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Volkswagen: Affen-Versuche sollten geheim bleiben - weil Ergebnisse wohl nicht ausfielen wie gewünscht

VW steht wegen der Abgas-Versuche an Affen unter Druck. Die Ergebnisse sollten geheim bleiben, da sie verheerend ausfielen. Nun will der Konzern zudem verhindern, dass die Berichte vor Gericht verwendet werden.

Volkswagen steht durch die Berichte über Abgas-Versuche an Affen einmal mehr am Pranger. Die Wolfsburger kämpfen derzeit in den USA mit harten Bandagen gegen die Verwendung der Dokumente bei einem Gerichtsverfahren. Seit Monaten schon liefert sich die US-Tochter des deutschen Autobauers einen juristischen Schlagabtausch mit Klägeranwälten, um zu verhindern, dass die Unterlagen zu den Tierversuchen bei einem Prozess zum Einsatz kommen. Das geht aus Gerichts-Schriftstücken hervor, über die der NDR berichtete, und die auch der Deutschen Presse-Agentur (DPA) vorliegen. Ursprünglich wollte der Autobauer die Labor-Berichte gänzlich verheimlichen, berichtet zudem die "Bild-Zeitung". "Wir werden den Rechtsstreit nicht kommentieren", teilte VW auf Nachfrage lediglich mit.

Wie an den Versuchen beteiligte Wissenschaftler mitteilten, sollen die Versuche, die in mindestens einem Fall auch an Menschen durchgeführt wurden, in keinem Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal stehen - zumal sie Jahre vor Bekanntwerden der VW-Tricksereien mit Abgaswerten durchgeführt worden seien. So argumentiert auch Volkswagen vor US-Gerichten: "Das einzige Ziel des Klägers ist es, eine scharfe und emotionale Reaktion der Jury hervorzurufen, in der Hoffnung, dass diese VW Amerika für etwas bestraft, dass mit den Klägern gar nichts zu tun hatte", heißt es in einem Schreiben der VW-Anwälte vom Oktober 2017. Der Klägeranwalt hält dem entgegen, die Studie sei ein wichtiges Beweismittel, da sie ein vorsätzliches Schema des anhaltenden Betrugs belege.

Studie brachte nicht von VW gewünschte Ergebnisse

Der Bericht der "Bild" scheint die Beurteilung des Anwalts von VW zu bestätigen. Demnach sollten die in den vergangenen Tagen bekannt gewordenen Laborberichte über die Affenversuche auf keinen Fall veröffentlicht werden. Dies jedoch nicht aus Scham, sondern weil die Ergebnisse schlicht nicht so ausgefallen seien, wie es sich VW, Daimler und BMW - die Träger der inzwischen liquidierten Forschungsvereinigung EUGT - offenbar vorgestellt hatten. Belegt werden sollte in dem Versuch konkret, so der Bericht, dass die Diesel-Abgase eines VW Beetle, Baujahr 2013, sauberer seien als jene eines Ford Pick-up, Baujahr 1997. Heraus gekommen sei jedoch das genaue Gegenteil. Und das, obwohl der Beetle mit jener Betrugs-Software ausgestattet gewesen sein soll, die im Zentrum von Dieselgate steht.

Ermittelt worden seien diese Werte durch Versuche am 4. Mai 2015 in einem Labor in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico. Vier Stunden lang hätten zehn Javaner-Affen in einem Glaskäfig  gesteckt und im Auftrag der EUGT Diesel-Abgase eingeatmet. Um die Affen zu beruhigen, zeigte man ihnen Zeichentrickfilme. Dreimal wurde den Tieren Blut abgenommen; zudem wurde ein spezielles Endoskop durch Nase oder Mund in die Bronchien geführt, berichtet die "Bild". Die Tiere seien durch die mehrfachen heftigen Untersuchungen sehr gestresst gewesen. "Das ist ein unglaublicher Versuch, der von einer Ethikkommission in Europa so wahrscheinlich niemals erlaubt worden wäre", zitiert die "Bild" den von ihr befragten Professor für Umwelthygiene und Umweltmedizin, Hans-Peter Hutter, von der Universität in Wien.

"Wucht der Ergebnisse herausnehmen"

Wie die "Bild" mit Dokumenten-Ausrissen belegt, wollten die deutschen Autobauer für bereits knapp 650.000 überwiesene Dollar einen für sie brauchbaren Abschlussbericht des Labors. Doch die Bemühungen des Labors, "die Wucht aus den Ergebnissen" zu nehmen oder die Messerte des VW Beetle einfach wegzulassen, hätten den Autofirmen offenbar nicht genügt. Erst zwei Jahre nach dem Versuch sei ein finaler Bericht zustande gekommen, der aber weder veröffentlicht noch abschließend bezahlt wurde. Eine letzte Rate von knapp 72.000 Dollar wurde nach Erkenntnissen der "Bild" offenbar nie bezahlt; die EUGT habe sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Studie bereits in Liquidation befunden, schreibt das Blatt.

Dass die Affen-Experimente dennoch öffentlich wurden, lag laut dem Klägeranwalt vor allem am Dokumentarfilmer Alex Gibney, der die Ermittlungsakten für die Netflix-Doku "Dirty Money" auftrieb. Nachdem auch die "New York Times" Zugang erhielt, veröffentlichten am vergangenen Freitag beide gemeinsam das Material, was auch in Deutschland eine Berichterstattung in Gang setzte. Ob das Bezirksgericht in Fairfax im US-Bundesstatt Virginia die Laborberichte als Beweismittel für die anstehende Verhandlung am 26. Februar zulässt und die Abgas-Versuche so nachträglich in Zusammenhang mit Dieselgate stellt, muss sich zeigen. Bisher hat alle Verfahren, die einzelne US-Kunden trotz vereinbarter Milliarden-Vergleiche und abseits von Sammelklagen angestrebt haben, durch außergerichtliche Einigungen beilegen können.


dho mit / DPA

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