OCTAVIA 4X4 COMBI1.8 T Feinste »Ostware«

Noch vor wenigen Jahren war klar: Ost-Automobile sind etwas für Zeitgenossen, die Geld sparen wollen und zu automobilem Verzicht bereit sind.

Noch vor wenigen Jahren war klar: Ost-Automobile sind etwas für Zeitgenossen, die Geld sparen wollen und zu automobilem Verzicht bereit sind. Vierrad-Antrieb, 150-PS-Turbomotor und eine umfangreiche Ausstattung. Der Octavia Combi 4X4 Turbo (48.553 Mark)muss mit diesem Paket Konkurrenz kaum fürchten. Konzernmutter Volkswagen bietet zum gleichen Preis den Bora Variant 1.8 Highline - mit gerade mal 115 PS unter der Haube und ohne den reizvollen Allrad-Antrieb.

Zeigen was man hat

Das High-Tech-Paket aus dem Osten zeigt erst auf den zweiten Blick, was in ihm steckt. Große Luftschlitze in der vorderen Stoßstange, breitere Reifen und die Modellbezeichnung geben dezente Hinweise. Innen protzt dafür ein rotes 4X4-Emblem auf dem Aluminium-Schalthebel. Glücklicherweise der einzige Rückfall in längst vergangene GTI-Zeiten.

Trotz gefälliger Karosserie und Technik aus dem VW-Regal - der Skoda Octavia taugt kaum zum Angeben. Im Test absolvierte die Kombination von Turbomotor und Vierradantrieb ihren Einsatz auffällig unauffällig. Einzige Einschränkung: 100 Liter Kofferraum fallen der angetriebenen Hinterachse zum Opfer. Übrig bleiben - je nach Position der Rückbank - 448 bis 1.412 Liter. Unter dem Blech schickt eine Haldex-Kupplung (elektronisch gesteuert) immer so viel Kraft zu den Hinterrädern wie nötig, um durchdrehende Vorderräder zu verhindern. Das hilft beim Sprint auf Tempo 100, den der Octavia Combi 4X4 Turbo in 9, 3 Sekunden bewältigt.

Sprinter und Sparmaschine

Wie in anderen Modellen des VW-Konzerns gefällt der laufruhige1,8-Liter-Vierzylinder auch im Octavia: Schon bei 1.750 Umdrehungen zieht er wie ein Bulle (210 Newtonmeter) und lässt bis über 4.000 Umdrehungen nicht nach. Anfahren, schnell in den fünften Gang hoch schalten, und der Octavia Combi 4X4 fährt sich fast wie mit Automatik. Untertourig sparsam dahinrollen oder mit maximal über 211 km/h voll beladen über die Autobahn jagen - beides kein Problem. Erst an der Tankstelle zeigt sich der Unterschied: Bleifuß kostet locker 14 Liter, Tempo 130 entschädigt mit weniger als 8 Liter. Wer den Tschechen nicht quält, ist im Schnitt mit deutlich unter 10 Liter Super dabei.

Im Vergleich mit schwächer motorisierten Octavia-Modellen federt der 4x4 deutlich straffer, ohne jedoch lästige Stöße auszuteilen. Das Fahrwerk verdient das Prädikat »narrensicher«. Schnelle Wechselkurven brachten den Urlaubsexpress in den französischen Alpen auch mit ausgeschaltetem Stabilitätsprogramm ESP nicht aus der Ruhe. Eher schon die Mägen der Passagiere. Auf Schnee und Eis hat sich der elektronische Helfer dafür gut bewährt.

Komfort serienmäßig

Gegen Unfälle besser denn je gewappnet, garantiert nun ein verstärkter Vorderwagen mehr Crashsicherheit. Direkt fühlbar: Zweieinhalb Zentimeter mehr Knieraum hinten auf Grund der besser ausgeformten Rückenlehnen der Vordersitze. Obwohl die getestete Elegance-Version noch nicht das Octavia-Spitzenmodell ist, lässt die Ausstattung kaum Wünsche offen. Serienmäßig: Alufelgen, elektrische und beheizbare Außenspiegel, Sitzheizung, Bordcomputer, Climatronic, CD-Radio, Tempomat, Regensensor und Einparkhilfe. Angenehm, dass sich alle Schalter und Bedienungselemente auch ohne dickes Handbuch sofort erschließen. Clou: Ein langer Druck auf den Knopf der Funk-Zentralverriegelung verriegelt auch Fenster und Schiebedach.

Für die Sicherheit sorgen ABS, ESP, Air- und Sidebags vorne. Ein Window-Bag, der sich beim Seitencrash als schützender Vorhang über alle Seitenscheiben legt, ist auch als Extra nicht erhältlich. Damit ist einer der wenigen Kritikpunkte aufgezählt. Ansonsten stören höchstens noch die nicht ganz spiegelfreien Instrumente.

Fazit

Solide Technik und gute Verarbeitung - im Test leistete sich der Skoda keinen Patzer. So macht man sich Freunde. Der Octavia Combi 4X4 Elegance 1.8 T ist eine sichere Familienkutsche mit einer Extra-Portion Fahrspaß. Und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist nur schwer zu schlagen.


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