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Bio-Beimischung: Jetzt kommt die Super-Plus-Pflicht!

Noch ist es nur ein Entwurf: Möglicherweise müssen Ottokraftstoffen ab 2009 zehn Prozent Bio-Ethanol beigemischt werden. Motoren, die das nicht vertragen, können dann nur noch mit Super Plus betankt werden. Unter dem Deckmantel des Umweltschutzes soll abgesahnt werden.

Christoph M. Schwarzer

Normalbenzin kostet so viel wie Diesel. Diesel kostet mehr als Super. Und wer dachte, dass die Verbraucher-Verwirrung nicht schlimmer werden kann, hat noch nichts vom neuesten Beschlussvorschlag im Umweltministerium gehört.

Wenn dieser Vorschlag Gesetz wird, könnte in Ottokraftstoffen ab 2009 eine Beimischung von zehn Prozent Bio-Ethanol ("E10") statt bisher fünf ("E5") zur Pflicht werden. Weil viele Benzinmotoren diese erhöhte Quote nicht vertragen, bleibt nur das Ausweichen auf die einzige Kraftstoffsorte, die bei fünf Prozent bleibt. Und das ist das teure Super Plus.

Was beurteilen Sie die geplante Beimischung von zehn Prozent Bio-Ethanol?

Unklare Zahl der Betroffenen

Das Problem bei Ethanol: Der Trinkalkohol kann die Kunststoffe in den Benzinleitungen und Dichtungen lösen. Bisher gibt es keine veröffentlichten Listen der Hersteller, welche Wagen E10 vertragen und welche nicht. Der ADAC spricht von "millionenfachen" Bestandsfahrzeugen, der Verband der Automobilindustrie (VDA) nennt die Zahl von "nur" 375.000 Betroffenen, die auf Super Plus umsteigen müssten.

Von Volkswagen können diese Zahlen nicht stammen. Auf Nachfrage von stern.de erklären die Wolfsburger, dass ab Modelljahr 2007 alle Benziner E10-tauglich sind. Was mit den älteren Baujahren ist, wird zurzeit Stück für Stück genau geklärt. Eine Arbeit, die auf alle Hersteller zukommt. Laut Kraftfahrtbundesamt sind mehr als 35 Millionen Benziner-Pkw zugelassen. Da die Diskussion um die Beimischung von Biokraftstoffen relativ neu ist, dürften vor allem ältere Autos Probleme mit Ethanol haben.

ADAC nennt Pläne "unerträglich"

Der ADAC ist empört über die Pläne, die Pflichtbeimischung von Ethanol auf zehn Prozent zu steigern: "Bei diesem Thema haben Politik, Landwirtschaft, Hersteller und Mineralölwirtschaft Hand in Hand gearbeitet, und der Autofahrer muss die Zeche bezahlen, das ist unerträglich", sagt ADAC-Präsident Peter Meyer.

Zumindest die Mineralölindustrie wäscht ihre Hände in Unschuld. "Wir reißen uns nicht darum, Ethanol beizumischen", erklärt Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband. "Wir werden eine Schutzsorte für E10-untaugliche Wagen anbieten, und das wird Super Plus sein." Und das kostet etliche Cent mehr. Der ADAC sieht den Entwurf des Umweltministeriums darum als "Versuch, unter dem Vorwand der Umweltfreundlichkeit die Autofahrer zu nötigen, neue Autos zu kaufen oder teuren Sprit zu tanken, den sie gar nicht brauchen."

BUND gegen Biokraftstoffe

Wer glaubt, dass die Bundesregierung mit ihrem Beschlussvorschlag auf den Wunsch von Umweltverbänden reagiert, irrt sich gewaltig. Thorben Becker, Energiereferent beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), plädiert klar dafür, die Beimischungspflicht einzufrieren oder sogar abzuschaffen: "Aus Klimaschutzsicht ist es am sinnvollsten, die beschränkt zur Verfügung stehende Biomasse nicht in Automotoren zu verbrennen, sondern in Kraftwerken einzusetzen, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen." Eine Forderung, die nicht neu ist und neue Nahrung kriegt, seitdem immer mehr Biosprit aus zweifelhaften Quellen kommt.

Ähnlich wie bei "bleifrei"

Ein bisschen erinnert die Diskussion an die Einführung des bleifreien Benzins in den 80ern. Das giftige Schwermetall musste aus den Tanks verschwinden, damit die Katalysatoren keinen Schaden nahmen. Wer einen Altwagen fuhr, war unter Umständen gezwungen, Additive in den Tank zu kippen, um seinen Motor zu schützen. Und mancher schadenfrohe Fahrer einer Citroen-Ente klebte sich stolz einen "I fly bleifrei"-Aufkleber aufs Heck. Ein Aufstand blieb genau so aus wie bei der Debatte um die Verträglichkeit von Biodiesel ("RME") in modernen Direkteinspritzern.

Schweden kein Vorbild

In Skandinavien scheint man vom deutschen Kleinklein nichts zu halten: In Schweden setzt man auf Bio-Ethanolquoten von über 85 Prozent ("E85"). Wer einen solchen Wagen fährt, bekommt Steuererleichterungen und andere finanzielle Hilfen. Der Grund: Im Elchland hat man sich das Ziel gesetzt, bis 2020 von Ölimporten unabhängig zu sein. Und die Kunden freuen sich, weil Saab und Volvo ihnen tolle "flex fuel"-Autos anbieten, die alles verdauen.

Ein Modell, das in Deutschland nicht klappen kann. Hier ist das Verhältnis von Bevölkerungszahl zu potenzieller Anbaufläche sehr viel schlechter als im dünn besiedelten Schweden. Warum die Politik weiter auf die Erhöhung des Biospritanteils drängt, bleibt unklar. Klar bleibt nur, wer zahlt: Der Fahrer.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.