Wolfsburger Konzern als Sieger hervorging, lag damals noch nicht lange zurück. Im März dieses Jahres konnte Müller für das Geschäftsjahr 2014 Rekorde des Sportwagenherstellers bei Auslieferungen, Umsatz und Ergebnis verkünden. "Porsche hat sich sehr erfolgreich entwickelt und ist heute besser aufgestellt denn je", freute sich der Vorstandschef bei der Präsentation der Zahlen.

Was in Stuttgart funktioniert, muss nicht in Wolfsburg funktionieren

Seit März ist Müller auch Vorstandsmitglied beim Porsche-Mutterkonzern Volkswagen. Zu den Unterschieden zwischen dem Stuttgarter Sportwagenhersteller und dem Wolfsburger Großkonzern sagte er vor kurzem in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung": "Wir sind ein beinahe familiäres Unternehmen mit 20.000 Mitarbeitern, in Wolfsburg muss man weltweit 600.000 Leute führen." Führungsstil habe schon etwas mit Größe zu tun, "und was hier bei uns in Stuttgart funktioniert, muss nicht unbedingt auch in Wolfsburg funktionieren".

Sich selbst beschrieb Müller als "umgänglichen Teamplayer", der versuche, "seine Entscheidungen einigermaßen kollegial und harmonisch durchzusetzen". Er könne aber auch "ziemlich konsequent" sein: "Ich mag es nicht, wenn die Dinge zerredet werden", sagte Müller über sich selbst.

Schwere Aufgabe für Müller

Der Manager mit dem schlohweißen Haar und dem unverkennbar bayerischen Zungenschlag mischte sich auch in die Debatte um den Umgang mit den zehntausenden Flüchtlingen ein, die derzeit nach Deutschland kommen. "Wir müssen uns Extremismus entgegenstellen und Haltung zeigen", sagte Müller dem Blatt. "Bei Porsche arbeiten Menschen aus 56 verschiedenen Ländern - damit ist doch wohl alles gesagt." Es sei an der Zeit, "dass Wirtschaftslenker zu bestimmten Dingen ihre Meinung sagen".

Sollte Müller tatsächlich Winterkorn an der VW-Spitze beerben, werden seine Worte noch mehr Gewicht haben. Auf ihn dürfte dann auch die bisher schwerste Aufgabe seiner Karriere warten. 

ivi / AFP

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