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Biokraftstoffe: Biosprit, die Umweltsau

Arbeitsplätze auf dem Land, Unabhängigkeit von Ölimporten und Klimaschutz: Die Bundesregierung verspricht sich viel vom Ackersprit. Und setzt damit die falschen Prioritäten, sagt ein wissenschaftlicher Beirat, der die aktuelle Politik als ineffizient und zerstörerisch kritisiert.

Von Christoph M. Schwarzer

Biomasse, so ein Mist! Schön wär's, sagt jetzt ein Beirat von Agrarminister Seehofer. Mit der Verstromung von Gülle und Reststoffen in Kleinkraftwerken könnte die gerade in Deutschland begrenzten Feldflächen besser genutzt werden. Die aktuelle Förderung sei zu teuer und weit weniger effizient als möglich, kritisieren die Wissenschaftler. Vor allem im Autotank habe Biosprit nichts zu suchen. Brennt der Regenwald, damit wir weiter Vollgas geben können?

Bisher vorwiegend deutsche Quellen

Nein, zumindest nicht, wenn man dem Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie glauben darf. 80 Prozent des Biodiesels werde aus Raps von einheimischen Feldern erzeugt, sagt ein Sprecher. Den Rest erbringe Soja aus den USA und Kanada. Beim Bioethanol käme das erforderliche Getreide, der Mais und die Zuckerrüben sogar komplett aus dem Inland. Und selbst bei der geplanten Anhebung der Biokraftstoffquote sei eine Versorgung aus europäischen Quellen kein Problem.

"Da wird mir richtig übel"

Das sieht Alexander Hissting, Agrarexperte bei Greenpeace, etwas anders. Er denkt global und erklärt, dass zurzeit mehr als 80 Prozent aller Pflanzenöle als Lebensmittel verbraucht werden. Nicht nur in Deutschland habe man ehrgeizige Beimischungsziele. Weltweit sollen bald zehn Prozent des Dieselbedarfs vom Acker kommen. Drei Viertel aller Pflanzenöle würden dann durch die Brennkammern gejagt werden: "Mir wird richtig übel, wenn ich die internationalen Zielquoten höre", sagt Hissting.

Autos sind eben ineffizient

Egal ob Porsche 911 oder Fiat 500, Automotoren sind einfach nicht effizient. Wenn's gut läuft, werden 30 bis 40 Prozent der im Sprit enthaltenen Energie in Vortrieb verwandelt. Der Rest verpufft als Abwärme. Und darum, so Hissting, "gehören Biokraftstoffe nicht in den Tank". Klar, ein Vertreter von Greenpeace. Aber einer, dem nicht nur Physik und Chemie, sondern auch der wissenschaftliche Beirat des Agrarministers Recht geben.

Beimischungspflicht aufheben

Die Beimischungsziele, so die Empfehlung, sollten "zurückgenommen werden". Gut für die Umwelt und die geplagten Autofahrer, die angesichts ständiger Hiobsbotschaften für den alternden Fahrzeugbestand in Agonie zu verfallen drohen. Die Zurücknahme der Beimischungspflicht würde allerdings auch einigen Parteien weh tun. Zum Beispiel den Produzenten der Biokraftstoffe, die eine Erhöhung der Quote vehement eingefordert haben, weil ihnen sonst die Pleite droht.

Was sagen Sie zu Bio-Sprit?

Sie profitieren von der geplanten Quotensteigerung und bringen das immergleiche Totschlagargument: Arbeitsplätze. Und auch die Landwirtschaft freut sich, dass nach Jahrzehnten brutaler Billigpreise der Tropf staatlicher Subventionen ein Stück überflüssiger wird. Last but not least verdient auch der Staat bei der Pflichtbeimischung: Bioethanol an einer Extra-Zapfsäule wäre steuerbefreit, in der Beimischung ist er es nicht.

Amerikanisches Grundrecht auf Mobilität

Unterdessen steigt der Preis fürs Rohöl auch ohne Spekulanten weiter an, was vor allem den Amerikanern den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Automobilität ist in den USA immer noch eine Art nicht verbrieftes Grundrecht, und das wird pragmatisch eingefordert. Weite Ackerflächen werden für den Anbau von Pflanzen zur Erzeugung von Bioethanol genutzt. Jetzt schon. Warum? Weil der Diesel in den USA die Abgashürden oft nicht schafft, der Benziner etabliert ist und sich mit wenig Aufwand auf Ethanolbetrieb umrüsten lässt.

Besonders geringe "Vermeidungsleistung"

Aber gerade Ethanol ist nach der aktuellen Empfehlung des wissenschaftlichen Beirats kein Königsweg. Im Gegenteil, nirgends sei das für den Klimaschutz vermiedene Kohlendioxid pro Hektar so gering. Und gleichzeitig wären die CO2-Vermeidungskosten nirgends so hoch. Weder die Unabhängigkeit vom Rohöl noch die Schaffung von Arbeitsplätzen könne so erreicht werden.

Feigenblatt für die Autoindustrie

Das Feld ist eben da, um Nahrungsmittel zu produzieren. Der Ackersprit kann zwar die Bauern aus ihrer Misere führen, aber nur wenn ausländische Landwirte nicht noch billiger sind. Ganz sicher werden die Lebensmittelpreise so nicht sinken, und das spüren speziell die, die ohnehin schon wenig haben. In Mexico City, in Delhi, in Berlin.

Die Profiteure des Biospritbooms sind scheinbar die Autohersteller. Sie können den Zwang zur Produktion von ernsthaft sparsamen Autos weiter hinauszögern. Und wahrscheinlich wird der an der Zapfsäule beigemischte Biosprit sogar auf die Kohlendioxidemissionen angerechnet. Ein Feigenblatt und ein Skandal zugleich: Der Gedanke an einen Geländewagen, der dank Biosprit als "klimaneutral" und damit umweltfreundlich durchgehen könnte, wirkt obszön.

Zukunftsstrategie bei Daimler

Wohin die Reise geht, sagt die Daimler AG. In der ersten Stufe sollen die aktuellen Motoren immer sparsamer und sauberer werden, mit BLUETEC und Hybrid und Diesotto. Dass gerade Mercedes-Benz davon noch meilenweit entfernt ist, zeigt der aktuelle Flottenverbrauch, bei dem die Marke mit dem Stern trotz des Sparmeisters Smart cdi den Negativrekord hält. Nach der Motorentechnik soll der Biosprit helfen, und da vor allem der BtL-"Sundiesel".

Den Quantensprung verspricht aber erst das elektrische Fahren, bei dem Mercedes-Benz auf die Brennstoffzelle setzt. Ab 2010 soll die B-Klasse in Kleinserie den Markt ertasten. Zu früh oder zu spät? Darüber entscheidet nicht nur der Markt. Auch der Gesetzgeber kann durch Vorgaben und Förderungen eingreifen. Im Moment scheint vor allem der Altbestand im Fadenkreuz zu sein. Wie ernst es die Bundesregierung mit dem Klimaschutz meint, wird die kommende Kohlendioxidsteuer zeigen. Mal sehen, ob die Spritsäufer ungeschoren davonkommen.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.