VG-Wort Pixel

Wechselakkus Volle Ladung in einer Minute – größter Akkuhersteller der Welt eröffnet Tauschstation

Ein Modul ist kaum größer als eine Doppelgarage
Ein Modul ist kaum größer als eine Doppelgarage
© CATL / PR
Batterien austauschen, statt sie selbst aufzuladen, diesen Weg beschreiten Chinas Autohersteller. Nun hat Batteriehersteller CATL eigene Wechselstationen eröffnet.

In Deutschland klagt man über den schleppenden Ausbau des Netzes von Schnelllade-Stationen, in China ist man schon weiter. "Wir betrachten die Batterie als ein gemeinsames Produkt und nicht als ein Verbraucherprodukt für den persönlichen Gebrauch", sagt Chen Weifeng, General Manager der CATL-Tochter Contemporary Amperex Energy Service Technology Ltd. Der größte Akkuhersteller der Welt bietet einen Batterietauschdienst für Elektrofahrzeuge (EV) namens EVOGO an. Hier können Fahrer ihre alten Autobatterien innerhalb einer Minute wechseln. Der Batteriehersteller wird zunächst in zehn Städten Chinas Tauschstationen einrichten, und die Nutzer werden über eine App auf den Service zugreifen können, sagte Chen.

Offenes System 

Das Mehrzweckfahrzeug Bestune NAT des chinesischen Automobilherstellers FAW Group wird das erste Fahrzeug sein, mit dem der Service kompatibel sein wird. Chen kündigte an, dass in Zukunft weitere Modelle folgen sollen. Mit diesem Modell werden Unsicherheiten, die mit E-Fahrzeugen einhergehen, vom Kunden genommen. Die "Herausforderung der Reichweitenangst, der Unannehmlichkeiten des Aufladens und die hohen Anschaffungs- und Fahrkosten" verunsichern potenzielle Käufer, so Cheng.  Chinas Autohersteller verfolgen generell den Kurs, dem Kunden möglichst viele Besorgnisse und Arbeiten rund um das Auto abzunehmen.

CATL ist nicht das erste Unternehmen, dass Wechselstationen anbietet. Der Elektroautohersteller NIO hat seit 2000 ein Netzwerk von 700 Batterietauschstationen aufgebaut. Hier kann der Besitzer eines NIOs, eine voll aufgeladene Batterie innerhalb von drei Minuten wechseln. Erst kor Kurzem kündigte Geely an, dass die Firma bis 2025 weltweit 5000 Batteriewechselstationen für Elektrofahrzeuge einrichten wird.

Mit CATL rückt nun ein Zulieferer in diesen Kreis auf. Hier wird es möglich sein, die Batterien von Fahrzeugen mehrerer Hersteller zu wechseln. Der Hersteller selbst muss nicht in das Netz von Ladestationen investieren. Dafür verliert er aber auch die Herrschaft über einen zentralen Bestandteil des E-Fahrzeuges. Technik, Kapazität, Größe und Befestigungspunkte des Akkus werden von CATL definiert.

Sorgenfreies E-Auto

Das System von Wechselstationen bietet mehrere Vorteile. Zum einen knüpft es an die gelernte Erfahrung der Tankstelle an, wobei "einmal Wechseln" noch schneller geschieht als "einmal Volltanken" beim Benziner. Teslas Supercharger benötigt etwa 15 Minuten, um eine Reichweite von bis zu 350 Meilen aufzuladen. Die Wechselzeit ist deutlich niedriger und dazu unabhängig von der gewechselten Kapazität. Auf einer gesellschaftlichen Ebene gedacht, muss das Stromnetz nur an den Wechselstationen massiv ausgebaut werden und nicht in der Fläche, um jede Ladesäule zu erreichen.

Dieses System eliminiert zudem einen immanenten Preisnachteil von E-Fahrzeugen, der in Deutschland durch die starken Subventionen verwischt wird. Im klassischen Kaufmodell muss der Kunde den Akku miterwerben und auf einen Schlag bezahlen und das ist deutlich teurer als der Tank eines Verbrenners. Hinzu kommen noch die Kosten für eine heimische Ladesäule. Beides fällt beim Wechsel-Akku weg. Dazu muss sich der Kunde keine Gedanken um die Lebensdauer seines Akkus machen. Und auch nicht um den technischen Fortschritt: Wer heute ein E-Auto kauft, wird erleben, dass sein Akku in fünf Jahren noch funktionieren wird, aber von Neuentwicklungen deklassiert wird. Beim CATL-System ist zu erwarten, dass einfach Akkus mit besserer Technik eingebaut werden.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker