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Präsentation des Fiat 500: Die Fummel-Büchse

Italien rollt den roten Teppich aus – für 3,5 Meter Blech. Die Präsentation des neuen Fiat 500 war eine Veranstaltung mit gigantischen Ausmaßen. Trotz Mega-Feuerwerk und Liebesschwüren bleibt die Frage: Wird die Neuauflage des Knuddel-Flitzers wieder Kult?

Am 4. Juli knallt es ja immer. Es ist der amerikanische Unabhängigkeitstag, und da versucht jeder, den anderen mit Party und Feuerwerk zu übertrumpfen. Aber sorry, USA: Die coolste Feier und das prächtigste Feuerwerk gab es diesmal in Turin. Die Italiener haben ihren inoffiziellen Feiertag begangen – den Geburtstag des legendären Fiat 500 und gleichzeitig die Vorstellung seines Nachfolgers. Die "Macchina più sexy del mondo" (erotischstes Auto der Welt) wurde mit einem Spektakel geehrt, wie es die Autowelt noch nicht gesehen hat. Etwa 200000 Zuschauer sollen sich laut italienischer Medien das Event an den Ufern des Flusses Po angeschaut haben. Die Straßen waren voll gestopft mit Menschen, der Verkehr im Stadtzentrum kam völlig zum Erliegen, am Himmel kreisten Hubschrauber, Polizei und Sicherheitskräfte waren im Großeinsatz. Auf einer riesigen Bühne mitten auf dem Fluss lieferte Fiat eine Show der Superlative ab, angesiedelt irgendwo zwischen italienischer Oper und Disneyland-Parade.

Der Ort der ersten Küsse

Schwimmende Cinquecento-Oldies führten zu Fackelschein und klassischer Musik ein faszinierendes Wasser-Ballett auf, Boote flitzten umher. Artisten bildeten mit ihren Körpern die Karosserie des neuen Fiat 500 nach. Und immer wieder erhellte Feuerwerk das nächtliche Turin, so prächtig und vor allem ohrenbetäubend laut, dass bei vielen Autos die Alarmanlagen schrillten. Die Enthüllung des neuen Fiat 500 wurde als Krönung der gigantischen Show fast zur Nebensache. Hätte ein Fiat-Manager bekannt gegeben: "Sorry, aber das Auto ist nicht rechtzeitig fertig geworden" – die Italiener hätten trotzdem bis in die Puppen gefeiert. Pop-Diva Lauryn Hill heizte den Zuschauern ein, die sich zu Tausenden auf den Tribünen, auf den Straßen und am Flussufer drängten. Die italienische Schauspielerin Claudia Gerini hauchte als Marilyn Monroe verkleidet "Happy Birthday, Cinquecento“ ins Mikrofon. Das war zwar nicht so sexy, wie es damals die Monroe für Präsident Kennedy tat, aber für die Italiener hat der kleine Fiat nun mal etwa Erotisches. "Viele Italiener haben in einem Fiat 500 zum ersten Mal ihre Freundin geküsst", sagte sogar der ehemalige Premierminister Silvio Berlusconi.

Retro ist keine Garantie

Nun ist der Nachfolger des legendären Cinquecento fertig, und die Erwartungen an ihn könnten höher nicht sein. Fiat hofft, dass dem neuen 500 eine ähnliche Erfolgsgeschichte bevorsteht wie dem neuen Mini. Von dem laufen pro Stunde mehr als 40 Stück vom Band. Aber dass Retro allein keinen Verkaufserfolg garantiert, zeigt das Beispiel des New Beetle. Der Käfer-Aufguss wurde 1998 mit großen Erwartungen vorgestellt, das Interesse ebbte aber schnell ab. Die runde Karosse auf Golf-Basis hat einfach zu wenig zu bieten – abgesehen von stolzen Preisen und der Tatsache, dass er ein bisschen wie der Käfer aussieht. Auch Fiats Knutschkugel könnte es in Deutschland schwer haben. Denn hierzulande genießt der alte 500 nicht einmal einen nennenswerten Kultstatus. Wer den Blechzwerg früher gefahren hat, denkt eher an den Ärger, dass das Geld für einen Käfer oder einen Kadett nicht gereicht hat. Und erinnert sich an die vielen Male, bei denen man mit 13 PS im Schneckentempo von der Ampel los kroch und mit beschwichtigenden Gesten aus dem Faltdach heraus der Lynchjustiz der Hintermänner zu entgehen suchte. "500 gute Gründe, keinen Fiat zu kaufen", ätzte es dem kleinen Italiener nicht selten entgegen.

Bezahlbarer Kult

Das neue Fiat-Baby bietet vielleicht keine 500 guten Gründe für seinen Kauf – aber doch einige. Er ist klein, wendig, sparsam, sieht knuffig aus und ist im Gegensatz zum Mini oder New Beetle mit etwa 10.500 Euro Basispreis nicht viel teurer als Citroën C1, Daihatsu Cuore oder Toyota Aygo. Der Fiat 500 kommt zunächst mit drei Motoren (Benziner mit 69 oder 100 PS und Diesel mit 75 PS) auf den Markt. Er könnte nicht nur französischen und japanischen Minis, sondern auch der Konkurrenz im eigenen Haus gefährlich werden: Sowohl Fiat Panda als auch Lancia Ypsilon dürften bei einem Erfolg des 500 nicht ungeschoren davon kommen. Ob das Knuddelchen auch dem in Italien sehr erfolgreichen Smart das Wasser abgräbt, muss sich nun zeigen. Eins hat der Fiat jedenfalls nicht drauf: Quer einparken, mit dem Heck zum Bordstein. Das kann nur der ultra-kurze Smart. Und dafür lieben ihn die Italiener.

Sebastian Viehmann, press-inform

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