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Streitpunkt E10: ADAC fährt die harte Tour

E10 sorgt weiter für Ärger: Der ADAC hat jetzt mehrere Mineralölkonzerne angezeigt. Und an der Zapfsäule machen die meisten Autofahrer weiterhin einen großen Bogen um den neuen Biosprit.

Der Streit um den neuen Biokraftstoff E10 geht in eine neue Runde. Der ADAC hat jetzt Anzeige gestellt und sich dabei fast alle Großen der Mineralölbranche vorgeknöpft: Der juristische Vorstoß richtet sich gegen Marktführer Aral, aber auch BP, Jet, OMV und Shell sind betroffen. Nach Ansicht der Autoclubs verstoßen die Unternehmen gegen die gesetzlichen Regelungen zur E10-Einführung: Sie böten nun an manchen Tankstellen kein herkömmliches Super mehr als E10-Alternative an, sondern zum Beispiel nur das teurere Super Plus. Laut ADAC-Mitteilung vom Dienstag ist es aber vorgeschrieben, dass Anbieter von Super E10 gleichzeitig auch ein entsprechendes "klassisches" Superbenzin E5 mit niedrigerem Ethanol-Anteil vorhalten müssten.

Stichproben hätten gezeigt, dass an Tankstellen in München unter der Bezeichnung Super aber ein Kraftstoff der Qualität Super Plus angeboten werde, der pro Liter acht Cent mehr koste als der neue Biosprit. Superbenzin hat normalerweise die Oktanzahl 95, während Super Plus bei 98 liegt. Die Oktanzahl bestimmt die "Klopffestigkeit" des Kraftstoffs.

Keiner will E10

Unterdessen bleibt E10 an den Tankstellen weiterhin ein Ladenhüter. Es gebe immer noch keine Stimmung zugunsten des neuen Kraftstoffes, berichtete die "Bild"-Zeitung am Dienstag unter Berufung auf eine Umfrage unter Mineralölkonzernen. "Es gibt keine Trendwende. Der Absatz von E10 beim Ottokraftstoff liegt nur bei 20 bis 25 Prozent", sagte ein Total-Sprecher dem Blatt.

Beim Branchenprimus Aral sieht die Situation ähnlich aus. Unternehmenssprecher Guido Brandenburg sagte der Zeitung, je nach Standort würden nur 30 bis 40 Prozent der E10-tauglichen Autos auch tatsächlich damit betankt. Auch bei Shell hieß es, die Akzeptanz sei "unverändert schlecht". Nur jeder Dritte, der ein E10-taugliches Fahrzeug besitze, tanke den Biosprit. Eine Esso-Sprecherin sagte der Zeitung: "Bei uns hat sich die Hoffnung auf eine Trendwende leider nicht erfüllt."

tav/DPA/AFP / DPA
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