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50 Jahre Jaguar E-Type: Jubiläumsfahrt in Genf

Am 15. März 1961 stellte Sir William Lyons im Genfer Hotel Parc des Eaux Vives den neuen Jaguar E-Type vor. Zum großen Jubiläum kehrte die Sportwagen-Ikone nun an ihren Geburtsort zurück. Wir waren dabei - und erlebten bei einer Spritztour, dass der E-Type bis heute nichts von seiner Dramatik verloren hat.

Was Automobile angeht, sind die Genfer recht abgebrüht. Schließlich werden seit rund 80 Jahren im Frühling die eindrucksvollsten Sportwagen, Luxuslimousinen und Konzeptstudien am Lac Léman enthüllt. Eine Premiere dürfte den abgeklärten Westschweizern dennoch besonders in Erinnerung geblieben sein: Am 15. März 1961 präsentierte der Jaguar-Chef im Hotel Parc des Eaux Vives am Ufer des Genfer Sees vor rund 200 Journalisten ein neues Sportwagenmodell - den E-Type.

Ob der Jaguar mit der vielleicht längsten Motorhaube der Welt dabei mit Kühlwasser aus den "Quellen des Lebens" betankt und somit unsterblich gemacht wurde, ist nicht dokumentiert. Fakt ist jedoch, dass es selbst 50 Jahre nach der Genfer Premiere kaum einen Sportwagen gibt, der im kollektiven und kulturellen Gedächtnis tiefer verankert ist. Der E-Type gilt als Ikone der Swinging Sixties, sogar das MoMA in New York hat ihn 1996 in seine Sammlung aufgenommen. Bitten Sie einen beliebigen Passanten auf der Straße, einen klassischen Sportwagen zu zeichnen - und sie erhalten mit größter Wahrscheinlichkeit einen Mercedes 300 SL Flügeltürer , einen Porsche 356 oder einen Jaguar E-Type. Wobei Letzterer aufgrund seiner einmaligen Proportionen sogar am leichtesten von der Hand gehen dürfte.

Neue Maßstäbe

Entworfen wurde die "Raubkatze aus Coventry" von Malcolm Sayer, der die Grundlinien von Jaguar-Rennwagen wie dem D-Type oder dem XKSS im E-Type Roadster zur Vollendung führte. Das Coupé zeichnete der Designer Bob Blake. Doch der E-Type beeindruckte die zur Vorab-Premiere im Hotel Parc des Eaux Vives versammelten Pressevertreter nicht nur mit seiner gewagten Formgebung, den filigranen Speichenrädern und dem gelungenen Cockpit - auch die Technik unter der selbsttragenden Karosserie setzte neue Maßstäbe.

Das 3,8 Liter große Sechszylinder-Triebwerk leistete 265 PS, und Jaguar versprach eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h. Die Legende besagt, Cheftester Norman Dewis und das Ingenieursteam erreichte diesen Wert durch diverse Tricks und Kniffe erst im letzten Moment vor der Premiere - und Dewis musste den Roadster in der Nacht zum 15. März persönlich von England nach Genf überführen. Ein unglaublicher Zehn-Stunden-Ritt durch die Nacht, bei der die örtlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen kaum von Belang gewesen sein dürften.

Treffen der E-Type-Enthusiasten

Die Presse war begeistert - auch weil der E-Type mit einem deutschen Händlerpreis von rund 26.000 Euro deutlich günstiger war als etwa die vergleichbaren Sportwagen von Ferrari. Auch im Rennsport konnte sich der neue Jaguar beweisen, vor allem die entfesselte Lightweight-Version war bei Profis gefragt. Bis zum Ende der Produktion 1975 wurden mehr als 75.500 Exemplare des E-Type in drei Serien und vielen Variationen gebaut. Davon trifft man in diesen Tagen einige am Ufer des Genfer Sees. Schließlich haben sich zahlreiche E-Type-Enthusiasten mit ihren Sportwagen hier versammelt, um ihrer Ikone zum 50. Geburtstag die Ehre zu erweisen. Auch Norman Dewis ist samt dem Roadster von 1961 vor Ort, seine 90 Jahre merkt man dem ehemaligen Testfahrer allerdings nicht an. Dennoch hat er die Reise von England dieses Mal mit dem Flugzeug absolviert.

Nicht weniger beeindruckend ist das in Sherwood Green lackierte E-Type 3.8 Litre Fixed Head Coupé aus dem Besitz von John Burton: Der Wagen mit Chassis-Nummer 860002 wurde im August 1961 als zweites Exemplar der ersten Serie an den Rennfahrer Anthony Frederick Davenport ausgeliefert - das Kennzeichen "AFD 250" zeugt noch vom ersten Besitzer. Burton ist Vorsitzender des Jaguar Drivers Club, und er sieht aus, wie man sich einen britischen E-Type-Fahrer vorstellt: Graue Locken, wacher Blick, Lammfellblouson über Tweed-Jackett über V-Pullover und Binder. Den frühen E-Type, wie er verrät nicht sein einziges Exemplar, fährt er regelmäßig bei historischen Rennen in Silverstone, Goodwood und Prescot, aber auch als Familienauto ist das seltene Coupé im Einsatz. Bevor Burton den Wagen in den Achtzigerjahren erwarb, diente er dem Vorbesitzer als Zaunersatz, um Kühe von seinem Grundstück fernzuhalten - der E-Type war in vieler Hinsicht ein alltagstauglicher Sportwagen.

Old fellow mit Sex-Appeal

Souverän übergibt Burton die Schlüssel zu seinem wertvollen E-Type und wechselt auf den Beifahrersitz. Wir fahren entlang des Genfer Sees, diese Route hat einst auch Norman Dewis für seine Testfahrten genutzt. Die zahlreichen Bremsschwellen und Blitzanlagen musste er 1961 wohl noch nicht fürchten. Und tatsächlich ist es gar nicht so einfach, den fünfzigjährigen Sportwagen im legalen Geschwindigkeitsbereich zu bewegen - zu behende und agil zieht der rund 269 PS starke Sechszylinder-Reihenmotor nach vorne. Dank des recht hohen Drehmoments lässt sich der Jaguar aber auch in den höheren Gängen problemlos und komfortabel durch die Stadt bewegen - kein Vergleich zu den störrischen Diven, die seinerzeit in Italien gefertigt wurden. Auch um schmale Kurven dirigiert man das Coupé spielend. Dabei belohnt der Motor jeden Gasstoß mit einem tiefen und satten Grollen, das in Richtung der Höchstgeschwindigkeit um 240 km/h wohl zu einer akustischen Donnerwand anschwillen muss. Langsam dämmert, warum sich nicht nur Bigitte Bardon, sondern auch Tony Curtis und Steve McQueen für den eleganten Briten begeisterten.

Der amerikanische Journalist Henry Manney bezeichnete den E-Type einst als "greatest crumpet-catcher known to man". Und tatsächlich muss die Wirkung des unverhohlen phallischen Sportwagendesigns auf die miniberockte Damenwelt enorm gewesen sein. Auch John Burton scherzt, dass er ohne seinen ersten E-Type wohl einige Bekanntschaften verpasst hätte. Mit einem derartig distinguierten Sex-Appeal können heutige Sportwagen trotz aller Opulenz und Dramatik nicht mehr mithalten - ein Spaziergang durch die Hallen des aktuellen Genfer Salons bestätigt diese traurige Gewissheit. Es heisst, Sir William Lyons sei während der Präsentation des E-Type im Parc des Eaux Vives einige Male dem Trubel entflohen, weil ihm die Begeisterungsstürme der Journalisten unangenehm waren - tatsächlich hatte weder der Firmengründer, noch das Entwicklungsteam mit dem gewaltigen Erfolg des neuen Modells gerechnet. Umso lieber gratulieren wir dem E-Type heute zum 50. Geburtstag: Happy Birthday, Old Fellow! Wenn Altern so schön ist, sind wir gerne dabei.

Jan Baedeker, Classic Driver

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.