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Autokauf: Vorsicht vor den Pleitekandidaten

Unter den Autoherstellern geht in der momentanen Krise die Angst vor einer Insolvenz um. Entsprechend verunsichert sind die Kunden. Die Firmen versuchen zu beruhigen. Dennoch bleibt die Frage: Was kommt auf den Autokäufer wirklich zu, wenn der Hersteller des neuen Wagens pleite geht?

Von Gernot Kramper

Die Worte "Konkurs" und "Pleite" sind Gift für das Geschäft. Allein der Verdacht einer Insolvenz reicht aus, um Kunden zu vertreiben. Das gilt besonders für die Autobranche, denn nach dem Hauskauf ist der Erwerb eines Wagens häufig die größte Kaufentscheidung im Leben. Entsprechend vorsichtig gehen die Kunden vor. In der aktuellen Krise gibt es eine Menge Wackelkandidaten unter den Autoherstellern. Das verunsichert die Kunden zusätzlich. Sie stellen sich die Frage: Was kommt auf den Autokäufer wirklich zu, wenn der Hersteller pleite geht?

Vorsicht bei Anzahlungen

Wer bereits einen Teil der Kaufsumme für einen neuen Wagen bezahlt hat, der erst ist in einigen Monaten geliefert werden soll, kann bei einem Konkurs im Regen stehen. "Das eingezahlte Geld gehört zur Konkursmasse, da kommt der Kunde so schnell nicht heran", warnt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Aber es ist durchaus möglich, dass der Wagen nicht ausgeliefert wird." Sollte die Vorabzahlung unvermeidlich sein, sollte man sich ganz genau erkundigen, ob der Händler oder der Hersteller Vertragspartner ist. Ist es - wie häufig - der Händler, kann das Problem so nicht auftreten, denn dann muss der Händler für den Vertrag einstehen - vorausgesetzt, dieser überlebt als Unternehmen den Untergang des Autoherstellers. "Der klare Rat: Wer einen Wagen von einem Wackelkandidaten kauft, sollte unbedingt darauf achten, erst Geld zu überweisen, wenn der Wagen auch übergeben wird", sagt Edda Castelló.

Hersteller, Niederlassung oder Händler

Alle Hersteller außer Mercedes verkaufen die Wagen über die Händler, nur BMW hat ebenfalls noch eigene Niederlassungen. "Geht der Hersteller pleite, bleiben noch die Händler", denkt der Kunde. Doch laut Rechtsanwalt Kurt Reinking ist das ein Trugschluss. Zwar ist der eigentliche Vertragspartner des Endkunden meist der Händler, "aber wenn die Händler auch pleite gehen, dann haben sie den Salat." Und die Gefahr, dass ein Händler als Vertragspartner den Kunden beim Kauf nicht "retten" kann, ist groß. Ein Hersteller wird bei einem Konkurs immer einen Teil seiner Händler mit in die Pleite ziehen.

Das bedeutet: Im Prinzip steht zwar der Händler in der Pflicht, aber häufig wird es passieren, dass der Kunde am Ende von seinem Recht nichts hat. Hat er bei der Niederlassung eines Herstellers gekauft, muß der Käufer mit Problemen rechnen. Denn die Niederlassung eines Herstellers geht auf jeden Fall mit dem Konkurs unter. Der Autokäufer befindet sich also in der Gefahr, von von einem zahlungsunfähigen Vertragspartner an den nächsten gerät.

Pflichten des Händlers

In den meisten Fällen kauft der Kunde seinen Neuwagen bei einem Händler, der in aller Regel auch der Vertragspartner des Käufers ist. Damit haftet der Händler für alle Pflichten aus dem Vertrag. Im Falle der Pleite eines Herstellers ändert sich für den Kunden formal betrachtet erst einmal nichts. Der Händler hat allerdings Schwierigkeiten, weil er Garantieleistungen erbringen muss und die Kosten nun nicht mehr an den Hersteller weiterreichen kann. Entscheidend ist aber, ob der Händler die Pleite des Herstellers überlebt. Wer einen "Exoten" bei einem breit aufgestellten Autohändler gekauft hat, muss beim Untergang der Firma nicht unbedingt mit der Pleite des Händlers rechnen. Anders sieht es aus, wenn ein großer Hersteller den Löwenanteil des Umsatzes eines Händlers ausmacht. In diesem Fall können die Belastungen aus dem Ende eines Autobauers schnell so groß werden, dass Autohäuser ebenfalls in die Insolvenz gehen.

Rücktritt vom Kauf

Wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass der Kauf keine kluge Entscheidung war, kann man den Fehlkauf nicht einfach wieder rückgängig machen. "Wenn Sie den Wagen bereits auf sich zugelassen haben, und dann tritt der Hersteller-Konkurs ein, gibt es praktisch keine Möglichkeiten einer Rückabwicklung", so Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Garantieleistungen

Meistens tritt für die Garantie der Händler ein. Ist er von der Pleite des Herstellers nicht betroffen, ist der Kunde auf der sicheren Seite - zumindest für die zwei Jahre der gesetzlichen Garantie. Häufig gibt es aber Herstellergarantien, die weit über das gesetzliche Mindestmaß hinausgehen. Garantien über sechs Jahre und weit über 100.000 Kilometer Laufleistung hinaus sind ein wichtiger Kaufanreiz. Auf diese Leistung wird man beim Konkurs verzichten müssen. Kleiner Trost: Die Kosten dieser Garantie werden von der Industrie sehr niedrig angesetzt, entsprechend gering ist der tatsächliche Verlust. Allerdings wird mit Durchschnittswerten kalkuliert, im Einzelfall kann den Kunden ein sehr hoher Schaden treffen, auf den Kosten bleibt er dann sitzen.

Rabiater Wertverlust

Den größten Schaden nach einer Herstellerpleite erleidet der Kunde beim Wertverlust seines Fahrzeugs. Nach dem Zusammenbruch eines Herstellers tritt meist eine schockartige, radikale Entwertung des Fahrzeugbestandes ein. Alles, was noch in Lagern und bei Händlern steht, ist von einem Tag auf den anderen nichts mehr wert und wird auf der Resterampe verschleudert. Restbestände sind nur mit extremen Abschlägen zu den bereits üblichen Rabatten an den Mann zu bringen. Auch die Preise für Gebrauchtwagen fallen ins Bodenlose. Wer kauft schon eine Marke, die es gar nicht mehr gibt?

Wer also etwa in der Woche vor dem Konkurs einen Neuwagen gekauft hat, erleidet einen enormen Schaden. Den Verlust kann man nur in Grenzen halten, wenn man den Wagen behält und möglichst lange fährt. Wer sich aber von seinem Wagen irgendwann wieder trennen will, wird diesen Wertverlust realisieren. Das ist bitter. Es gibt keine Entschädigung für diese Einbußen, da hier keine Vertragspflichten von Händler oder Hersteller berührt sind.

Finanzierung über den Händler

Wer den Kauf des Neuwagens über den Händler finanziert, schließt rechtlich gesehen ein Verbundgeschäft ab. Das heißt, die Verpflichtung des Kunden aus der Finanzierung sind mit den Leistungen des Händlers aus dem Kaufvertrag verbunden. Wenn diese Leistungen ausfallen, sei es in der Garantie oder schon bei der Übergabe des Fahrzeugs, kann der Kunde vom Vertrag zurücktreten.

Er muss dann natürlich den Wagen zurückgeben und kann dafür die Zahlungen einstellen. Ob der Kunde das Recht hat, bereits gezahlte Summen zurückzuerhalten, kommt auf den individuellen Fall an. Bei einem Konkurs dürfte er Schwierigkeiten haben, sein Geld wieder einzutreiben. "Hier muss man genau den Einzelfall ansehen. Wenn sie nichts angezahlt haben und nur zwei Raten geleistet haben, sollte man natürlich zurücktreten, wenn sich die Möglichkeit bietet. Wenn sie den Wagen aber zu einem großen Teil bereits bezahlt haben, bringt der Rücktritt nichts: Sie geben den Wagen zurück und sparen nur die restlichen Raten ein", sagt der Jurist Kurt Reinking.

Finanzierung über eine Bank

Bei einer Fremdfinanzierung über eine Bank können weitaus größere Probleme entstehen: Den Verbund von Produktlieferung und Kredit gibt es bei einer Finanzierung über einen Dritten nicht. Wer einen Kredit bei seiner Hausbank aufgenommen hat, steht für diesen Kredit gerade, ob der Wagen Mängel hat oder nicht. Im – allerdings eher unwahrscheinlichen – Extremfall muss man den Kredit abstottern, auch wenn das Fahrzeug gar nicht geliefert wurde.

Zusammenfassung

Extreme Fälle wie "Geld weg, aber kein Auto bekommen" sind unwahrscheinlich, damit muss niemand ernsthaft rechnen. Trotzdem berührt die Pleite eines Autoherstellers alle Kunden unangenehm. Bei Garantien und Sonderleistungen muss man generell mit Einbußen und komplizierten Abläufen rechnen. In Einzelfällen können Schäden, die die Herstellergarantie abdecken würde, sehr teuer werden.

Praktisch jeder Kunde ist allerdings vom Wertverfall seines Wagens nach der Herstellerpleite betroffen. Hier kommt es auf die innere Verfassung an. Stoische Gemüter könnten sich zurücklehnen: Sie haben den Wagen ihrer Wahl zu einem von ihnen akzeptierten Preis gekauft, daran hat die Pleite nichts geändert. Spätestens beim Verkauf des Fahrzeugs schlägt aber doch die Stunde der Wahrheit: Den ursprünglich kalkulierten Preis des Gebrauchtwagens muss man nach einer Pleite massiv nach unten korrigieren.

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.