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Autosalon Genf: Stimmungsfrühling in der Eiszeit

Die Sonne strahlt, die Besucher strömen und vor dem Messezentrum Palexpo zeigt ein gigantischer Dacia Duster, dass es aufwärts geht. Beim 80. Genfer Salon feiert die Automobilbranche die Rückkehr zur Normalität.

Die miese Stimmung der letzten Autoshows soll vergessen werden. Wo könnte die Automobilwelt einen Neuanfang besser wagen, als am frühlingshaften Genfer See? Die Zeiten, in denen die Stände der Autohersteller bei Messen in der ganzen Welt unbeleuchtet vor sich hin dämmerten und überdimensionale Stromkabel über die wahnwitzige Stocherei im automobilen Elektro-Dschungel hinwegtäuschen sollten, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Auch wenn trotz schwächelnder Wirtschaft die Unsicherheit zwischen A wie Alfa bis Z wie Zagato keinesfalls verflogen ist, scheint es wieder aufwärts zu gehen. Zumindest, was die vorgestellten Produkte angeht. Wurden in den letzten Jahren gern realitätsferne Elektro-Fantasien vorgestellt, kann das heute Gebotene häufig mit dem festen Datum der Markteinführung versehen werden.

Gelungene Modelle in den Volumensegmenten Der Untergang des automobilen Abendlandes scheint für viele gerade noch einmal abgewendet. Da begeistern schmucke Kleinwagen wie der Nissan Micra oder ein Aston Martin Cygnet ebenso wie familiäre Hoffnungsträger in Form von VW Sharan, Opel Meriva oder Mazda 5. Sportskanonen aus dem Hause Porsche oder Ferrari zeigen, dass sich grandiose Fahrleistungen und angemessene Verbräuche nicht ausschließen müssen und selbst die SUV werden wieder aus dem Schatten der Stände herausgeholt. Schließlich haben Modelle wie VW Touareg, Porsche Cayenne oder der überarbeitete BMW X5 mächtig abgespeckt. Hybridmodelle und sparsame Diesel gibt es sowieso. Träumen ist bei den zahlreichen Kleinserienherstellern von Männerspielzeug im Maßstab 1:1 sowieso erlaubt – man ist schließlich auf dem Genfer Salon und nicht auf den bekannten Handwerkermessen in Detroit, Frankfurt oder Tokio.

Limousinen holen wieder auf

Selbst die lange Zeit tot geglaubten Limousinen erleben am Lac Leman eine Renaissance. Der neue 5er BMW ist bereits als Serienmodell ein großer Wurf. Auf dem Autosalon zeigen die dynamischen Münchner mit einer Hybridstudie, wie auch das elektrische Gedankengut in den Entwicklungsabteilungen umgesetzt haben. Konkurrent Mercedes macht kein Geheimnis mehr daraus, dass die E-Klasse als E 300 Bluetec Hybrid zum Jahreswechsel mit einem Diesel-Hybrid auf den Markt kommen wird. Der Verbrauch: 4,1 Liter. "Wir fahren nicht nur in der Formel 1 um den Sieg, sondern auch in der Formel Grün mit Premium-Automobilen, die Verantwortung für die Umwelt und die Faszination von Mercedes-Benz vereinen", lächelt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Noch eine Nummer größer ist der Audi A8 Hybrid. Der steht ebenfalls zumindest als Studie auf dem Salon und läutet eine neue Ära ein. Während die Hauptkonkurrenten BMW 7er und Mercedes S-Klasse auf große Triebwerke setzen, ist der A8 Hybrid mit einem Vierzylinder-Turbo unterwegs - mit Elektromodul. Endlich als Serienmodell zu sehen: der lang erwartete Volvo S60. Wem das nicht reichen sollte: Noch sehenswerter ist der Ausblick auf realitätsnahe Studien wie den kommenden Peugeot 508 oder den Mercedes F 800 Style. So sieht die automobile Limousinen-Oberklasse - einmal französisch und einmal deutsch - in ein paar Jahren aus. Und wenn Seat die Studie des Ibe tatsächlich in die Tat umsetzen darf, dürfte es selbst ein VW Polo schwer haben.

Hybrid für Normalos

Doch der Automobilsalon am Genfer See versteht sich bei der 80. Auflage auch im schnöden Tagesgeschäft. Mit dem Toyota Auris HSD kommt die Hybridtechnik endlich auch einmal in ein Kompaktklassemodell, das nicht derart polarisiert wie der Prius. Weniger als vier Liter Verbrauch auf 100 Kilometer bei 138 PS machen Lust aufs sparen. Ford setzt in der gleichen Liga nicht nur auf die effizienten Ecoboost-Triebwerke, sondern insbesondere auf den neuen Ford Focus, der in Genf als Kombiversion Turnier seine Weltpremiere feiert. Jetzt heißt es, die Kunden bei Laune zu halten. Denn der neue Focus kommt erst Anfang 2011. Ebenfalls neu: das Skoda-Doppel Fabia Scout / Fabia RS und der schmucke Golf-Konkurrent Alfa Giulietta als Nachfolger Alfa 147. Einen erbitterten Kampf liefern sich Audi und BMW / Mini. Während Audi seinen A1 als Serienversion zeigt und eine 102 PS starke Elektroversion namens A1 e-tron an den Horizont malt, lässt es Mini größer angehen. Der Countryman ist die mittlerweile vierte Modellvariante im Mini-Modellprogramm. Der Vorsprung ist groß. Wer es polarisierender mag: der neue Laubfrosch Nissan Juke.

Wagen zum Träumen

Was wäre ein Frühling am Genfer See, wenn es in den ohnehin bekannt heißen Messehallen nicht noch ein paar schöne Models vor hochsommertauglichen Cabriolets zu bestaunen gäbe. Die Publikumswertung geht wenig überraschend an das neuen Maserati GranCabrio, 440 PS stark und 130.000 Euro teuer – ein Traumwagen. Doch es geht auch günstiger wie bei Renault, dessen neue Sonnenanbeter Wind und Megane Cabriolet sich als Serienfahrzeuge durchaus etwas schneidiger hätten präsentieren können. Leider nicht offen, aber trotzdem eine Wucht: der 450 PS starke Audi RS5 als Jäger von BMW M3 und Mercedes C 63 AMG. Wer es noch wilder mag: Lamborghini speckt seinen Gallardo LP 570-4 Superleggera ab und macht ihn 70 Kilogramm leichter. Unter dem Strich stehen 20 Prozent weniger Verbrauch. 13,5 Liter bei 570 PS – immerhin.

Im tiefen Jammertal

Von den Produkten her ist die Branche auf dem rechten Weg. Es gab schon Jahre in denen sich das stets beschworene Feuerwerk der Innovationen auf ein oder zwei gelungene Modelle reduzieren ließ. Gute Produkte werden aber allein kaum ausreichen, um die Wende im Markt zu erzwingen. Bereits der Name "Finanzkrise" deutet daraufhin, dass die derzeitige weltweite Krise nicht durch rückständige Produkte klassischer Branchen herbeigeführt wurde. Das Problem sind die Finanzmärkte und damit die "Finanzen". Der so verursachte Einbruch der weltweiten Nachfrage wird sich nicht allein durch gelungene Fahrzeuge ausgleichen lassen. Von einer Erholung der Märkte ist die Branche weit entfernt. Der europäische Kernmarkt und darin besonders der deutsche Binnenmarkt werden 2010 weiter schwächeln, damit bleiben die Probleme Preiskampf und Überkapazitäten weiter auf der Tagesordnung.

Stefan Grundhoff/Kra

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.